Rotenburg hilft Ukraine-Flüchtlingen

Schild am Campus
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Platz für Flüchtlinge aus der Ukraine bietet auch der Campus in Unterstedt. Hier wird derzeit alles vorbereitet, ähnlich wie in der alten Kaserne in Visselhövede.

Die Hilfsbereitschaft der Rotenburger bleibt ungebrochen: Der Lions-Club und das Diakonissen-Mutterhaus bilden einen Ukraine-Hilfsfonds. Derweil machen Handwerker und Putzkräfte den Campus Unterstedt für die Aufnahme der ersten Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet bereit. Und auch die ehemalige Kaserne in Visselhövede soll zu diesem Zweck hergerichtet werden.

Rotenburg – Dass ein Krieg mitten in Europa auch Folgen für die Region haben wird, war von Tag eins an klar. Viele private Hilfsinitiativen haben sich spontan gebildet, einige Konvois haben sich auch aus dem Landkreis Rotenburg auf den Weg Richtung Polen und Ukraine gemacht, die ersten Flüchtlinge sind privat bei Bekannten oder Verwandten untergekommen. Auch die Verwaltungen stehen bereit – wohlwissend, dass in diesen Tagen die ersten Busse ankommen mit Menschen, die noch nicht genau wissen, wo sie bis auf Weiteres wohnen können. Zudem wird die Hilfe vor Ort und für die Menschen dort von hier in koordinierte Bahnen gelenkt.

Ich glaube daran, dass viele Menschen an vielen Orten mit ihren Möglichkeiten das Gesicht der Welt verändern können.

Mutterhaus-Vorstand Matthias Richter

Der Rotenburger Lions-Club ist diesbezüglich Vorreiter. Er hat sich für die Bildung eines Ukraine-Hilfsfonds eingesetzt und das Diakonissen-Mutterhaus mit ins Boot geholt. Lions-Präsident Frank Fruggel: „Wir möchten vielen Menschen eine Möglichkeit geben, sich an der Hilfe zu beteiligen. Außerdem ist es unser Anliegen, die Initiativen in unserer Stadt zu unterstützen und zu sichern. Jeder Euro, der eingeht, kommt lokalen Initiativen für die Begleitung von Ukraine-Flüchtlingen bei uns oder der Unterstützung von Kriegsbetroffenen vor Ort zugute.“

Organisatorisch laufen die Fäden für den Fonds beim Mutterhaus zusammen. Hier gehen die Gelder ein und werden auf die Projekte verteilt. Die ersten 2 500 Euro dafür hat Fruggels Steuerberatungsfirma „RTC Treuhand“ bereits eingezahlt, heißt es. Über die Ausschüttung des Geldes entscheide ein Beirat, dem neben Fruggel und Mutterhaus-Vorstand Matthias Richter Bürgermeister Torsten Oestmann und Hotelier Heiko Kehrstephan als Vorsitzender des Rotenburger Wirtschaftsforums angehören. Die Mittel sollen so „schnell, effektiv und sinnvoll“ eingesetzt werden, ohne dass Geld verloren geht – das Mutterhaus übernimmt die Verwaltung gratis und stellt auch Spendenbescheinigungen aus. Sobald der Fonds sich füllt, werde bekannt gegeben, wie man sich für Mittel bewerben kann.

Spenden

Diakonissen-Mutterhaus Spendenkonto;
Sparkasse Rotenburg Osterholz;
BIC: BRLADE21ROB;
IBAN: DE 57 2415 1235 0025 1234 56;
Stichwort: Ukraine und Anschrift.
www.diako-mutterhaus.de/ukraine

