Überreste aus der vorrömischen Eisenzeit?
Spektakulärer Fund: Archäologen stoßen bei Bauarbeiten auf uralte Siedlung in Otterstedt
Bei den Bauarbeiten für den neuen rund 1 800 Meter langen Radweg an der Reeßumer Straße (K 36) zwischen Otterstedt und Reeßum (Landkreis Rotenburg) ist eine bisher unbekannte vorgeschichtliche Siedlung ans Tageslicht gekommen.
- Was für ein aufregender Fund in Otterstedt!
- Bei Bauarbeiten ist eine bisher unbekannte vorgeschichtliche Siedlung zum Vorschein gekommen.
- Die Siedlung könnte laut einer Archäologin aus der vorrömischen Eisenzeit stammen.
Achim - „Wir haben gleich zwei Fundstellen“, berichtet die Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht am Donnerstagvormittag bei einem Ortstermin. Otterstedt sei von jeher einer der fundreichsten Orte im Landkreis, was aber auch daran liege, dass es dort eine lange Tradition von Hobbyarchäologen gebe.
Routinemäßig nehmen die Archäologen des Kreises auf der Suche nach unbekannten Fundstellen den Boden bei Bauarbeiten in Augenschein. „Wenn der Oberboden abgetragen ist, lassen sich in dem hellen Sand gut Scherben oder ähnliches erkennen“, so Precht. Auf diese Weise sei ihr Kollege Bernd Steffens beim Ablaufen der Trasse auf Hinweise zu einer historischen Siedlung gestoßen.
Bauarbeiten in Otterstedt: Dort muss lange Zeit eine Siedlung gewesen sein
Bei näherem Hinsehen hätten er und der hinzugezogene Grabungstechniker Dirk Hennig auf der rechteckigen Fläche, die etwa die Breite des künftigen Radwegs umfasst, außerdem Ausbuchtungen in den Ecken entdeckt. Das, und die Tatsache, dass Steffens einige Tage zuvor Richtung Otterstedter See die Überreste eines Brunnens gefunden hatte, deuten laut Precht darauf hin, dass an dieser Stelle vor langer Zeit eine Siedlung gestanden haben muss. „Das Haus stand nicht allein in der Gegend rum.“
Die Kreisarchäologin geht davon aus, dass auf der Trasse des Radwegs ein sogenanntes Grubenhaus gestanden hat. Das Dach habe auf dem Boden geruht. „Die Pfosten, die das Dach trugen, waren in die Erde eingegraben. Das sind die dunklen Ecken, die wir heute sehen.“
Vorgeschichtliche Webhütten in Otterstedt: „Es war richtig duster da drinnen, eng und dämpfig“
Laut Precht wurden in den eingetieften und drei mal vier Meter großen Hütten handwerkliche Tätigkeiten ausgeführt, oft seien es Webhütten gewesen mit einem Webstuhl darin. „Es war richtig duster da drinnen, eng und dämpfig. In aller Regel haben die Mägde darin gestanden, das war keine angenehme Tätigkeit“, sagt Precht. Ähnliche Häuser haben sie und ihre Kollegen bereits öfter im Landkreis gefunden, vor allem aus dem Mittelalter. „Aber hier sind wir früher.“
Wie groß das Gehöft war, sei noch unklar. Ebenso, aus welcher Zeit es stammt. Die gefundenen Scherben passten gleich in drei Epochen, berichtet die Archäologin: in die vorrömische Eisenzeit (500 v. Chr.), in die römische Kaiserzeit oder in die Zeit der Völkerwanderung (6. und 7. Jahrhundert n. Chr.). Sie hofft auf weitere Scherben, um die Zeit genauer eingrenzen zu können. „Wenn es sich tatsächlich um die vorrömische Eisenzeit handeln sollte, dann wäre das wirklich ein Knüller.“
Archäologiearbeiten in Otterstedt: Haus wird nicht weiter ausgegraben
Behindert wurden die Bauarbeiten durch die Ausgrabungen bisher nicht, wie Andreas Stein, beim Landkreis zuständig für den Radwegebau, erklärt. „Wir haben den Bauablauf einfach gedreht und von Otterstedt aus angefangen.“
Für Jutta Precht und ihre Kollegen ist die Arbeit an der K 36 voraussichtlich auch am heutigen Freitag beendet. „Wir graben das Haus nicht weiter aus. Aus archäologischer Sicht ist es vernünftiger, es in der Erde zu lassen als eine Ruine zu haben.“
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