Gemeinden suchen Lösungen

Illegale Ferienwohnungen an der Nordsee: Zahlreiche Vermieter in Nordfriesland betroffen

Der Kreis Nordfriesland macht Ernst und hat erste Ferienwohnungen stillgelegt. Betroffene Gemeinden suchen jetzt nach Lösungen für ein längst bekanntes Problem.

Nordfriesland – Die Vermietung von Ferienimmobilien an der Nordsee ist ein lukratives Geschäft, an dem viele verdienen. Doch zurzeit herrscht Verunsicherung in zahlreichen Urlaubsdestinationen im Norden. Denn eine nicht geringe Zahl Ferienobjekte werden nach heutiger Rechtslage illegal vermietet. Der Kreis Nordfriesland hat die Prüfung von Ferienwohnungen in den Tourismusgebieten verstärkt, erste Vermieter haben bereits Post bekommen.

Bundesverwaltungsgericht entscheidet: Ferienwohnungen in Wohngebieten sind verboten

Im Oktober 2017 stellte das Bundesverwaltungsgericht in einem Urteil klar: In reinen Wohngebieten ist die Vermietung von Ferienwohnungen unzulässig. Damit eine legale Vermietung an Urlaubsgäste möglich ist, muss ein Gebiet als sogenanntes Sondergebiet ausgewiesen sein, in dem Dauerwohnen und Ferienvermietung erlaubt sind. Das ist in vielen Gemeinden bisher nicht der Fall.

Lange passierte nicht viel, doch nun ziehen graue Wolken auf über der boomenden Tourismus-Branche in Schleswig-Holstein auf. Seit Anfang dieses Jahres geht der Kreis Nordfriesland vermehrt gegen illegale Ferienwohnungen vor. „Die Prüfung der Ferienwohnungen in den Tourismusgebieten im Kreis Nordfriesland ist für einen Zeitraum von zehn Jahren angesetzt und wird bislang ausschließlich von Mitarbeitenden der Bauaufsicht getätigt. Der lange Zeitraum ist zwingend erforderlich, da Nachkontrollen notwendig sind“, erläutert ein Sprecher gegenüber Ippen.Media.

Der Kreis Nordfriesland kontrolliert illegale Ferienwohnungen – allein auf der Nordseeinsel Sylt soll eine vierstellige Zahl betroffen sein. (Symbolbild)

Illegale Vermietungen an der Nordsee: Eine hohe Anzahl Wohnungen betroffen

Private Eigentümer von Ferienwohnungen gibt es überall – auch an der Nordsee. Oft haben sie unter dem eigenen Dach eine Wohnung, die sie an Urlauber vermieten. Die genaue Anzahl ist nicht bekannt. Für den Kreis Nordfriesland gibt es Schätzungen, nach denen sich in den Tourismusgebieten ein großer Teil der Ferienwohnungen in reinen Wohngebieten befindet – und damit illegal ist. Allein für die Insel Sylt ist die Rede von einer vierstelligen Zahl.

Auf Nachfrage von Ippen.Media zu den Zahlen teilt ein Sprecher des Kreises Nordfriesland mit: „Bei der für die Insel Sylt genannten vierstelligen Zahl handelt es sich um eine Schätzung. Auch auf den Inseln Föhr und Amrum ist davon auszugehen, dass ein hoher Anteil der vorhandenen Ferienwohnungen baurechtlich nicht genehmigt sein wird. Konkrete Zahlen für das Kreisgebiet sind jedoch nicht bekannt, auch nicht für St. Peter-Ording.“

Ärger für Vermieter: Erste Ferienwohnungen stillgelegt

Welche Konsequenzen das Vorgehen der Bauaufsicht hat, haben erste Vermieter zu spüren bekommen. In St. Peter-Ording ist man nicht nur wegen großer Paraffin-Klumpen besorgt, die am Strand angespült wurden, sondern auch wegen möglicher Post vom Kreis Nordfriesland. Insgesamt 17 Vermieter im Gartenweg haben bereits eine Aufforderung erhalten, die Ferienvermietung unverzüglich einzustellen, wie shz.de berichtet. Auch auf Sylt sind schon einige Nutzungsuntersagungen und Stilllegungsbescheide zugestellt worden, heißt es in einem Facebook-Beitrag des Bürgernetzwerks „Merret reicht’s – aus Liebe zu Sylt“.

Auslöser für die verstärkten Kontrollen ist die schwierige Situation auf dem Wohnungsmarkt. In vielen Orten im Kreis Nordfriesland ist es kaum möglich, bezahlbaren Dauerwohnraum zu finden. Dass jetzt alle betroffenen Ferienwohnungen in Dauerwohnungen umgewandelt werden, scheint aber unrealistisch und ist von der Politik offenbar auch nicht gewollt. Viele Gemeinden verfolgen eine andere Strategie.

Illegale Ferienwohnungen an der Nordsee: Sagen Sie uns Ihre Meinung

Illegale Ferienwohnungen auf Sylt und Co.: Gemeinden wollen Kleinvermieter schützen

Einheimische an der Nordsee klagen schon seit einigen Jahren über „Overtourism“: Zu viele Gäste, zu wenig Dauerwohnraum, Mensch und Natur leiden. Daher hat schon Anfang des Jahres die Gemeinde Sylt entschieden, den Bau weiterer Ferienwohnungen zu verbieten. Die Umwandlung bestehender Ferienwohnungen in Dauerwohnraum scheint da nur ein logischer weiterer Schritt. Ippen.Media hat bei der Gemeinde Sylt nachgefragt, wie man mit den illegalen Ferienwohnungen umgehen will. Die Antwort: Der verträgliche, aber derzeit ungenehmigte Bestand solle – soweit möglich – genehmigt werden.

Das diene, so die Mitteilung des Presseteams der Gemeinde Sylt, insbesondere dem Schutze der Sylter Klein- und Kleinstvermieter. Aber was ist ein „verträglicher Bestand“? Das fragt sich das Bürgernetzwerks „Merret reicht’s – aus Liebe zu Sylt“, das sich unter anderem zum Ziel gesetzt hat, den Ausverkauf der Insel zu stoppen. Aktuell gibt es keine Zahlen, wie viele Touristen Sylt und andere Regionen an der Nordsee maximal aufnehmen können bzw. wollen. Momentan sieht es jedenfalls so aus, als würden die betroffenen Gemeinden nicht umsteuern, sondern die Legalisierung der bislang ungenehmigten Ferienwohnungen anstreben.

Rubriklistenbild: © imago

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