Pionier in der Region
Wasserstoff: Tankstellen auf dem Land geplant
Bahn, Flugzeug und Auto: In vielen Bereichen ist Wasserstoff eine Lösung. Das löchrige H2-Tankstellen-Netz soll weiter geschlossen werden.
Br.-Vilsen. Die Brennstoffzelle ist tot – es lebe die Brennstoffzelle. 2021 sagten Autobauer wie VW, dass eine mit Wasserstoff (H2) betriebene Brennstoffzelle keine Zukunft im Autosektor habe. Eine Batterie sei für Pkw die Lösung. Anfang Januar titelte Kreiszeitung.de „Elektroauto laden: Erhöhte Strompreise und Tarifchaos werden zur Kostenfalle“. Steigende Stromkosten könnten die Brennstoffzelle attraktiv machen.
| Windkraft Bundesländer | Leistung in Megawatt (MW) |
| Niedersachsen | 11.325 |
| Brandenburg | 7.320 |
| Schleswig-Holstein | 6.996 |
Egal welche Antriebstechnik (Batterie, H2 oder Benzin) ein Autofahrer wählt, ohne ein entsprechendes Tankstellennetz funktioniert es nicht. Die nächsten H2-Tankstellen für Einwohner der Samtgemeinde Bruchhausen-Vilsen wären in Stuhr, Bremen (Nähe Weser-Park) und Hannover. Doch in den kommenden Wochen könnten die Weichen für eine Wasserstofftankstelle in Bruchhausen-Vilsen gestellt werden. Eine Realisierung wäre dann Ende 2023 oder 2024 möglich.
Wann das Projekt exakt starten kann, hängt von einem gerichtsfesten Flächennutzungsplan (F-Plan) ab. Wie berichtet, ist die Samtgemeinde in den finalen Zügen für eine Aktualisierung. Der Planungsausschuss hat bereits grünes Licht gegeben. Nun muss noch der Samtgemeinderat zustimmen.
Hinter dem Projekt „Wasserstofftankstelle“ stecken Söhnke Schierloh aus Süstedt und die Firma GP Joule. Schierloh ist in der Region bekannt als Windparkplaner und -betreiber. GP Joule setzt lokale Wasserstoffprojekte um. Zusammen wollen sie zwei H2-Tankstellen errichten – eine in Bruchhausen-Vilsen und eine in Hoya.
Der benötigte Wasserstoff stammt aus einem Umwandler, einem Elektrolyseur. Dieser zerlegt mit „grünem“ Strom Wasser in seine Bestandteile. Der Elektrolyseur hat eine Größe von einem Schiffscontainer und eine Leistung von einem Megawatt (MW). „Pro Tag lassen sich so maximal 450 Kilogramm H2 herstellen“, sagt Söhnke Schierloh. Und weiter: „Der Elektrolyseur ist erweiterbar auf zwei MW.“
Per Lkw soll dann der Wasserstoff zu den beiden Tankstellen transportiert werden. An ihnen können Lkw und Pkw tanken. Dieses ist wichtig, da Autos mit 700 bar betankt werden und Laster nur mit 350 bar. Im Moment gibt es einen Einheitspreis für Wasserstoff: 9,50 Euro pro Kilogramm. Zur Einordnung: Ein aktueller Pkw wie der Hyundai Nexo kann 6,33 Kilo Wasserstoff tanken. Die Faustformel für den Verbrauch besagt: ein Kilogramm pro 100 Kilometer. Ein Lkw verbraucht zwischen acht und zehn Kilogramm pro 100 Kilometer.
Wasserstoff: Strom aus erneuerbaren Energien
Um gut für das Klima zu sein, muss der Wasserstoff „grün“ sein. Dafür benötigt man Strom aus erneuerbaren Energien wie Wind oder Sonne. Als Quelle dient ein in der Samtgemeinde geplanter Bürgerwindpark.
Der produzierte „grüne Wasserstoff“ benötigt auch Abnehmer. Ohne eine bestimmte Anzahl an festen Kunden rechnet sich eine solche Tankstelle nicht. „Wir sind mit regionalen Firmen und Gewerbetreibenden in Gesprächen, ob sie bereit wären, einen Teil ihrer Fahrzeugflotte auszutauschen“, verrät der Süstedter. Die beiden geplanten Zapfsäulen stehen aber auch allen anderen zur Verfügung.
Bei allem Hype um E-Mobilität – ohne Förderung ist der Aufbau der erforderlichen Infrastruktur nicht zu finanzieren. Dies bezieht sich nicht nur auf die beiden Tankstellen und den Elektrolyseur, sondern auch auf den Kauf von Fahrzeugen. „GP Joule kennt sich mit Förderprogrammen aus“, so Söhnke Schierloh. Vermutlich werden in den kommenden Jahren die Preise für H2-Autos fallen. Im Moment kostet der Nexo ab 77 000 Euro.
Platzhirsche der Brennstoffzelle in Autos sind die asiatischen Modelle von Toyota, Honda und Hyundai. Opel (der Mutterkonzern Stellantis) und BMW haben angekündigt, ebenfalls H2-Autos in diesem Jahr zu präsentieren. Mehr Konkurrenz gepaart mit Förderungen und Steuererleichterungen – so könnte die Brennstoffzelle eine attraktive Alternative werden zum klassischen E-Auto und Verbrenner. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Andree Wächter

