Dino-Park Münchehagen: Urzeit poliert das Image auf
Über Fährten im Steinbruch entsteht im Jahr 1992 der Dino-Park in Münchehagen.
Münchehagen – Giftmüll-Standort ersten Ranges – diesen Ruf erwarb sich das kleine Dorf Münchehagen, als der Skandal um dessen Sonderabfall-Deponie in den 1970er-Jahren hochkochte. Zur Überwindung dieses Images zeichnete sich im Herbst 1980 jedoch ein Silberstreif am Horizont ab: Im Steinbruch des Unternehmens Wesling war eine 40 Meter lange Saurierfährte entdeckt worden. Solch einen Fund, sagten Experten, habe es zuvor nur in den USA gegeben.
Der Landkreis Nienburg und das Landesmuseum Hannover waren schnell auf dem Plan, sicherten den Fund ab und bereits wenig später wurde das Areal zum Naturdenkmal erklärt.
Dass sich in Münchehagen Dinosaurier getummelt hatten, war zwar schon lange bekannt gewesen. 1870 soll der erste Abdruck entdeckt worden sein. Diese Fährte stellte die vorhergehenden Funde aber in den Schatten – erst recht, als sich herausstellte, dass die Fußtapfen des riesigen Pflanzenfressers nicht die einzigen waren, die Saurier vor Millionen von Jahren in den Sandboden der flachen Seenlandschaft Münchehagens gedrückt hatten. Auch die Abdrücke eines Raubsauriers wurden entdeckt – und die Sensation war noch perfekter.
Der Steinbruch entwickelte sich zum Touristen-Anlaufpunkt. Zehntausende sollen es gewesen sein, die in den Jahren nach 1980 zu den Fährten pilgerten.
Nach und nach stockte der Landkreis die Schutzmaßnahmen auf. Mal war es ein Zaun, dann einige Schutzhütten, die über den Fährten errichtet wurden. Irgendwann gab es einen Wächter, der genau hinschaute, damit dem Naturdenkmal kein Schaden widerfuhr.
In dieser Zeit reiften außerdem zwei Entschlüsse. Zum einen wollte der Landkreis die Fährten mit einer Halle überdachen, die Besuchern zugängig gemacht werden sollte. Zum anderen tat sich Steinbruch-Inhaber Ferdinand Wesling mit Bernd Wolter zusammen, der sich mit der Gestaltung von Freizeitparks einen Namen gemacht hatte und über ein Unternehmen verfügte, das fantasievolle Figuren in überdimensionierten Ausmaßen herstellte.
Anfängliche Befürchtungen, rund um die Fährten werde ein quietschbunter Park à la Disney-Land entstehen, zerstreuten die beiden Männer spätestens mit der Eröffnung des Parks im Juni 1992. Sie hatten vielmehr ihre Vision eines Wissenschaftsparks rund um das Naturdenkmal verwirklicht.
Besucher erwartete ein 2,5 Kilometer langer Rundwanderweg, der sie an 100 Modellen von Dinosauriern entlangführte, in die alle damaligen Erkenntnisse der Paläontologie eingeflossen waren. Ein Gang durch die Zeitgeschichte, der seinen Anfang im Devon mit Würmern und Schnecken nahm und erst in der Steinzeit endete, war entstanden. In dessen Mitte führte der Weg durch die 3.000 Quadratmeter große Schutzhalle mit direktem Blick auf die originalen Hinterlassenschaften der Saurier. Der Kommers im Park beschränkte sich auf die Eingangshalle, die mit Café und Souvenir-Shop aufwartete.
Dieses Konzept verhilft dem Dino-Park – der eigentlich Dinosaurier-Freilichtmuseum heißt – auch heute noch zum Erfolg. Die Anzahl der Modelle ist mittlerweile auf rund 300 angewachsen. Kleinen Forschern und Entdeckern bietet der Park Erlebnisse in einer Mitmach-Halle wie auch auf seinen Abenteuer-Spielplätzen und nach wie vor dreht sich kein einziges Karussell auf dem Gelände. Stattdessen gehören zur Crew stets Paläontologen, werden Schulklassen in Ausgrabungen einbezogen und versteinerte Saurier vor den Augen von Publikum fachmännisch freigelegt. Zum Spaß gesellt sich immer eine gute Portion Wissenschaft – und Münchehagen hat sich vom Deponie-Standort zum Dino-Dorf gemausert.