Das Mutterhaus ist in Rotenburg zentral auch beim Thema Unterbringung involviert. Denn über das bürgerschaftliche Engagement hinaus ist die Stadt verpflichtet, vom Land zugewiesene Kontingente von Flüchtlingen aufzunehmen. Diesbezüglich geriet das dem Mutterhaus gehörende Gelände der ehemaligen Lungenklinik wieder in den Fokus, der Campus Unterstedt, wo zuletzt nur noch wenige geflüchtete Menschen lebten. Aus der Ukraine sind dort bereits die ersten sieben Flüchtlinge angekommen. Wann genau weitere dazustoßen werden, kann Richter aktuell nicht sagen. Aber: „Auf dem Campus arbeitet das Team so schnell wie möglich, um vorbereitet zu sein.“ Denn der Anruf kann jeden Tag kommen. „Es kann aber auch sein, dass Leute einfach vor der Tür stehen.“ Zu den Vorbereitungen dafür zählt auch, dass das aktuell leerstehende Haus wieder aktiviert wird. Eine Putzfirma macht sauber, und Handwerker waren vor Ort, um notwendige Arbeiten durchzuführen. „Wir sind da auf eine extrem große Hilfsbereitschaft gestoßen“, erklärt Richter – denn Handwerker kurzfristig zu bekommen, sei derzeit gar nicht so einfach. Es gab zudem einen Großeinkauf an Möbeln, um gewappnet zu sein. Auch notwendige Elektrogeräte seien dem Campus sehr günstig vor Ort überlassen worden.

Der Landkreis hat indes bestätigt, dass auch das Gelände der ehemaligen Kaserne in Visselhövede wieder hergerichtet wird, um die Kommunen zu unterstützen. Die Unterkunft soll kommende Woche einsatzbereit sein, wenn das Land über das Drehkreuz am Messebahnhof in Hannover Busse in die Regionen verteilt. Federführend wird dann in Visselhövede das DRK Bremervörde den Betrieb organisieren. Die Kreisverwaltung weist aber darauf hin, dass privat organisierte Transporte auch für eine private Unterbringung sorgen müssten – die Notunterkunft diene nur als Anlaufstelle für Transfers des Landes. Man habe „mit der Unterkunft eine Rückfallebene geschaffen, sodass eine menschenwürdige Unterbringung jederzeit gewährleistet ist“, teilt Landrat Marco Prietz (CDU) mit. Fragen beantworte der Landkreis allgemein unter ukraine@lk-row.de.

Thorsten Finner spielt für den neuen Rotenburger Hilfsfonds für die Ukraine.

Finner möchte helfen: „Gottverdammt unmenschlich“

Allzu viele Auftritte hatten Künstler in den vergangenen zwei Jahren aufgrund der Pandemie nicht. Für den Neustart hatte sich Thorsten Finner sicherlich einen schöneren Grund gewünscht als einen Krieg. Nun aber möchte der Rotenburger Singer-/Songwriter auch helfen – und unterstützt den neuen Rotenburger Ukraine-Hilfsfonds am Sonnabend kommender Woche, 19. März, mit einem Benefiz-Konzert. „Ich kann die Welt vielleicht nicht direkt ändern, darf und will aber sagen, dass es eine gottverdammt unmenschliche Situation ist, mit der ich mich so nicht einfach abfinden kann“, so Finner. Das Konzert startet um 18.30 Uhr in der Kirche „Zum guten Hirten“ des Diakonissen-Mutterhauses an der Elise-Averdieck-Straße. 100 Sitzplätze gibt es dort, es gilt die 2G-Regel und Maskenpflicht. Geplant ist allerdings auch eine Videoübertragung in den Außenbereich des Geländes. Feuerkörbe und heißer Punsch sollen dort für ein wenig Festival-Atmosphäre sorgen, ein paar Sitzgelegenheiten werden gestellt, Stühle sollten ansonsten mitgebracht werden. Der Eintritt ist frei, natürlich wird um großzügige Spenden für den Ukraine-Fonds gebeten. Mutterhaus-Vorstand Matthias Richter: „Ich finde die Initiative von Thorsten Finner beispielhaft. Sie macht anderen Mut, ihre Betroffenheit in Mut und Engagement zu verwandeln. Das wollen wir als Mutterhaus unterstützen.“

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