Sottrum erhält zahlreiche Wohnungsangebote für Ukraine-Flüchtende
Zahlreiche Menschen in der Samtgemeinde Sottrum wollen Flüchtende aus der Ukraine unterstützen und Wohnungen zur Verfügung stellen. Über offizielle Stellen sind derzeit noch keine Menschen aus dem Kriegsgebiet eingetroffen, allerdings auf privater Ebene haben schon einige hier Zuflucht gefunden.
Sottrum – Für Matthias Röhrs, Leiter des Ordnungsamtes der Samtgemeinde Sottrum, beginnt die Woche mit dem Sortieren von E-Mails mit Wohnungsangeboten. Der Hintergrund: In der vergangenen Woche hatte die Kommune wie auch andere im Südkreis einen Aufruf gestartet, ihr verfügbaren Wohnraum zu melden. In diesem will die Samtgemeinde dann Flüchtende aus der Ukraine aufnehmen können. „Wir haben etliche Wohnungen angeboten bekommen und arbeiten die ganzen Rückmeldungen erst einmal ab und sichten die Angebote “, sagt Röhrs.
Er freut sich über die sehr gute Resonanz, die der Aufruf der Verwaltung bei den Bürgern der Samtgemeinde ausgelöst hat. „Einige haben uns die Wohnmöglichkeiten sogar kostenlos angeboten. Die Bereitschaft zu helfen ist sehr groß.“ Auch Samtgemeindebürgermeister Holger Bahrenburg zeigt sich zufrieden: „Die Menschen in unserer Samtgemeinde zeigen sich solidarisch mit den Flüchtenden.“ Die Kosten für die Unterbringung übernimmt das Sozialamt des Landkreises – wenn die Vermittlung der Flüchtenden über die offiziellen Kanäle erfolgt ist. „Wichtig ist, dass bei einer privat organisierten Unterbringung die Leute registriert werden“, macht Röhrs deutlich. „Wo und wie wird gerade geklärt. Dann hat man auch Anspruch auf Unterstützung.“
Bedarf ist noch unklar
Wie viel Wohnraum die Samtgemeinde am Ende brauchen wird, ist unklar. „Wir wissen noch nicht, was uns erwartet“, sagt Röhrs. „Die ganzen Gespräche stecken noch in den Kinderschuhen.“ Ihm geht es zunächst einmal darum, Adressen zu sammeln. „Damit wir nicht blank da stehen, wenn Menschen hierher zu uns kommen. Ob wir am Ende alles auch brauchen, werden wir dann sehen.“
Sachspenden sammelt die Samtgemeinde derzeit zentral nicht. „Einige Transporte sind ja bereits in Richtung Polen aufgebrochen. Hier wollen wir erst mal abwarten und dann, wenn Menschen hier sind, gezielt gucken, was sie brauchen.“ Was ihn ebenfalls freut: „Viele Bürger organisieren sich da schon ganz gut in Whatsapp-Gruppen. Da sind Menschen aus der ganzen Samtgemeinde aktiv. Es gibt da also über die ganzen Sammlungen eine riesengroße Hilfs- und Spendenbereitschaft.“
Bislang sind noch nicht viele Ukrainer in der Samtgemeinde angekommen, „und von denen wir wissen, sind über Dritte hier“, weiß Röhrs. So, wie bei Anette Gent: Zwei Familien – insgesamt vier Erwachsene und drei Kinder – sind derzeit bei ihr in Eversen untergekommen, ohne Vermittlung durch eine Behörde. Eine Bekannte hatte sie angerufen, ob sie den Erwachsenen und den Kindern, darunter ein Kleinkind im Alter von 16 Monaten, helfen könnte. Für Gent ein besonderes Anliegen, denn sie hat eine Verbindung zur Ukraine: „Wir hatten schon drei Au Pairs von dort bei uns. Für mich ist es daher selbstverständlich, Menschen zu helfen“, betont Gent.
Die Menschen, die bei uns sind, sind sehr dankbar für die Hilfe. Und ich bin sehr dankbar für die große Unterstützung.
In einem Gästezimmer und einer Wohnung, die sie sonst über die Plattform Airbnb vermietet, sind die Flüchtenden untergekommen. Aktuell kommt Gent für die Kosten alleine auf. Dennoch ist sie zuversichtlich: „Die Menschen, die bei uns sind, sind sehr dankbar für die Hilfe. Und ich bin sehr dankbar für die große Unterstützung.“ Schon einiges haben Freunde und Bekannte bei ihr abgegeben, über Kleidung, Essen, Spielzeug bis ihn zu einem Autositz für das Kleinkind. „Wir helfen uns hier im Ort gegenseitig, und das klappt super.“
Sie will ihre Türen noch weiter öffnen: „Eines unserer ehemaligen Au-Pair-Mädchen hat sich jetzt mit anderen Frauen und sieben Kindern, darunter ihre eigene vierjährige Tochter auf den Weg gemacht. Sie sind dort in Lebensgefahr“, berichtet Gent aufgewühlt. „Ihr Mann und ihr Bruder mussten allerdings zurückbleiben.“ Immer wieder erhält sie Nachrichten von der jungen Frau aus der Region um Kiew. „Gerade stehen sie irgendwo im Stau“, hat Gent erfahren. Sie hofft, dass die Gruppe bald die Grenze erreicht haben wird und in Sicherheit ist. „Die Nachrichten von dort sind so schrecklich.“
Die Samtgemeinde indes hofft auf weitere Raumangebote, „gerne auch größere Wohnungen“, sagt Röhrs. „Bislang haben wir vor allem kleine Wohnungen.“ Wer der Samtgemeinde helfen kann, meldet sich per E-Mail an flucht@sottrum.de bei Matthias Röhrs.