Weniger russisches Gas
Energie: Niedersachsen will LNG aus Wilhelmshaven vor dem nächsten Winter
Nun wird Gas gegeben. Ein für Mitte der 2020er-Jahre geplantes LNG-Terminal könnte schon in diesem Jahr Realität werden.
Wilhelmshaven – Deutschland ist sehr abhängig von Gas aus Russland. Der Ukraine-Krieg hat deutlich gemacht: Mehr Unabhängigkeit wäre besser. Ein Lösungsansatz ist, dass Deutschland mehr auf Flüssigerdgas (LNG / liquified natural gas) setzt. LNG könnte mit Tankschiffen angeliefert werden. Allerdings benötigt man entsprechende Häfen dafür. 2024 galt als Ziel für die Inbetriebnahme der ersten Anlage. Doch nun macht Niedersachsen Druck, laut Energieminister Olaf Lies könnte es noch in diesem Jahr gelingen, das erste Terminal in Betrieb zu nehmen.
LNG Terminal Wilhelmshaven
| Einwohner Wilhemshaven | 76.278 (2019) |
| Universität | Jade-Hochschule |
| Fläche | 107 Quadratkilometer |
| Oberbürgermeister | Carsten Feist |
Laut Olaf Lies könnte der Import von LNG über ein geplantes Importterminal in Wilhelmshaven noch vor dem Winter 2023 gelingen. Das sagte der SPD-Politiker nach einem Treffen der Taskforce „LNG Wilhelmshaven“ bestehend aus 30 Vertretern von Behörden und der Hafenwirtschaft am Montag in der Stadt.
Bislang gebe es drei Projekte von Unternehmen, die den Import über Terminals in der Stadt organisieren wollen. „Wenn wir sie alle drei umsetzen würden, würden wir wirklich auf eine nennenswerte Leistungsfähigkeit kommen. Wir könnten damit die Hälfte des importierten russischen Gases über die Küste Wilhelmshavens importieren“, sagte Lies. Insgesamt gehe es um 25 Milliarden Kubikmeter.
Hinsichtlich des Terminals müsse nun geschaut werden, wie und in welcher Reihenfolge die drei Projekte umgesetzt werden können. Laut Lies solle eine Entscheidung dazu noch im März getroffen werden, um das anvisierte Ziel, den Import von LNG bis 2023, zu erreichen. Planungen für Terminals gibt es bereits seit vielen Jahren.
Geplant ist nach Angaben des Ministers, in einem ersten Schritt zügig eine schwimmende Anlande- und Speicherplattform zu schaffen, eine sogenannte Floating Storage and Regasification Unit (FSRU). Dort soll das flüssige LNG mit Tankern angelandet und zwischengelagert werden. Ein solcher Speicher verfügt laut dem Energieministerium in Hannover über die Kapazität von 9 bis 10 Milliarden Kubikmeter. Weitere Terminal-Projekte sollen danach bis 2026 folgen.
LNG-Terminals in Niedersachsen und Schleswig-Holstein geplant
Als Reaktion auf den Ukraine-Krieg hatte Bundeskanzler Olaf Scholz den schnellen Bau von zwei LNG-Terminals in Deutschland angekündigt und dabei Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Wilhelmshaven in Niedersachsen als Standorte genannt. Auch im niedersächsischen Stade laufen Planungen für ein Flüssigerdgas-Terminal. Für Scholz steht fest: Kommt in einem LNG-Terminal heute Gas an, könne morgen auch schon grüner Wasserstoff aufgenommen werden.
Neben dem Energiekonzern Uniper hatte sich die belgische Firma Tree Energy Solutions (TES) angeboten, den Aufbau eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven anzugehen. Laut Lies gibt es zudem ein Projekt auf dem Gelände der Firma Nord-West Oelleitung, das in Frage komme.
Umwelthilfe mit Bedenken bei LNG
Ob das ehrgeizige Ziel tatsächlich erreicht werden kann, bleibt abzuwarten. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat ihre grundsätzlichen Bedenken gegen den angekündigten Bau zweier Importterminals für Flüssigerdgas (LNG) in Deutschland bereits bekräftigt.
LNG ist tiefgekühltes, unter hohem Druck verflüssigtes Erdgas, das sich in Tankern transportieren lässt und in Europa als Alternative zu Pipeline-Gas genutzt werden soll. Bisher bezieht die EU knapp die Hälfte ihres herkömmlichen Erdgasbedarfs aus Russland. Diese Abhängigkeit soll nun so rasch wie möglich verringert werden. Geplant war, dass weiteres russisches Gas über die inzwischen stillgelegt Gas-Pipeline Nord Stream 2 fließen sollte.
Es sei notwendig, die „Abhängigkeit von russischen Importen schnellstens zu verringern; spätestens der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine macht dies zwingend“, sagte kürzlich Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). (Mit Material der dpa) * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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