Update für Online-Petition
Sulinger Jugendliche wollen nicht aufgeben
Sulingen – Das Ziel der Online-Petition „Nachtwerk statt Combi!“, die Sulinger Diskothek zu erhalten, scheint kaum mehr realistisch – die Initiatoren, Luise Beverborg und Janik Vielhauer, wollen sich aber weiter engagieren, wie einem Update zu entnehmen ist.
Als Reaktion auf unsere Berichterstattung zur Petition hatte Heinrich Henke, Eigentümer des ehemaligen Lokschuppens, in dem die Disco untergebracht ist, und der angrenzenden Flächen, angekündigt, das „Nachtwerk“ definitiv zu schließen – zum 31. Juli. Die Petition habe auf die Meinung der Jugendlichen aufmerksam machen sollen und sich nicht gegen den Eigentümer gerichtet, heißt es im Update.
Dennoch wollen beide die Petition, die bislang mehr als 6 750 Unterstützungsunterschriften versammeln konnte, nicht zurückziehen: „Unser Ziel ist, dass mehr auf die Jugend und ihre Bedürfnisse geachtet wird“, betont Luise Beverborg. Im besten Fall bliebe das „Nachtwerk“ erhalten, „aber uns geht es grundsätzlich um ein Angebot für die Jugend.“
Einsatz für Bedürfnisse der Jugendlichen
Dazu gehöre eine Diskothek, auch wenn es noch keine Alternative zum „Nachtwerk“ gebe. Dessen Betreiber Rijad Al-Ghoul brachte Gebäude im SUN-Park ins Gespräch (wir berichteten), aber „wir sind unabhängig vom ,Nachtwerk‘ und den Angestellten, wir kämpfen für die Bedürfnisse der Jugendlichen“, sagt Luise Beverborg. Wichtig sei, dass eine offene Diskussion geführt wird: „In die können wir als junge Menschen Ideen einbringen, was unsere Region noch brauchen könnte – uns geht es um den Dialog.“ Den wolle man insbesondere mit der Politik führen. Zwar brachte die Beteiligung der beiden Initiatoren an der Einwohnerfragestunde im Rahmen der jüngsten Sitzung des Stadtrates nicht die gewünschten Stellungnahmen, aber zumindest seien Gespräche in Aussicht: Eventuell noch im Laufe der Woche gebe es einen Termin mit dem Bundestagsabgeordneten Axel Knoerig, von verschiedenen Gruppen und Fraktionen aus dem Rat sei man eingeladen und zum Teil auch schon bei der Petition unterstützt worden, auch Sulingens Bürgermeister Patrick Bade habe einen Austausch angeboten.
Thema soll nicht nur eine Diskothek sein, sondern auch der Erhalt des Gebäudes. Luise Beverborg: „Wir haben aus den Kommentaren und Gesprächen gerne aufgenommen, dass für viele der Lokschuppen das Stadtbild mit prägt.“ Der Bahnhof sei längst verschwunden, und wenn der Lokschuppen auch abgerissen würde, bliebe nur das kleine Stellwerkgebäude. Daher solle nun eine Untersuchung durch eine unabhängige Behörde angeregt werden, ob das Gebäude denkmalwürdig ist. „Die Verfahren sind langwierig, aber in der Zeit dürfte nichts passieren, was den Abriss angeht.“
Wann mit solchen Schritten zu rechnen ist, kann Luise Beverborg nicht sagen: „Wir haben im Abiturjahrgang nur begrenzt Zeit.“ In den beiden kommenden Wochen würden noch Klausuren geschrieben, danach könnten sie sich auf die Petition und „die Möglichkeiten, die wir sonst noch haben“, konzentrieren. Ob dazu auch eine ständige Plattform für die Beteiligung Jugendlicher (ähnlich des nicht mehr bestehenden Stadtschülerrats) gehört, stehe noch nicht fest: „Es kommt darauf an, wie die Gespräche mit dem Bürgermeister und der Stadt laufen.“
Zur ursprünglichen Meldung vom 15. Februar:
Dass nach nur zwei Tagen so viele Stimmen zusammenkommen, damit hätten sie nicht gerechnet, bekennt Luise Beverborg. Nachdem bekannt geworden war, dass im Zuge der geplanten Ansiedlung eines Combi-Marktes durch die Unternehmensgruppe Bünting das Gebäude des früheren Lokschuppens abgerissen werden soll (wir berichteten), hatte sie einen Protest formuliert – ebenso wie Janik Vielhauer. „Wir haben festgestellt, dass wir beide das Gleiche vorhaben“, sagt er, „also haben wir uns zusammengetan.“
