Grund für Covid-19-Sprung entdeckt
Corona in Salzgitter: Delta-Variante in Grundschule für hohe Inzidenz verantwortlich
Im April waren die Schulen in Salzgitter geschlossen, nun hat die Stadt die höchste Corona-Inzidenz in Niedersachsen. Dennoch soll moderat auf die Lage reagiert werden.
Salzgitter – Trotz deutlich gestiegener Infektionszahlen nach einem Corona-Ausbruch an einer Grundschule will die Stadt Salzgitter das öffentliche Leben nicht herunterfahren. Die Inzidenzwerte seien nicht mehr der richtige Maßstab für die Beurteilung der Infektionslage, sagte Oberbürgermeister Frank Klingebiel (CDU) in einer Erklärung. Am Wochenende und am gestrigen Montag, 2. August 2021, hatte es die kreisfreie Stadt mit dem bundesweiten Höchstwert an Covid-19-Neuinfektionen in die Schlagzeilen geschafft.
| Stadt: | Salzgitter |
| Fläche: | 223,9 km² |
| Bevölkerung: | 104.948 (2019) Eurostat |
| Inzidenz: | 60,4 (Stand: Dienstag, 3 August 2021) |
Der Niedersächsische Städtetag habe dies schon vor Monaten deutlich gemacht. Vielmehr seien die Impfquote und die Auslastung der Intensivstationen zu berücksichtigen. In den beiden Krankenhäusern in Salzgitter werden nach Behördenangaben derzeit jeweils zwei Covid-19-Patienten behandelt, jedoch nicht auf der Intensivstation.
Bundesweit höchste Inzidenz: In Salzgitter trägt ein Corona-Fall der Delta-Variante in einer Grundschule die Verantwortung
Nach der positiven Testung eines Kindes an einer Grundschule am 16. Juli wurden nach und nach sechs Klassen unter Quarantäne gestellt. Nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) hatte Salzgitter am Dienstag eine Inzidenz von 60,4 – den bundesweit höchsten Wert. Bei dem Grundschul-Ausbruch wurde ausschließlich die Delta-Variante festgestellt.
Sie gilt als deutlich ansteckender. Das Infektionsgeschehen habe sich ähnlich wie zuvor in Lüneburg im privaten Bereich nach einer XXL-Abifeier weitergetragen, erklärte die Stadt weiter. Der Landkreis Lüneburg hatte nach dem Ausbruch ebenfalls vorübergehend den höchsten Inzidenzwert in Deutschland.
Corona-Inzidenz in Salzgitter: Strengere Kontaktbeschränkungen greifen – Menschen in Quarantäne werden dreimal mit PCR-Test getestet
Weil in Salzgitter drei Tage hintereinander die Schwelle von 50 überschritten wurde, greifen strengere Kontaktbeschränkungen. Ein Haushalt darf sich nur noch mit zwei weiteren Personen eines anderen Haushalts treffen – Geimpfte, Genesene und unter 14-Jährige werden nicht mitgezählt.
Das Gesundheitsamt der Stadt testet alle Menschen in der Quarantäne dreimal mit einem PCR-Test, was nicht überall üblich ist – möglicherweise wurden auch deshalb so viele infizierte Eltern und Geschwister im Stadtteil Lebenstedt entdeckt.
Nach der Ende Juli geänderten niedersächsischen Corona-Verordnung ist es der Kommune möglich, auf weitere Einschränkungen etwa im Bereich Sport, Kultur oder Gastronomie zu verzichten. Diese Bereiche werden von Verschärfungen ausgenommen, weil sie nicht Infektionstreiber seien, sagte Klingebiel. Die Schule ist ohnehin geschlossen, die niedersächsischen Sommerferien enden erst am 1. September.
Bundesweit höchste Inzidenz: Salzgitter verweist auf wenige Corona-Tote – klare Covid-19-Regeln im Hinblick auf vierte Welle
Die Stadt verwies am Dienstag auch darauf, dass Salzgitter bisher einen deutlich geringeren Anteil an Corona-Toten hatte als zum Beispiel der Landkreis Goslar. Dies könne an der strengen Teststrategie oder an der vergleichsweise jungen Bevölkerung aufgrund von Zuwanderung liegen.
Ein Herunterfahren des öffentlichen Lebens sowie Grundrechtseinschränkungen nur um der Inzidenz-Zahlen willen seien völlig falsch, betonte Oberbürgermeister Klingebiel. Notwendig seien klare Regelungen mit Blick auf die anstehende vierte Welle, gerade erst kippte ein Gericht, dass Niedersachsen die Discos nicht bei einer Inzidenz von 10 schließen darf.
„Wir brauchen eine Akzeptanz in der Bevölkerung.“ (dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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