Kunst statt Küstenschutz
Guckst du? Wie graue Betonklötze auf Sylt zu Stars im Netz wurden
Auf der Nordseeinsel Sylt haben Unbekannte riesige Betonblöcke zum Leben erweckt. Mit ihrer originellen Aktion haben sie eine neue Touristenattraktion geschaffen.
Sylt – Das hätte auf der Nordseeinsel Sylt wohl niemand gedacht: Ausgerechnet die hässlichen grauen Betonklötze, die auf einem Parkplatz in Strandnähe zwischengelagert werden, sind zu einem Touristenmagneten geworden. „Wo liegen die?“, wollten zahlreiche Menschen wissen, nachdem sie Fotos der sogenannten Tetrapoden auf Facebook gesehen hatten. Denn die Betonblöcke sehen – dank eines unbekannten „Künstlers“ – mittlerweile richtig niedlich aus.
Kunst statt Küstenschutz: Betonklötze auf Sylt haben jetzt Augen
Eigentlich sollten die riesigen Betonklötze die Nordessinsel Sylt vor dem Untergang bewahren. Als Wellenbrecher wurden sie in den sechziger Jahren an verschiedenen Stellen an der Westseite der Insel platziert. Rund 1200 von ihnen mussten im Frühjahr 2022 vor der Promenade in Westerland entfernt werden, da man die Flutschutzmauer erneuern wollte. Aber wohin mit den grauen Kolossen? Auf der Insel hatte man zunächst keine Verwendung für sie, daher wurden die Tetrapoden auf einem Parkplatz beim Restaurant „Strandoase“ an der Straße nach Rantum zwischengelagert.
Während der zuständige Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz noch prüft, was mit den Betonblöcken passieren soll, hatten Unbekannte schon eine Idee. Sie malten Ende September auf rund 100 der an der Seite zum Parkplatz liegenden Tetrapoden Augenpaare auf – und erweckten sie damit zum Leben. Mit ihrer originellen Aktion haben sie eine neue Touristenattraktion auf der Promi-Insel Sylt geschaffen.
Die „friesische Terrakotta-Armee“ sorgt für Begeisterung im Netz
Nicht viele der jüngsten Farbaktionen auf der Nordseeinsel Sylt stoßen auf so viel Begeisterung wie die bemalten Tetrapoden. Während eine Installation zur Sylter Nachhaltigkeitswoche als „ekelhaftes Geschmiere“ wahrgenommen wurde, haben die Betonklötze mit Augen viele Fans im Netz. Als die ersten Fotos in einer Sylter Facebook-Gruppe auftauchten, war die Resonanz groß. „Vorige Woche hatten die noch keine Augen – oder ist eine Fotomontage?“, wundert sich eine Userin.
Das ist das friesische Gegenstück zur chinesischen Terrakotta-Armee. Leider hatte die Truppe vorher zu viel Grog getrunken.
Der Gruppenadministrator hat eine Antwort parat: „Das ist das friesische Gegenstück zur chinesischen Terrakotta-Armee. Leider hatte die Truppe vorher zu viel Grog getrunken.“ Überhaupt sorgen die lustigen Betongesellen für viel Spaß und Begeisterung im Netz. Manche fühlen sich an „Barbapapa“ erinnert, eine dickbäuchige Comic-Figur mit Kulleraugen aus den siebziger Jahren. „Da fühlt man sich wohl etwas beobachtet“, schmunzeln andere.
Betonblöcke mit Augen sind neue Touristenattraktion auf Sylt
Das Pulloverschaf, das seit dem Frühjahr der Star auf Sylt ist, hat auf jeden Fall Konkurrenz bekommen – die hat ebenfalls vier Beine, kann aber nicht weglaufen. „Stark, wo stehen die? Muss ich nächste Woche auch fotografieren!“ ist die Reaktion vieler User auf Facebook. Und tatsächlich herrscht auf dem Parkplatz beim Restaurant „Strandoase“ reges Treiben. Allein in der kurzen Zeit, als unsere Redakteurin vor Ort Bilder macht, halten diverse Auto- und Fahrradfahrer, um auch ein paar Fotos von den Betongesellen zu schießen.
Bei genauer Betrachtung zeigen die glotzenden Betonblöcke auf dem Parkplatz ganz unterschiedliche Emotionen. Einige scheinen erstaunt in die Welt zu blicken, andere wirken etwas traurig hinter dem Bauzaun, der die Blöcke eigentlich vor unbefugtem Betreten schützen sollen. Wie lange diese neue Touristenattraktion der Insel noch erhalten bleibt, ist unklar. Wer weiß, vielleicht wird der triste Parkplatz ja noch zur Open-Air-Galerie umfunktioniert.
Rubriklistenbild: © Dagmar Schlenz