Gemeinsam starteten sie die Petition auf einer Online-Plattform (www.change.org/p/stadtrat-sulingen-nachtwerk-statt-combi). Seither hätten sie zahlreiche Nachrichten sie erreicht: „Wir haben von vielen gehört, dass es in unserer Generation großen Unmut über die Pläne gibt“, berichtet Luise Beverborg, ebenso Janik Vielhauer im aktuellen Abiturjahrgang des Gymnasiums Sulingen, „aber es ist auch schön, zu sehen, dass es viele Ältere gibt, die uns unterstützen, weil es sie an ihre eigene Jugend erinnert.“
Sulingen soll weiter für junge Menschen attraktiv bleiben
Vorrangiges Ziel der Aktion sei der Erhalt des „Nachtwerks“, bekräftigt Janik Vielhauer: „Es ist ein Aushängeschild für die Jugend.“ Schon lange arbeiteten die Jahrgänge des Gymnasiums mit der Diskothek zusammen bei den Sek-II-Feten. Vor allem bei den Konzerten sei immer wieder zu beobachten, aus welchem Umkreis die Besucher sich einfinden – „die Leute kommen von überall her.“ Auch aus großen Städten, ergänzt Luise Beverborg, beispielsweise ehemalige Sulinger, die jetzt studieren und dafür wieder zurückkämen. „Die Stadt muss auch weiter für junge Menschen attraktiv bleiben“, fordert sie. Schon die fehlende Bahnanbindung sei ein Nachteil.
„Es geht uns auch darum, dass die Sorgen und Nöte der Jugendlichen wahrgenommen werden“, beschreibt sie ein weiteres Ziel der Petition. In den letzten drei Jahren habe gerade die Jugend durch Lockdown und soziale Einschränkungen viel einstecken müssen. In der jüngeren Generation breche die Gesellschaft auseinander, weil man sich untereinander kaum noch kenne – deswegen seien Orte wie das „Nachtwerk“ wichtig für die „soziale Gesundheit“.
Andere Diskotheken nur schwer mit dem Bus zu erreichen
Zwar gibt es andere Diskotheken wie „Bensemann’s“ in Affinghausen oder den „Life Musikpark“ in Ströhen. Aber die sind, wie sich der Petition entnehmen lässt, nur schwer mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Hinzu komme: „Das ,Nachtwerk‘ hat eine gewisse Atmosphäre“, findet Janik Vielhauer. „Das Gebäude gehört zu Sulingen, es ist ein Stück Heimat“, betont Luise Beverborg. Mit seiner Größe biete es auch andere Möglichkeiten als die anderen Diskotheken im Landkreis: „Es ist einfach super, weil hier so viel Platz ist.“ Das sei auch gut angenommen worden, als die Diskothek im Sommer wieder öffnen durfte – „es war immer voll.“
Bei der Petition gehe es den Menschen aber nicht ausschließlich um das „Nachtwerk“, hat Janik Vielhauer festgestellt. Viele nutzten die Gelegenheit zum Kommentieren auch, weil sie infrage stellen, dass ein weiterer Supermarkt in Sulingen gebraucht wird.
Jugendliche wollen in die Diskussion einbezogen werden
Allein bei der Online-Aktion wollen es die Organisatoren nicht belassen: Geplant ist auch, sich an die Mitglieder des Stadtrates zu wenden mit dem Wunsch, in die weitere Diskussion zum Vorhaben mit einbezogen zu werden. Die Petition sei nicht beendet, betont Luise Beverborg: „Abstimmen lohnt sich weiterhin, um der Jugend eine Stimme zu geben.“ Zudem haben sie eine E-Mail-Adresse (petitionsulingerjugend@gmail.com) für Fragen und Anregungen eingerichtet.
Ist die Aktion nicht auch ein Anlass, um wieder über eine dauerhafte Jugendvertretung wie den bisher kurzlebigen Stadtschülerrat nachzudenken? „Der Fall zeigt, dass es sinnvoll ist“, findet Janik Vielhauer. „Das wäre sicher gewinnbringend“, stimmt Luise Beverborg zu, „aber die Petition zeigt auch, dass es nicht zwingend so ein Gremium braucht, wenn das Problem akut ist.“