Sanierung im Sommer/Herbst 2024
Im niedersächsischen Wald verborgen: Eine geheimnisvolle Pyramide
Eine rätselhafte Pyramide, versteckt im Wald von Derneburg, beherbergt das Grab eines Grafen. Rund um das Denkmal gibt es jedoch schaurige Geschichten.
Derneburg – Ein bisschen unheimlich sieht sie aus, die Pyramide im Wald in Derneburg, einem Ortsteil der Gemeinde Holle. Die beiden Sarkophage und das Kreuz vor dem Eingang verstärken den Eindruck noch. Dass das Gelände auch noch durch ein Tor und eine Mauer verschlossen sind, dürfte die Neugier von Menschen mit einer Vorliebe fürs Gruselige und Lost Places noch bestärken.
Dabei ist die Pyramide denkmalgeschützt und nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ein „beeindruckendes und in seiner Art einmaliges Ensemble aus Architektur, Gartengestaltung und Landschaftsinszenierung“.
Pyramide im Wald in Niedersachsen geht auf eine besondere historische Person zurück
Ohne den Grafen Ernst zu Münster, der von 1766 bis 1839 lebte, hätte es die Pyramide wohl nie gegeben. Der deutsche Staatsmann und Politiker stand im Dienst für das englische Königshaus und das Haus Hannover. Nach Angaben der Gemeinde Holle nahm er etwa am Wiener Kongress von 1814 teil und vertrat dort die Interessen des Königshauses, das damals über Hannover herrschte.
Der Graf verhandelte dabei, dass das Königreich Hannover das gesamte Bistum Hildesheim bekam. Das kam gut an: Der britische König Georg IV. schenkte ihm für seinen Verdienst das säkularisierte Kloster Derneburg. Graf Ernst zu Münster ließ das ehemalige Kloster zum Schloss zu Teilen umbauen, mit viel Platz für seine Kunstschätze. Um das Schloss herum ließ er vom Baumeister Georg Ludwig Friedrich Laves einen englischen Landschaftsgarten errichten. Einen Garten hat übrigens auch das kleine Hobbithaus, das ebenfalls in Niedersachsen zu finden ist.
Pyramide entsteht als besondere Grabstätte für den Grafen Ernst zu Münster
Man kann sagen, dass der Graf bereits zu Lebzeiten eine Vorliebe für besondere Architektur und Kunst hatte. Als er schließlich im Jahr 1839 starb, war klar, dass sich diese Vorliebe auch in seiner Grabstätte widerspiegeln sollte. Wie die Gemeinde Holle, wo sich die Grabstätte befindet, mitteilt, erhielt Architekt Laves den Auftrag, „ein würdiges Grabmal für den Herren von Derneburg zu entwerfen.“
Das Mausoleum der Familie des Grafen zu Münster
►Das „Erbbegräbnis der Grafen von Münster“ ist aus Sicht des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege ein „heute noch beeindruckendes und in seiner Art einmaliges Ensemble aus Architektur, Gartengestaltung und Landschaftsinszenierung“. Deswegen bestehe an der Erhaltung der Grabstätte ein aufgrund einer „geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen und städtebaulichen Bedeutung“ ein öffentliches Interesse.
►Das Mausoleum liegt am kulthistorischen Wanderweg „Laves-Kulturpfad“, an dessen Strecke neben der Pyramide noch einige weitere Bauwerke von Georg Friedrich Laves zu finden sind, etwa ein griechischer Tempel.
►Der „Laves-Kulturpfad“ ist 2,5 Kilometer lang und beginnt im Ort Derneburg der Gemeinde Holle im Landkreis Hildesheim.
(Quelle: Gemeinde Holle)
Damit dürfte für Laves ein Wunsch in Erfüllung gegangen sein, denn er soll immer wieder Entwürfe für eine ägyptische Steinpyramide angefertigt haben. Mit dem Mausoleum für den Grafen Ernst zu Münster wurde so ein Entwurf schließlich in die Tat umgesetzt. Schon als Student habe er die Entwürfe ägyptischer Pyramiden genau studieren müssen, heißt es. Ob er sich damals Inspiration von den Orten Egypten und Ägypten in Niedersachsen holte, ist unklar.
Und so entstand die „Derneburger Pyramide“, wie das Mausoleum auch genannt wird, noch im Todesjahr des Grafen Ernst zu Münster. Die Pyramide hat nach Angaben des Niedersächsischen Landesamtes eine Seitenlänge von etwa 13 Metern und ist rund 12 Meter hoch.
Adelige Familie in Pyramidengrab in Niedersachsen beigesetzt
Über dem Portal, das in den quadratischen, gewölbten Innenraum führt, steht die Inschrift: „Grafen Münstersches Familien Begräbnis Erbauet Im Jah [re MD CC] CXXXIX“. Wie die Gemeinde Holle mitteilt, gab es einmal eine steinerne Türe vor dem Grab, auf der zu lesen war: „Ewig ist die Fortschreitung zur Vollkommenheit, wenngleich am Grabe die Spur vor dem Auge verschwindet“.
In der Pyramide wurden neben dem Grafen Ernst zu Münster, dessen Frau und ihre Töchter in Sarkophagen beigesetzt. Seitlich neben Pyramide sind weitere Familienmitglieder bestattet, darunter der Sohn des Grafen Fürst Georg Herbert Münster zu Derneburg, seine älteste Tochter Marie sowie eine weitere Tochter des Grafen.
In der Grabstätte vor der Pyramide liegen Alexander Fürst zu Münster, der zweite Sohn von Georg Herbert, seine Frau Muriel und ihr Sohn Friedrich Graf zu Münster, der im Volksmund noch als Graf Fredi bekannt ist. Das keltische Hochkreuz auf dem Grabmal der Fürstin Muriel deutet auf ihre Herkunft aus Schottland hin.
Rätsel um mutmaßlichen Fluch auf Grabstätte im Wald bei Derneburg
So eine pyramidenförmige Grabstätte mitten im Wald lässt natürlich Spielraum für Geschichten und Erzählungen. So zeigte zuletzt auf TikTok eine Person ein Video, das mutmaßlich die Pyramide zeigt. Darin hieß es, man solle den Ort auf keinen Fall alleine besuchen. Schließlich habe der ein „düsteres Geheimnis“. Dort sollen angeblich „schwarze Messen und Rituale“ stattfinden. Außerdem befalle denjenigen, der das Mausoleum nach 24 Uhr betritt, ein Fluch.
Achtung: Sanierung im Gange (Stand: September 2024)
Das Mausoleum des Grafen Ernst zu Münster wird im Sommer 2024 von der Hall Art Foundation – der Besitzern des Bauwerks – saniert. Das mit einer Mauer umgebene Gelände ist wegen der Bauarbeiten abgesperrt, sodass man die Pyramide nur von außen besichtigen kann, berichtet Martin Ganzkow von der Gemeinde Holle.
Einen Beleg für diese Behauptungen liefert der Nutzer nicht mit. Zudem ist in dem Video für einige Sekunden ein Bauwerk zu sehen, bei dem es sich nicht um das Mausoleum in Derneburg handelt. Auch in den Kommentaren unter dem Beitrag herrscht Skepsis. „Da waren wir früher so oft“, heißt es da. „Verflucht ist trotzdem niemand.“ Jemand anderes schreibt: „Gibt kein Hokuspokus.“ Bei dem Mausoleum handele es sich um eine „tolle Location“. Und eine Person resümiert: „Das Gruselige ist, dass dort nichts Gruseliges ist.“
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