Weiterhin Engpässe

Ratgeber: Soviel kostet ein gutes Fahrrad 2022

Fahrradfahren erfreut sich großer Beliebtheit. Doch wer ein neues Fahrrad kaufen will, muss mit Lieferproblemen rechnen oder ein Vorjahresmodell laufen.

Hannover - Sonne, Temperaturen deutlich im zweistelligen Bereich: Optimale Bedingungen zum Fahrradfahren. Mit dem Start in die Zweirad-Saison steigt auch die Nachfrage bei den Händlern nach neuen Fahrrädern. Die Kriterien und Ansprüche der Käufer sind unterschiedlich. Zusammengefasst lässt sich aber sagen, dass es im Kern um das Verhältnis geht: bei welchem Fahrrad bekomme ich für das Geld den meisten Fahrspaß, die beste Ausstattung und die höchste Qualität. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Trekking- oder E-Bike (Pedelec) ist. Ein Überblick über die Lage im Frühjahr 2022.

Was kostet ein gutes Fahrrad?

ADFCAllgemeiner Deutsche Fahrrad-Club
Gründung1979
GründungsortBremen
SitzBerlin

Nicht nur Mehl und Speiseöl sind knapp, auch bei aktuellen Fahrrädern können die Regale leer sein. Entsprechend gibt der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) den Tipp: Flexibilität beim Kauf zu sein. Eventuell ist es sinnvoll, ein Vorjahresmodell zu wählen, sagte der Verbandsvorsitzende Rüdiger Henze. Wer ausschließlich auf das neueste Toprad setze, müsse in der aktuellen Lage Wartezeit einkalkulieren. Lieferprobleme in Folge der Corona-Pandemie hatten bereits im Vorjahr teils zu langen Wartezeiten geführt.

Die Liefersituation bleibt nach Einschätzung der Zweirad-Industrie wohl noch eine Weile angespannt. „Die Nachfrage nach Fahrrädern und E-Bikes ist weiterhin hoch“, berichtete die ZIV-Sprecherin. Gleichzeitig habe die Branche mit diversen Krisen zu kämpfen, die die Lieferfähigkeit einschränken, sagte sie. Lockdowns in Asien, der Krieg in der Ukraine und gestiegene Transport- und Rohstoffpreise, zählte sie beispielhaft auf.

Auch 2022 werden Fahrräder ein Verkaufsschlager werden – sofern es die gewünschten Modelle gibt. Vernünftige Fahrräder gibt es schon für unter 1000 Euro.

Trotzdem gibt es eine gute Nachricht: Die deutsche Fahrradindustrie habe ihre Produktion um zehn Prozent steigern können und mehr Fahrräder und E-Bikes nach Deutschland importiert, sagte eine Sprecherin des Verbands. „Dadurch konnten die Händler ihre Lager wieder füllen und es ist Ware verfügbar, auch wenn nicht immer gleich das Wunschrad dabei ist“, sagte sie einschränkend.

81 Millionen Fahrräder gibt es nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands in Deutschland, also in etwa eines für jeden Bundesbürger. Vergangenes Jahr sei trotz Lieferproblemen ein Erfolg gewesen, erklärt die Industrie. Zwar lag es unter dem Rekordjahr 2020, doch erneut deutlich über den Vor-Corona-Jahren.

Durchschnitt: Fast 1400 Euro für ein gutes Fahrrad

Mit weiter steigenden Preisen rechnet der ADFC in Niedersachsen. Fast die Hälfte (42 Prozent) der neuen Räder seien mittlerweile Pedelecs mit Motorunterstützung. Für den ADFC-Landesvorsitzenden Rüdiger Henze ist die Lage aber nicht mehr so dramatisch wie im Vorjahr. Der Fahrrad-Boom sei zwar etwas ausgebremst, aber nicht gestoppt, sagte Henze. Der durchschnittliche Verkaufspreis lag vergangenes Jahr bei 1395 Euro – fast dreimal so viel wie noch zehn Jahre zuvor. Grund sind die Pedelecs, deren Anteil der Einschätzung zufolge weiter steigen wird.

Ein vernünftiges Trekking-Fahrrad bekommt man auch schon für unter 1000 Euro. Die Seite thecycleverse.com schreibt zu der Kategorie bis 300 Euro: Die sind gut dafür geeignet, kurze Strecken im Alltag zu bewältigen. Etwa zum Supermarkt um die Ecke oder an die nahe gelegene Arbeitsstätte. Für mehr taugen sie jedoch nicht wirklich. Gute Trekking-Räder kosten zwischen 1000 und 2000 Euro.

Auch die Seite radfahren.de hat diverse Fahrräder unter die Lupe genommen. Die Stadträder beginnen bei 749 Euro und Trekking-Räder bei 1249 Euro. Immer mehr Bundesbürger entscheiden sich für ein Lastenfahrrad. Ab 6500 Euro sind diese Modelle zu bekommen.

Auto oder Fahrrad? Potenzial auf kurzen Strecken

Die immer noch hohen Kosten für Benzin und Diesel könnten einen neuen Fahrrad-Boom auslösen. Bei der Frage: Nehm ich das Auto oder das Fahrrad, kippt die Waagschale oft in Richtung Fahrrad. Der Markt bietet für fast jede Herausforderung ein passendes Model. Rennräder, Trekking-Fahrräder, Mountain-, City- und Gravel-Bikes, Lastenräder und natürlich die mit unterstützendem Elektromotor ausgestatteten Pedelecs in immer neuen Ausführungen. Kurzum: Fahrradfahren liegt auch in diesem Jahr wieder groß im Trend.

Von einem nachhaltigen Trend zum Fahrrad geht auch der Professor für nachhaltige Mobilität und Radverkehr an der Frankfurt University of Applied Sciences aus, Dennis Knese. „Enormes Potenzial gibt es auf Kurzstrecken, unter zwei oder fünf Kilometern, die werden oft noch mit dem Auto gefahren“, sagt Knese.

Es ist noch ganz, ganz viel Luft nach oben

Professor Dennis Knese

Dringend nötig sei ein starker Ausbau der Infrastruktur, aus Radwegen müssten zusammenhängende Netze werden, um auch auf längeren Strecken Alternativen zum Auto zu ermöglichen. Zudem brauche es sichere Abstellmöglichkeiten, auch an Bahnhöfen. „Es ist noch ganz, ganz viel Luft nach oben“, bilanziert der Professor Dennis Knese. Zwar investiere die Politik mehr Geld in den Radverkehr – im Vergleich zum Autoverkehr sei dies aber noch immer sehr wenig.

Dies sieht auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) so. Die Bundesregierung habe selbst ausgerechnet, dass pro Bürger jährlich 30 Euro in den Radverkehr investiert werden müssten. (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Andree Wächter

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