56 Meter Durchfahrtsbreite

Die größte Drehbrücke Europas soll in Ostfriesland gebaut werden

Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn zur Friesenbrücke
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Informationsveranstaltung der Deutschen Bahn zur Friesenbrücke

Westoverledingen - Mit 120 Kilometer pro Stunde sollen künftig zwischen dem niederländischen Groningen und dem ostfriesischen Leer pendeln.

Dabei überqueren sie die Ems auf der größten Drehbrücke Europas: Die neue Friesenbrücke bei Weener bekommt mit einem schwenkbaren Teil von 142 Metern Spannweite völlig andere Dimensionen als die alte Klappbrücke. Bei einer Durchfahrtsbreite von 56 Metern wie im Panama-Kanal sollen große Schiffe das moderne Bauwerk problemlos passieren. Für Radfahrer und Fußgänger ist ein breiter Weg berücksichtigt. 

Anwohner sind bei der Vorstellung der Bahn-Pläne erstmal beeindruckt. Doch dann kommen kritische Fragen auf. „Warum dauert das Ganze so lange? Das erinnert ja an den Großflughafen Berlin“, wollen 200 Bürger von den Bahnvertretern bei einer Veranstaltung am Montagabend wissen. 

Denn das zähe Ringen um eine Reparatur, einen kleinen oder großen Teil-Neubau zieht sich bereits seit Dezember 2015 hin. Damals setzte ein Frachter bei Dunkelheit mit einem spektakulären Rammstoß die alte Klappbrücke außer Gefecht und zerstörte sie zum Teil. Das ganze Ausmaß der Havariefolgen war damals nicht abzusehen. 

Eine neue Brücke könnte bis zu 80 Millionen Euro kosten

Experten untersuchten penibel die Statik der alten Klappbrücke und hielten zunächst eine Reparatur für 30 Millionen Euro bis 2021 für möglich. Doch dann schlug die Papenburger Meyer Werft einen modernen Neubau als Drehbrücke vor. Damit sollen die großen Kreuzfahrtschiffe einfacher über die schmale Ems an die Nordsee gelangen. 

Diese große Lösung ist seit dem Sommer 2017 auch politisch gewollt, wird jedoch frühestens im Jahr 2024 abgeschlossen sein und mindestens 66 Millionen Euro kosten - nach unbestätigten Schätzungen sogar 80 Millionen Euro, und die Finanzierung ist noch nicht vollständig gesichert. 

Die Bahn stellt sich auf ein umfangreiches Planfeststellungsverfahren ein, denkbar sind Klagen von Umweltschützern: Die künftige Baustelle ist umgeben von zahlreichen Schutzgebieten. Es soll auch gesprengt werden, doch ein Bahnsprecher sieht darin keine Gefahr: „Das sind Lockerungssprengungen am Beton der alten Pfeiler, wir sprengen nichts in die Luft.“ 

Die rund 200 Bürger bei der Infoveranstaltung sind eher mäßig begeistert von der geplanten Großbaustelle.

Die Freude über einen Neubau in Fachwerk-Optik hält sich bei dem Infoabend der Bahn im Rathaus Westoverledingen in Grenzen. „Neun Jahre bis zur Umsetzung sind einfach zu lange, wir haben durch den Vorschlag der Meyer Werft schon ein Jahr verloren“, ärgert sich Jan-Henrik Schmidtkunz aus Leer. 

„Machen Sie das alte Brückenteil wieder rein, dann sind alle zufrieden“, fordert eine Anwohnerin. Denn die umliegenden Dörfer der künftigen Großbaustellen in Weener und Westoverledingen müssen sich auf Staub und Lärm durch Lkw-Verkehre einstellen. 

Vorschlag aus der Region: Das Material solle doch besser per Bahn und Schiff herangeschafft werden. „Wir prüfen auch das“, heißt es bei der Bahn. - dpa

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