„Werde alles probieren“

Campingplatz nach 90 Jahren vor dem Aus: Bürgermeister macht Erhalt zur „Chefsache“

Nach 90 Jahren steht der Campingplatz Lühesand vor dem Aus. Nun macht der Bürgermeister den Erhalt zur „Chefsache“, wie er exklusiv erklärt.

Lühesand – Nach unseren Berichten über das mögliche Aus des Traditions-Campingplatzes Lühesand nach 90 Jahren meldet sich am Dienstag (7. Mai) der Bürgermeister der Samtgemeinde Lühe, Timo Gerke, zu Wort. Im exklusiven Gespräch mit kreiszeitung.de von IPPEN.MEDIA verspricht er: „Dieser Ort muss erhalten bleiben. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, probieren, um eine Lösung und einen geeigneten Nachfolger zu finden!“.

Nach 90 Jahren steht der Campingplatz Lühesand vor dem Aus. Nun macht der Bürgermeister den Erhalt zur „Chefsache“, wie er exklusiv erklärt.

Campingplatz nach 90 Jahren vor dem Aus: Bürgermeister macht Erhalt zur „Chefsache“

Gestern (6. Mai) hatten wir berichtet, dass dem seit 91 Jahren und drei Generationen in Familienbesitz geführte Campingplatz der verwunschenen Elbinsel Lühesand – und damit dem wildromantischen Zeltplatz samt Gasthaus und Fährbetrieb das Ende droht: Der 65-jährige Holger Blohm, dessen Familie seit Jahrzehnten den Platz betreibt und der täglich bis zu zehnmal die Personenfähre von der Festlandseite in Niedersachsen, von Grünendeich im Alten Land nach Lühesand steuert, möchte in den wohlverdienten Ruhestand gehen.

Ostern verkündete er die für alle Fans der mitten auf der Elbe liegende Insel zwischen Hamburg und Cuxhaven, tragische und schockierende Nachricht: „Unser Herz hängt an euch und der Insel und doch ist nun auch für uns die Zeit gekommen, in den Ruhestand zu gehen“. Der Haken: Es gibt noch keinen Nachfolger.

Dieser Ort muss erhalten bleiben. Ich werde alles, was in meiner Macht steht, probieren, um eine Lösung und einen geeigneten Nachfolger zu finden.

Timo Gerke, Bürgermeister der Samtgemeinde Lühe

„Etwas ganz Besonderes“: Bürgermeister verspricht, alles für den Erhalt des Campingplatzes zu tun

Jetzt erklärte der Bürgermeister der Samtgemeinde Lühe, Timo Gerke, gegenüber kreiszeitung.de, dass er den Erhalt des Geländes zur „Chefsache“ gemacht habe. Er werde alles unternehmen, um den Ort, so wie er ist, zu retten: „Es ist touristisch ein wichtiges Aushängeschild und so etwas Besonderes, ich werde alles probieren, um eine Lösung zu finden“. Der erste Schritt: Gerke hat am 8. Juni ein Treffen mit allen Beteiligten und Betroffenen – also Dauercampern, Wochenendhausbesitzern und Familie Blohm – angesetzt, um gemeinsam Pläne für den Erhalt zu schmieden.

„Gemeinsam mit der Familie Blohm sind wir im ständigen Austausch, um auch eine Zukunft des Campingplatzes und des Fährbetriebes zu gewährleisten. Dieses wird allerdings aufgrund der finanziellen Situation der Samtgemeinde Lühe und dem vom Landkreis Stade angeordneten Haushaltssicherungskonzept nicht einfach“, heißt es in der Einladung.

„Das einfachste wäre ein Ankauf“ – doch Landkreis Stade hat der Samtgemeinde Lühe die rote Karte gezeigt

Der Hintergrund: „Das Einfachste wäre natürlich, die Gemeinde würde der Familie Blohm alles abkaufen, und dann einen neuen Pächter suchen, der für eine geringe Pacht bereit ist, den aufwendigen Betrieb weiterzuführen“, weiß Gerke. Darum habe er sofort mit dem Landkreis gesprochen.

Das Problem sei jedoch: Der Samtgemeinde sind finanziell die Hände gebunden. Die Samtgemeinde sei mit einer Million Euro jährlich im Defizit, um die Pflichtaufgaben wie Schule, Kitas und Feuerwehr zu erfüllen, „wir haben die rote Karte gezeigt bekommen – und darf keine zusätzlichen sogenannten freiwilligen Ausgaben mehr tätigen“. Zu den „freiwilligen Ausgaben“ zählen beispielsweise Gelder zur Finanzierung des Freibades, von Schwimmkursen für Kinder, der Bücherei oder der Jugendpflege. Auch der Ankauf oder selbst Zuschüsse für den Erhalt der Lühesand-Infrastruktur würden darunter fallen.

Bürgermeister beruft Camper und Gemeinde zum Treffen am 8. Juni im Gasthaus auf Campingplatz Lühe ein

Gerke hofft nun, dass am 8. Juni vernünftige Ideen zusammenkommen, denn „es muss einfach noch andere Möglichkeiten geben“. Er denkt beispielsweise an die Gründung eines Fördervereins, der die Summe aufbringt, um die Gebäude und die beiden Fähren zu erstehen; ein möglicher künftiger Pächter könne den Betrieb dann für eine erschwingliche Pacht übernehmen: „Das müsste ein echter Idealist sein, dem das Projekt am Herzen liegt“. Es hänge einfach viel Arbeit daran, reich werden könne man damit nicht.

Sorgen darum, dass Spekulanten das Areal übernehmen könnten, müsse man sich jedoch keine machen: „Das kommt nicht infrage. Der Ort soll so erhalten bleiben.“ Die wichtigsten Berater sind dabei die Familie Blohm, „ohne ihre Beratung sollten auf keinen Fall Entscheidungen getroffen werden“, so Gerke. Doch zunächst muss ohnehin erstmal die Ausschreibung von der Kommune erfolgen. Auch in das von ihm einberufene Treffen im Juni setzt er große Hoffnungen: „Wenn wir alle zusammen holen, die ein Herzensinteresse an Lühesand haben, finden wir zusammen sicher einen Weg, diesen schönen Ort zu erhalten.“

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Rubriklistenbild: © Samtgemeinde Lühe/Screenshot

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