Seniorenberatungsstelle Bassum: So helfen Alltagshelfer älteren Menschen
Nach dem Tod ihres Mannes vor fünf Jahren ist Gertrud Löhman in ein tiefes Loch gefallen. Sie trifft die Entscheidung, zur Seniorenberatungsstelle zu gehen, und liegt damit goldrichtig. Mehrere Stunden am Tag verbringt sie heute mit Alltagshelferin Marlene Troyer. Unter anderem spielen sie Karten, trinken Kaffee und gehen in Ausstellungen.
Bassum – „Ich bin 78, ach Quatsch, 87. Siehst du, jetzt verwechsele ich das schon selbst“, sagt Gertrud Löhman in Richtung Marlene Troyer und lacht. Der 87-Jährigen ist ihr offener, herzlicher und humorvoller Charakter jederzeit anzumerken. Dabei hat sie es nicht leicht. Sie lebt allein in Bassum. Ihr Ehemann ist vor fünf Jahren gestorben. Gertrud Löhmann fühlte sich „wie in einem tiefen Loch“.
Doch dort wollte sie wieder raus und meldete sich bei der Seniorenberatungsstelle. Seitdem ist die Seniorin viel mit Alltagshelferin Marlene Troyer unterwegs. Mit anderen Senioren trifft sie sich in der Beratungsstelle zum Frühstück oder zu Spiele-Nachmittagen.
„Ich bereue nicht, hierhergekommen zu sein. Im Gegenteil: Das war eine sehr gute Entscheidung. Ich werde hier liebevoll betreut“, schwärmt Gertrud Löhmann. Acht bis zehn Stunden verbringt sie mit ihrer Alltagshelferin Marlene Troyer. Sie spielen Karten, trinken Kaffee oder fahren zusammen zu Ausstellungen. Marlene Troyer übernimmt auch die Fahrten zum Arzt.
„Ich habe mein Leben lang in der Pflege gearbeitet“
„Ich habe mein Leben lang in der Pflege gearbeitet. Vor zweieinhalb Jahren habe ich das Angebot der Seniorenstelle gesehen und dachte, dass das was für mich ist“, erklärt Marlene Troyer ihre Entscheidung, Alltagshelferin zu werden. Vor vier Jahren zog sie nach Bassum. Sie musste eine 30-Stunden-Schulung zur Alltagshelferin – aufgeteilt auf drei Wochenenden – machen. Neben Gertrud Löhmann unterstützt die 67-Jährige eine weitere ältere Frau im Alltag.
Besonders Spaß haben Alltagshelferin Marlene Troyer und die Seniorin Gertrud Löhmann beim Gedächtnistraining. „Da spielen wir zum Beispiel ,Ich packe in meinen Koffer"“, erzählt Gertrud Löhmann und schiebt in Richtung Troyer lachend nach: „Weißt du noch, wie wir da letztes Mal gelacht haben? Das war ein Spaß.“ Durch ihren Schwiegersohn habe Gertrud Löhmann von der Seniorenberatungsstelle und dem Angebot erfahren.
Die Chemie zwischen ihr und Marlene Troyer stimmt. Mittlerweile sei eine Freundschaft entstanden. Privat treffen sie sich meist bei Gertrud Löhmann. „Dann muss ich mich nicht auf den Weg machen. Das ist für mich einfacher“, erzählt sie. Zu den Lieblingsspielen der beiden gehören Skip-Bo, Phase 10, oder Rommé. Einmal pro Woche treffen sich die Senioren der Beratungsstelle mit allen Alltagshelfern zum Frühstück oder zum Spielen.
Nina Ehlers-Röpe ist Leiterin der Bassumer Seniorenberatungsstelle und erklärt, dass derzeit viele Pflegebedürftige auf einen Alltagshelfer warten. „Wir haben 15 Helfer, aber das reicht nicht“, sagt sie. Im Frühjahr gebe es die nächste Schulung zum Alltagshelfer. Ehlers-Röpe hofft auf viele Anmeldungen. Dass die Senioren gut betreut werden, betont Gertrud Löhmann immer wieder. „Ich kann das nur jedem empfehlen“, sagt sie. Bevor die Alltagshelfer mit den Senioren den ersten Kontakt haben, sind Nina Ehlers-Röpe und ihre Mitarbeiterin Kerstin Böse die ersten Ansprechpartner. „Wir schauen dann, zu welchem Alltagshelfer der Mann oder die Frau passen könnte und machen einen Termin zwischen beiden aus, bei dem wir dabei sind. Es muss natürlich passen zwischen beiden“, erklärt die Leiterin.
Seniorenberatungsstelle sucht weitere Alltagshelfer
Der Job als Alltagshelfer sei nicht einfach. Man habe unter anderem mit dementen Personen zu tun. „Das kann nicht jeder. Wir müssen auch Seelentröster sein. Viele haben Angehörige verloren, wenn sie zu uns kommen“, weiß Ehlers-Röpe. So wie auch Gertrud Löhmann. Ihre Trauer über den Tod ihres Mannes hat sie überwunden. Dabei haben ihr ihre zwei Töchter und ihr Enkelkind geholfen. An Heiligabend war ihre ältere Tochter mit ihrer Familie in Bassum zu Besuch. Den zweiten Weihnachtsfeiertag verbrachte die 87-Jährige bei ihrer jüngeren Tochter.
Und nicht zuletzt sind Marlene Troyer und die Bassumer Seniorenberatungsstelle dafür verantwortlich, dass Gertrud Löhmann nicht allein, sondern immer unter Menschen ist. Sie sagt: „Die Zeit hier ist immer sehr schön und gemütlich. Nichts würde ich dagegen eintauschen.“
Alltagshelfer werden: Die Seniorenberatungsstelle sucht weitere Alltagshelfer. Wer sich vorstellen kann, eine Seniorin oder einen Senioren im Alltag zu unterstützen, kann sich bei Nina-Ehlers Röpe oder Kerstin Böse unter 04241 / 8209554 melden.