Braunschweig

„Bedrückende Atmosphäre“ – Altes Waisenhaus in Niedersachsen ist heute ein Lost Place

Ein verlassenes Waisenhaus in Braunschweig birgt eine lange Geschichte. Doch was passiert, wenn man in die leeren Hallen ruft?

Braunschweig – „Wir sind sofort abgehauen“, schreibt eine Person in einem Internetforum für Verlaverlassene Orte. Denn als sie in das verlassene Waisenhaus hinein rief, habe eine Stimme geantwortet, die klang „wie ein kleines Mädchen“. In Braunschweig liegt dieser Ort. Die Geschichte des Waisenhauses geht bis ins 13. Jahrhundert zurück.

Altes Waisenhaus in Braunschweig hat eine lange Geschichte

Die Stiftung „Großes Waisenhaus Beatae Marie“ ist nach eigenen Angaben eine „der ältesten und bedeutendsten Bürgerstiftungen des Braunschweiger Landes.“ Sie geht zurück bis ins 13. Jahrhundert: 1245 wurde sie urkundlich zum ersten Mal erwähnt. Damals wurde das Hospital Beatae Mariae Virginis (BMV) gegründet, um „Arme, Gebrechliche, Alte und Kranke“ aufzunehmen, wie es auf der Website heißt.

Was genau in den folgenden 300 Jahren passierte, ist in der Chronik der Stiftung jedoch nicht ersichtlich. Dort heißt es nur, dass die Stiftung in den Jahren 1976/1977 eine „große Zäsur“ erlebte. Das Hospital wurde zum „Armen-, Waisen-, Zucht- und Werkhaus“. Die Gründung solcher Anstalten sei in der Zeit nach dem 30-jährigen Krieg üblich gewesen, berichtet die Stiftung. Sie sollten für viele verschiedene Problemfelder zuständig sein. Jedoch zeige sich die Absicht dieser Einrichtungen schon im Titel .

Ein altes Waisenhaus in Braunschweig ist heute ein Lost Place. (Symbolbild)

So lebten die Waisenkinder also gut siebzig Jahre gemeinsam mit den anderen genannten Gruppen zusammen. Das änderte sich erst im Jahr 1748, berichtet die Stiftung auf ihrer Website. Damals habe man die Gruppen getrennt. Für die Kinder habe es zudem eine eigene Realschule, die sich zu einer „Musterschule in der Stadt“ entwickelte, heißt es.

So verfiel das alte Waisenhaus in Braunschweig

Als im Jahr 1944 die Bomben der Alliierten auf Braunschweig fielen, wurde auch das Waisenhaus zerstört. Zunächst wurden die Kinder provisorisch in einem Flügel des ehemaligen Luftwaffenkommandos in Braunschweig untergebracht. 17 Jahre später zog die Einrichtung in einen Neubau an der Salzdahlumer Straße in Braunschweig. Damals lebten dort rund 250 Kinder und Jugendliche.

Das Gebäude des Waisenhauses steht dort bis heute. Jedoch leben dort schon lange keine Kinder mehr. Mit den Jahren verlor die Heimerziehung nämlich immer mehr an Relevanz, heißt es. So diente das Gebäude des Waisenhauses eine Zeit lang als Standort für eine sonderpädagogische Tagesgruppe. Auch ein Jugendgästehaus war dort zeitweise untergebracht.

Im Jahr 2005 stellte die Stiftung ihr operatives Geschäft schließlich ein. „Dazu gehörte insbesondere die Schließung von Einrichtungen wie Kindertagesstätten und des in Braunschweig bekannten, an der Salzdahlumer Straße gelegenen Waisenhauses.“ Acht Jahre später wurde das Gebäude schließlich verkauft. Seitdem verfällt es. In Niedersachsen gibt es einige mysteriöse Orte, dort steht etwas eine geheimnisvolle Pyramide mitten im Wald.

„Bedrückende Atmosphäre“ – so erleben Lost Place-Besucher das Gelände des alten Waisenhauses

Nach Angaben der Braunschweiger Zeitung ist das alte Waisenhaus heute „einer der heruntergekommeneren Orte, der durch Vandalismus bessere Zeiten hinter sich hat“. Das Gebäude ist mittlerweile eine Ruine. Auf Google Maps sind nur noch die Dächer der Gebäude zu sehen, der Rest des Geländes ist mit Pflanzen überwuchert.

Nach Informationen der Braunschweiger Zeitung halten aber weder die Sträucher noch die Zäune die Menschen davon ab, auf das Gelände einzudringen. Immer wieder filmen sich Menschen dabei, wie sie durch das Dickicht zur Anlage laufen und veröffentlichen das Video auf Youtube. In einem Internetforum für Besucher von verlassenen Orten schreibt ein Nutzer, die Atmosphäre sei durch den Wald „sehr besonders“.

Mitunter heißt es in dem Forum, es handele sich um eine „riesen Anlage“. „Hier findet man nur noch Rohbau vor“, schreibt jemand. „Keine Türen, keine Fenster, keine Einrichtungen, kein Sanitär, einfach nichts mehr.“ In den Räumen treffe man immer wieder auf Obdachlose.

Und dann sind da noch diejenigen, die in den Gebäuden etwas anderes wahrnehmen. Ein Nutzer berichtet von einer „sehr bedrückenden Atmosphäre“. Die Person, die bei ihrem Besuch dort eine Mädchenstimme gehört haben will, teilt mit, der Ort sei für sie ab jetzt „tabu“. Spaß habe es dort trotzdem gemacht.

Rubriklistenbild: © Panama Pictures/imago & YAY Images/imago

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