Namensherkunft ungewiss

Kamele und Pyramiden nicht inbegriffen: Egypten und Ägypten liegen in Niedersachsen

Niedersachsens Ortsnamen wie Ägypten haben eine interessante Geschichte. Sie reichen von Soldatenlegenden bis hin zu Zigeunerlagern.

Bassen – Wenn Niedersachsen nach Jerusalem und Egypten wollen, müssen sie sich nur ins Auto setzen und nicht in den Flieger. Beide Dörfer liegen mitten im Bundesland, im Landkreis Verden. Im Landkreis Oldenburg gibt es ebenfalls ein Egypten. Dies ist in etwa so alt, wie die Pyramiden in Ägypten. Ein Ägypten – geschrieben wie der Staat in Nordafrika – gibt es auch in Niedersachsen, bei Neuenkirchen.

Wie Orte und Dörfer zu ihrem Namen gekommen sind, ist manchmal nicht so einfach zu rekonstruieren für Forschende. Im Lauf von Jahrhunderten hat sich die Sprache gewandelt und Namen wurden angepasst. In Kriegen und im Feuer sind Dokumente vernichtet worden. Grundlage für einen Ortsnamen sind oft Gegebenheiten wie Flüsse und Moore oder der Bezug zu einer Person.

Egypten liegt gleich in Richtung Ottersberg.

Kamele und Pyramiden nicht inbegriffen: Ägypten liegt in Niedersachsen

Das Dorf Egypten ist ein Ortsteil vom niedersächsischen Bassen (Gemeinde Oyten, Landkreis Verden). Genaugenommen ist es eine Straße in der Nähe der A1, mit ein paar Häusern rechts und links. Erstmals taucht der Name 1823 auf. Warum dieser Bereich Egypten heißt, darüber gibt es mehrere Theorien. Eine besagt, dass der Name Egypten von Soldaten stammt. Sie sollen in einem der Höfe einquartiert gewesen sein.

Laut der Legende sollen die Soldaten in der Dunkelheit den Rückweg von Bassen nicht mehr gefunden haben, weil eine „ägyptische Finsternis“ herrschte. Als sie doch noch das Ziel fanden, soll einer der Soldaten „Wir sind rings um Oelgypten herum gewesen“, gerufen haben.

In alten Büchern und Aufzeichnungen finden sich Hinweise, wie Orte zu ihrem Namen gekommen sind (Symbolbild).

Es existiert noch eine zweite Version. Laut dieser soll es dort einen Lagerplatz für Zigeuner und anderes fahrendes Volk gegeben haben. Diese wurden Egypter, in der Kurzform Jipper, genannt. Jipper könnte sich vom englischen Begriff für Zigeuner (Gipsy) ableiten.

In Niedersachen existiert auch ein „richtiges“ Ägypten

Ein weiteres Egypten liegt bei Dötlingen (Landkreis Oldenburg). Es ist ein Großsteingrab, das zwischen 3500 und 2800 v. Chr. entstand und ist eine Anlage der Trichterbecherkultur aus der Jungsteinzeit. Das Großsteingrab Egypten ist ein Bauwerk der Nordischen Megalitharchitektur. Das Wort Megalith leitet sich aus dem Griechischen ab und bedeutet soviel wie „großer Stein“ von mega für groß und lithos für Stein, heißt es auf der Seite www.strassedermegalithkultur.de.

In Niedersachen existiert auch ein „richtiges“ Ägypten – also von der Rechtschreibung her. Es ist ein kleiner Ortsteil von Neuenkirchen. Seinen Namen soll der Ortsteil einer Bande von Vagabunden verdanken. Sie wurden früher im Volksmund die Egypter genannt und trieben dort ihr Unwesen.

Rubriklistenbild: © Marvin Köhnken

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