Rezension sorgt für Spott

„Von See nichts zu sehen“: Fassungsloser Urlauber gibt Nordsee 1 von 5 Sternen in Google-Bewertung

„Watt geht denn bei dem ab?“, fragt sich ein Nutzer. Ein Nordsee-Neuling scheint von der Küste negativ überrascht worden zu sein - und hat seinen Ärger in eine irre Rezension kanalisiert.

Sankt Peter-Ording – Enttäuschungen gehören für Urlauber – leider – immer wieder dazu. Da entpuppt sich das Hotelzimmer, das auf den Internet-Fotos wie ein Palast wirkte, als Besenkammer. Da fragt man sich angesichts der Lebensmittelpreise, ob die Snacks denn eigentlich vergoldet sind. Oder da beschweren sich Reisende über eher skurrile und subjektiv ziemlich unverständliche Dinge wie einen allzu sandigen Strand.

Ein Strandkorb im Wattenmeer bei Böhl/Sankt Peter-Ording an der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste bei Niedrigwasser.

1 von 5 Sternen: Google-Bewertung für Nordsee fällt vernichtend und skurril aus

In eine ähnliche Richtung geht die Google-Bewertung, die bei Reddit für Furore sorgte. Sie ist schon mehrere Jahre alt, wurde aber dieses Jahr zur beginnenden Urlaubssaison bei besagtem Netzwerk als Screenshot gepostet. Mehr als 200 Kommentare waren die Folge. 1 von 5 Sternen gibt der Autor, der sich Niels P. (Name von unserer Redaktion gekürzt) nennt. Die Rezension lautet im Wortlaut – eventuelle Fehler nicht korrigiert: „Voller Reinfall, fahr mal an die Nordsee ham se gesagt... anreise per Marschbahn war schon die totale Katastrophe... ja anstatt Sandstrand gabs nen grashügel hinter dem die achso tolle Nordsee sein sollte... von wegen ne Schlammwüsste von See nichts zu sehen direkt zurück zum Bahnhof und nach Hause gefahren Hotel 2 Wochen umsonst bezahlt.beschwerden bei Nordsee Tourismus keine Reaktion. Nie wieder.“

Diese Google-Bewertung kassiert bei Reddit eine Menge Spott.

Nordsee kommt auf mehr als 4.200 Google-Bewertungen - und einen Schnitt von 4,2 von 5 Sternen

Die Bewertung ist echt, unsere Redaktion hat sie tatsächlich unter den mehr als 4.200 Google-Rezensionen für die Nordsee (Durchschnittsbewertung 4,2 von 5 Sternen) gefunden. Aber ist sie auch ernst gemeint? Für die Nordsee finden sich nämlich tatsächlich auch reihenweise Reviews, die eindeutig scherzhaft gedacht sind. „Frische Luft, riecht bisschen nach Fisch“, heißt es etwa auch. Oder: „Ich finde es sehr traurig, dass das Wasser nicht immer da ist. Ich finde es ja okay, dass sie Meerjungfrauen dort unten auch Durst haben, aber sie sollten uns auch was abgeben. Außerdem ist das Ganze viel zu salzig, meinen beiden Hunden ging es danach gar nicht gut. Bitte mehr Chlor!“

Im direkten Vergleich scheint aber die Rezension von Niels P. tatsächlich keinen Humor zu enthalten. Und er war wohl ehrlich verdutzt von der „Schlammwüste“. Tatsächlich könnten manche Nordsee-Neulinge mit dem Prinzip der Gezeiten nicht vertraut sein – und überrascht, dass es dort eben nicht aussieht wie am Strand von Rimini oder gar auf den Malediven. Die schroffere Küste macht den Charme für viele Nordsee-Fans aus – andere sollten sich lieber andere Ziele für ihren Urlaub suchen. Wo die Reise genau hinging, verriet Niels P. übrigens nicht.

Nordsee-Rezension kassiert eine Menge Spott: „Watt geht denn bei dem ab?“

Der vermeintlich uninformierte Nordsee-Erstbesucher kassiert dann auch eine Menge Spott bei den Reddit-Nutzern – zumindest bei jenen, die seine Sätze für bare Münze nehmen. „Da fährt man extra ans Meer und dann ist es nicht da!“, frotzelt einer. „(Ge)zeiten ändern sich“ und „Watt geht denn bei dem ab?“, juxen andere. Natürlich entspinnen sich auch seriöse Diskussionen über potenzielle Badeziele an der Nordsee – denn reizvolle Sandstrände gibt es da tatsächlich. Ein bisschen Zustimmung von Nordsee-Verächtern bekommt die Rezension auch: „Ganz Unrecht hat er ja nicht, die Nordsee wird völlig überschätzt. Ich würde die Ostsee immer vorziehen für einen heimatnahen Strandurlaub. Da gibts auch viel weniger Spinner als auf Sylt zum Beispiel.“

Niedersachsen und Schleswig-Holstein: Die 9 schönsten Strände für eine Reise mit dem 49-Euro-Ticket

