Baurat hat große Pläne

„Kein gesunder Mix mehr“ – illegalen Ferienwohnungen auf Sylt droht das Aus

Zu viele Ferienwohnungen und zu wenig Wohnraum – auch auf Sylt ein Problem. Viele dieser Unterkünfte sind nicht einmal genehmigt. Der Kreis Nordfriesland geht jetzt klar dagegen vor.

Husum – Private Ferienwohnungen gibt es im Kreis Nordfriesland jede Menge. Für viele Menschen sind sie eine wichtige Einkommensquelle. Denn die Region ist ein Touristenmagnet, auch die Inseln Sylt, Amrum und Föhr gehören dazu. Dabei ist ein großer Teil dieser Wohnungen gar nicht zur Vermietung an Urlauber genehmigt. Was trotzdem lange üblich war, will der Kreis nun nicht mehr hinnehmen. Er geht gegen Anbieter ungenehmigter Ferienwohnungen an der Nordsee vor.

Laut dem zuständigen Kreisbaurat Burkhard Jansen stehe man mit dem Vorhaben, den illegalen Ferienwohnungen Herr zu werden, erst ganz am Anfang. Das Problematische an diesen Wohnungen sei, dass sie „dem in Bebauungsplänen festgelegten Planungswillen der jeweiligen Gemeinde“ widersprechen, erklärt der Kreis Nordfriesland auf Anfrage von kreiszeitung.de. Man habe „in den letzten Jahren zunehmend städtebauliche Spannungen festgestellt“.

Zunehmende städtebauliche Spannungen – auf der Ferieninsel Sylt gibt es zu viele Ferienwohnungen

Es gebe „keinen gesunden Mix mehr“ zwischen Ferienwohnungen, Zweitwohnungen und Wohnungen für Wohnbevölkerung. „Da ist etwas ins Rutschen geraten, vorbei an dem, was die Gemeinden planungsrechtlich erlaubt haben.“ Das bedeutet konkret: Es gibt zu viele Ferienwohnungen im Vergleich zu Wohnungen, die zur Dauervermietung zur Verfügung stehen – also für Menschen, die auf Sylt oder Amrum leben und arbeiten. Gegen dieses Problem will man nun vorgehen.

Insel Sylt Ferienwohnungen droht das Aus

Außerdem würden auch andere Verstöße festgestellt, heißt es weiter. „Zum Beispiel Anbauten ohne erforderliche Baugenehmigung, illegaler Ausbau von Nebengebäuden zu Wohnzwecken, Ausbau des Kellergeschosses und des Dachgeschosses zu Aufenthaltszwecken, Verstöße gegen Brandschutzbestimmungen.“ Darauf wolle man nun gesammelt reagieren und die Nutzung zur Vermietung an Feriengäste untersagen.

Etwa 3.500 Ferienunterkünfte auf Sylt sind vermutlich gar nicht genehmigt

Müssen alle Insulaner, die ohne Genehmigung an Touristen vermieten, jetzt in Angst leben? Viele nutzen die Vermietungen ja auch, um ihr Wohnhaus abzubezahlen oder zusätzlich etwas einzunehmen. Die Antwort des Kreises Nordfriesland lautet: Nein, jedenfalls nicht sofort. „Wir haben bisher 50 Nutzungsuntersagungen auf Sylt ausgesprochen – bei geschätzten 11.000 Ferienwohnungen auf der Insel. Wir gehen also eher moderat gegen nicht genehmigte Nutzungen vor.“ Dabei könnten bis zu 3.500 Ferienunterkünfte auf Sylt illegal sein, heißt es dazu beim Spiegel.

Und worauf müssen sich Feriengäste nun einstellen? Müssen sie damit rechnen, dass ihre für den Sommer gebuchte Unterkunft nicht mehr da ist, wenn sie ihre Reise antreten? Nein, erklärt der Kreis auf Anfrage. „Soweit es nur einen Verstoß gegen die Nutzungsgenehmigung gibt, also wenn genehmigter Dauerwohnraum als ungenehmigte Ferienwohnung genutzt wird, bieten wir den Eigentümern eine sechsmonatige Duldung zum Ende des Quartals an, um alle bereits getätigten Buchungen für diesen Zeitraum noch abzuarbeiten. Erst danach müssen sie die unzulässige Nutzung einstellen.“ Daher gehe man davon aus, dass die Auswirkungen auf Urlaubsreisende eher gering ausfallen.

Feriengäste müssen nicht befürchten, ohne Unterkunft dazustehen – Kreis Nordfriesland gewährt Kulanzzeit

Innerhalb der nächsten zehn Jahre wolle man allerdings „rechtlich einwandfreie Zustände“ in den Tourismusorten schaffen. „Im besten Fall bedeutet dies einen gesunden Mix aus Ferien-, Zweit- und Dauerwohnungen“, heißt es. Ob die umgenutzten Ferienwohnungen überhaupt als Dauerwohnungen geeignet sind und für Dauermieter bezahlbar sind, muss sich erst noch zeigen.

Auf Sylt finden Arbeitnehmende oft keinen Dauerwohnraum mehr. Das Unternehmen Lidl baut auf der Insel einen neuen Markt – und will im Obergeschoss Personalwohnungen schaffen.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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