Es begann mit Armbrustschützen

Das größte Schützenfest der Welt findet in Niedersachsen statt

Es zieht jährlich Hunderttausende Besucher an: Das Schützenfest in Hannover ist das größte seiner Art. Die Tradition reicht bis ins Mittelalter zurück.

Hannover - Niedersachsen ist ein Bundesland der Superlativen: Dort steht etwa der höchste Aussichtsturm Deutschlands oder die größte Hub-Dreh-Brücke Europas. Und auch in der Landeshauptstadt Hannover gibt es diese. Der größte Stadtpark Europas liegt dort. Ebenso ist ein Ereignis in Hannover unübertroffen, denn dort findet jährlich das größte Schützenfest der Welt statt.

Auf dem Schützenplatz steht ein Riesenrad.

Laut Stadt Hannover „konnte kein anderes Schützenfest die Zahl der Großfahrgeschäfte, Festzelte und Eventbereiche oder die Veranstaltungsfläche an sich überbieten“. 650.000 Gäste haben das Fest im Jahr 2024 besucht, auch die Millionenmarke wurde bereits mehrfach geknackt.

Schießwettbewerbe und Schützenkönige auf dem Schützenfest in Hannover

Doch gibt es nicht ein ähnlich enormes Event in Deutschland, das sogar Weltruhm hat? Genau, das Oktoberfest in München ist das weltgrößte Volksfest, 2023 hatte es 7,2 Millionen Besucher und Besucherinnen. Doch es ist eben kein Schützenfest.

Besucher verfolgen den Schützenausmarsch am Ballhof.

Und was bedeutet das? Schützenfeste sind Volksfeste, die auf regelmäßigen Treffen von Schützenvereinen oder Schützenbruderschaften begründet sind. Es gibt Schießwettbewerbe und einen Schützenkönig. All das gibt es auf der Münchner Theresienwiese nicht, in Niedersachsen schon.

Schützenzug in Hannover wird live im TV übertragen

Im Jahr 2024 fand das Schützenfest vom 28. Juni bis 7. Juli auf dem Schützenplatz statt. Am ersten Sonntag gibt es einen zehn Kilometer langen Schützenzug über eine 3,5 Kilometer lange Strecke von der Innenstadt zum Festplatz, dabei marschieren mehr als 12.000 Teilnehmer und Teilnehmerinnen. Das Event wird live im Fernsehen übertragen. Offizielle Eröffnung erfolgt mit einem Spatenstich des Oberbürgermeisters. An einem Tag gibt es ein Festessen. Außerdem gibt es mit „Ballerkalle“ und „Ballerina“ sogar offizielle Maskottchen. Auch ein Gaypeople-Zelt gibt es.

Auch Feuerwerk gibt es auf dem Schützenfest zu bestaunen.

Die erste Ausgabe des Events liegt allerdings schon weit zurück, fast 600 Jahre. Im Jahre 1529 stellte Herzog Erich I. den Hannoveranern und Hannoveranerinnen ein Privileg für ein jährliches Schützenfest aus. Urkundlich erstmals erwähnt wurde das Schützenwesen im Ort sogar bereits 1468, wie auf der Website der Veranstaltung zu lesen ist. Herzog Wilhelm der Ältere beschwerte sich in einem Brief über die wehrsportlichen Übungen der Ortsansässigen.

Schützenfest in Hannover fußt auf Jahrhunderte alter Tradition

Damals schossen die Hannoveraner und Hannoveranerinnen mit Armbrüsten auf bunte Holzpapageien. Als dann die offizielle Erlaubnis folgte, gab es schon Feuerwaffen. Ursprünglich fanden die Übungen statt, damit Hannover im Angriffsfall verteidigt werden kann. Bald entwickelten sich Wettbewerbe mit Preisen und Auszeichnungen daraus. Der Festbetrieb wurde ab 1575 mit einer Schützenordnung geregelt. Hilfsbeamte, sogenannte „Bruchmeister“, gibt es seit dem Jahr 1710.

Der Schützenausmarsch in Hannover im Jahr 2022. (Archivbild)

Als Geburtsstunde der Schützenvereine gilt aber das Jahr 1837, denn erst dann traten die Schützen und Schützinnen in gleichmäßigen Kleidern ihrer Stadtteile an. Standarte repräsentieren die vier Stadtbezierke noch heute: Köbelingerstraße, Leinstraße, Marktstraße und Osterstraße in den Farben Weiß, Rot, Gelb und Grün. Die Fahne half im Notfall den Bürgern und Bürgerinnen bei der Orientierung.

Das hat das Schützenfest in Hannover dem Oktoberfest voraus

Eines hat das Schützenfest in Hannover dem Oktoberfest in München übrigens sogar voraus: Hier gibt es keine Sperrstunde, sondern endet in den Morgenstunden. Ein weiterer Unterschied ist das Getränk: In Hannover ist nicht nur Bier, sondern „Lüttje Lage“ das Kultgetränk. Das korrekte Trinken von Korn aus einem kleinen pyramidenförmigen Glas ist eine Kunst für sich, denn dieser fließt idealerweise in das obergärige Broyhan-Bier in einem separaten Glas, während man es trinkt. (cgsc)

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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