Juist Strand Niedersachsen Ostfriesische Inseln
Weißer, feiner Sand und Dünengras zeichnen den Strand der Ostfriesischen Insel Juist aus. Auch dieser Strand ist mit Regionalbahnen und somit durch das Deutschlandticket einfach erreichbar. Ähnlich wie bei der Insel Norderney ist die Endhaltestelle der Züge der Bahnhof Norddeich (Mole). Regionalzüge aus Bremen über Oldenburg steuern diesen Bahnhof an. © IMAGO / Wirestock
Norderney Strand Sonnenuntergang
Die Ostfriesische Insel Norderney ist wohl ein Strand-Klassiker. Ausgezeichnet durch feinen Sand, erstreckt sich der Strand ganze 15 Kilometer. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln und Deutschlandticket ist die Insel gut zu erreichen. Direkt am Fähranleger befindet sich die Bahnstation. Der RE 1 klappert auf dem Weg dorthin direkt mehrere Orte ab, in denen Urlauber zusteigen können – unter anderem Emden, Oldenburg, Delmenhorst oder Bremen Hauptbahnhof.  © Imago/JanisMEYER/Priller&MAUG
Strand in Cuxhaven Duhnen Döse
Mit dem Wattwagen nach Neuwerk, zum Wattwandern oder in der Nordsee baden – wer aus Bremen oder Hamburg kommt und einen Kurzurlaub an der Küste plant, bekommt in Cuxhaven sogar mehr als nur Sandstrand geboten. Von Hamburg aus fährt der RE5 direkt bis nach Cuxhaven. Wer aus Bremen mit dem Deutschlandticket anreist, wählt die NWB RS2 und steigt in Bremerhaven in den Zug EVB RB33. © IMAGO/Torsten Krüger
Sandstrand Neuharlingersiel
Es mutet an, wie der Strand einer Ostfriesischen Insel, ist aber Neuharlingersiel. Bei 10 Hektar Fläche ist genug Platz am Strand, um zu entspannen und dem Meer zu lauschen. Wer von Oldenburg aus mit dem Deutschlandticket anreist, steigt in den RE1 Richtung Norden und hat dann nur noch eine kurze Busreise vor sich. Alle, die am Bremer Hauptbahnhof ankommen, steigen in den Bus F20. Dieser fährt bis zum Anleger, Neuharlingersiel. Von dort aus ist es zu Fuß nicht mehr weit. Die Buslinie K1 fährt aber auch in zwei Minuten direkt zum Strand. © IMAGO / Panthermedia
Strand Küste Ostfriesland Schillig
Ebenfalls ein echter Geheimtipp ist der zweieinhalb Kilometer lange Sandstrand von Schillig. Nördlich von Wilhelmshaven gelegen, ist er gut vom Oldenburger Hauptbahnhof aus mit dem Deutschlandticket zu erreichen. Die NWB RE18 bringt Urlauber nach Wilhelmshaven Hauptbahnhof. Von dort aus fährt die Buslinie 121 direkt in den kleinen Ort an der Nordsee. © IMAGO / imagebroker
Strandabschnitt zwischen Wenningstedt und Kampen auf Sylt
Ob Westerland, List oder Kampen, Sylt lockt jährlich bis zu 4,8 Millionen Übernachtungsgäste auf die Insel. Doch keine Sorge, Platz ist genug: Ungefähr 40 Kilometer lang misst der weiße Sandstrand. Der RE6 fährt direkt von Hamburg Altona durch, ohne Umstieg. Aber auch von kleiner Orten aus Schleswig-Holstein wie Bredstedt und Niebüll fahren Regionalzüge, in denen das Deutschlandticket gültig ist, zur Insel. © IMAGO/Chris Emil Janssen
Strand Pellworm
Es muss nicht immer Sandstrand sein, um ein maritimes Urlaubsgefühl zu bekommen, oder? Die Insel Pellworm ist zwar beliebt, aber längst nicht so populär wie ihre „großen Schwestern“ Sylt und Föhr. Dabei ist Pellworm genauso leicht mit dem Deutschlandticket zu erreichen: Wie bei der Anreise nach Föhr, müssen Urlauber von Hamburg aus lediglich einmal in Niebüll umsteigen.  © IMAGO / Panthermedia
Steg bei Sonnenuntergang auf der Insel Föhr
Wyk auf der Nordfriesischen Insel Föhr verfügt nicht nur über einen malerischen Sandstrand, sondern auch über eine gute Zuganbindung. Direkt am Fähranleger befindet sich die Bahnstation Dagebüll Mole. Zwar steuern diesen vorwiegend Intercity Züge als Direktverbindung an, mit dem RE 60 und einem Umstieg in Niebüll können Hamburger aber ebenfalls per Deutschlandticket den Fähranleger erreichen. © IMAGO / imagebroker
Strandkorb in Sankt Peter Ording
Lange Stege, die vom Ortskern über die Dünen zum Strand führen sowie die Pfahlbauten, sind das Markenzeichen von St. Peter-Ording in Schleswig-Holstein. Wer hier in der Sonne auf dem Handtuch liegen oder im Strandkorb sitzen möchte, kommt entspannt von Kiel, Hamburg oder Westerland (Sylt), mit einem Umstieg in Husum in die RB 64, per Deutschlandticket zum Urlaubsglück. © CHROMORANGE / Karl-Heinz Spremberg

Ein anderer berichtet von einem eigenen ähnlichen Erlebnis: „Bei meinem ersten Besuch an der Nordsee war ich genauso enttäuscht. Komme von der Ostsee und kannte Ebbe und Flut nicht. Habe mich tierisch aufgeregt, weil ich unbedingt schwimmen gehen wollte. Ich war fünf.“ Reaktion darauf: „Du hast vergessen, damals eine Rezension zu schreiben.“ Die prompte Antwort: „Wollte ich ja, aber damals gab es noch nicht einmal Google.“ Für eine deutsche Familie geriet ein Urlaub in den Niederlanden zum „absoluten Horrortrip“. (lin)

Rubriklistenbild: © Guenter Nowack/Imago

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