Windpark Hassendorf wird erneuert: Weniger Räder, mehr Leistung
Aus sechs Windrädern im Windpark Hassendorf sollen drei werden – die dann allerdings doppelt so hoch. Die Kreispolitik gibt grünes Licht, obwohl die Abstände zur Wohnbebauung nicht den Vorgaben im Raumordnungsprogramm entsprechen.
Hassendorf – Deutschland will mehr Öko-Energie – Solarkraft auf der einen, Windstrom auf der anderen Seite. Weil aber wie in vielen anderen Regionen auch im Landkreis Rotenburg die bislang ausgewiesenen Vorrangflächen für Windkraftanlagen im Regionalen Raumordnungsprogramm weder dem eigenen Anspruch und schon gar nicht den Interessen der Branche entsprechen, gerät das „Repowering“ stärker in den Fokus: Alte Windräder sollen durch modernere, leistungsstärkere ersetzt werden. So auch in Hassendorf.
Betreiber von fünf der sechs dort stehenden Windkraftanlagen ist das Cuxhavener Unternehmen PNE (Pure New Energy). „Die Anlagen haben ein Alter von etwa 20 Jahren und sind dementsprechend nicht mehr auf dem aktuellen Stand der Technik“, erklärt Pressesprecher Rainer Heinsohn. Die Firma arbeitet derzeit an einem Gesamtkonzept für den Windpark, das dann den Ersatz für alle sechs Anlagen vorsieht.
200 statt 100 Meter Höhe
„Der wesentliche Grund ist, dass sich mit weniger Anlagen ein Vielfaches an Strom erzeugen lässt“, sagt die zuständige Projektleiterin Slena Schweiger. Anstelle der sechs, bis zur oberen Flügelspitze 100 Meter hohen Anlagen, die eine Nennleistung von 1,25 Megawatt haben, sollen sich künftig drei Anlagen mit einer Höhe von 200 Metern und einer Nennleistung von fünf bis sechs Megawatt dort drehen. „Die Höhe verdoppelt und die Leistung vervielfacht sich“, sagt Schweiger.
Doch das „Repowering“ birgt baurechtliche Probleme. Aus den einfachen Windkraftanlagen werden den Plänen nach nämlich „raumbedeutsame“, die müssten nach den Vorgaben des Landkreises einen Abstand von 1 000 Metern zur nächsten Wohnbebauung haben und in ausgewiesenen Vorranggebieten stehen. In dem Gebiet zwischen Hassendorf, Sottrum und Bötersen ist das aber nicht der Fall. Trotzdem: Der Landkreis hat nach Angaben des Ersten Kreisrats Torsten Lühring grünes Licht gegeben. In dem auch durch Hochspannungsleitungen bereits „erheblich vorbelasteten“ Gebiet gegenüber des Umspannwerks seien die großen Windräder gut aufgehoben, Ausnahmen von der Praxis der Baugesetzgebung seien möglich. „Raumplanerische Gründe stehen dem nicht gegenüber“, bestätigt Regionalplaner Rainer Meyer. Wohlwissend, dass man auch für andere bestehende Windparks im Kreisgebiet einen Präzedenzfall schaffen könnte, gibt es seitens der Kreispolitik bislang auch keine Einwände. Man müsse sich im Zuge der ab Herbst ins Auge gefassten Erneuerung des Raumordnungsprogramms sowieso mit den bestehenden Windparks beschäftigen. Bis dieser Prozess aber abgeschlossen ist, so Lühring, müssten „Interimslösungen für solche Grenzfälle“ gefunden werden.
Nachdem sich die Welt so gedreht hat, können wir die Genehmigung für den Windpark nicht auslaufen lassen.
Wann aus sechs Anlagen drei werden, steht noch nicht genau fest, denn nach grünem Licht aus der Politik geht es für PNE zuerst an die Konkretisierung der Planung: „Es ist für uns ja wie eine Neuplanung, alles mit Blick auf Bauvorschriften, Umweltvorgaben muss auf dem aktuellen Stand sein“, so Heinsohn. Wenn alles gut laufe, inklusive der notwendigen Gutachten, geht das Unternehmen davon aus, dass in der zweiten Jahreshälfte 2023 mit dem Genehmigungsverfahren begonnen werden kann. „Es ging darum, erst einmal die Grundlagen zu schaffen, um die Maßnahmen anzuschieben“, sagt Heinsohn. „Es wird auch noch eine Öffentlichkeitsbeteiligung geben“, ergänzt Schweiger. „Wir hoffen natürlich, dass das Thema noch beschleunigt wird.“ Der Gesamtprozess kann noch zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Für Hassendorfs Bürgermeister Klaus Dreyer (SPD) ist der Ausbau des Windparks eine aus den aktuellen Ereignissen resultierende Notwendigkeit: „Nachdem sich die Welt so gedreht hat, können wir die Genehmigung für den Windpark nicht auslaufen lassen. Deswegen steht die Gemeinde auch einstimmig dahinter.“