Adieu, Abstiegskampf?

Wer Werder noch gefährlich werden kann

Gefühlswelten im Abstiegskampf: der Mainzer Leon Balogun (oben v.l.), Kölns Jonas Hector und Wolfsburgs Jeffrey Bruma sowie Freiburgs Nils Petersen (unten v.l.), Hannovers Iver Fossum und Hamburgs Aaron Hunt.
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Gefühlswelten im Abstiegskampf: der Mainzer Leon Balogun (oben v.l.), Kölns Jonas Hector und Wolfsburgs Jeffrey Bruma sowie Freiburgs Nils Petersen (unten v.l.), Hannovers Iver Fossum und Hamburgs Aaron Hunt.

Bremen - Sieben Spieltage vor Saisonende hat Werder Bremen eine gute Ausgangslage im Bundesliga-Abstiegskampf – gebannt ist die Gefahr aber noch nicht.

Zehn Spieltage ist die Rückrunde der Fußball-Bundesliga nun alt, stolze 18 Punkte hat Werder Bremen in diesem Zeitraum geholt. Das ist nicht nur der sechstbeste Wert aller Mannschaften, sondern sorgt bereits einige Wochen vor dem großen Saisonfinale für große Erleichterung an der Weser: Mit dem Abstiegskampf hat Werder nach dem jüngsten 3:1-Erfolg in Augsburg nichts mehr zu tun! So lautet zumindest der allgemeine Tenor.

Bremer Profis und Verantwortliche äußern sich da naturgemäß zurückhaltender. Kürzlich betonte beispielsweise Torjäger Max Kruse: „Direkt abzusteigen, wird schwer, aber auf Platz 16 müssen wir schon noch ein Auge haben.“ Fest steht: Sieben Spieltage vor dem Saisonende belegt das Team von Trainer Florian Kohfeldt mit 33 Punkten den zwölften Tabellenplatz. Das ist eine komfortable Ausgangslage. Sechs Vereine stehen hinter Werder – und davon stellen längst nicht mehr alle eine Gefahr für Grün-Weiß dar. Ein Überblick.

Hamburger SV

Platz 18, 18 Punkte, 19:43 Tore

Um es kurz zu machen: Nein, der HSV wird die Bremer in der laufenden Serie nicht mehr überholen – womöglich nicht mal in den kommenden, weil dem „Dino“ mehr denn je der erste Bundesliga-Abstieg der Vereinsgeschichte droht. Auch nach der Demission von Vorstandschef Heribert Bruchhagen, Sportchef Jens Todt und Trainer Bernd Hollerbach ist in Hamburg keine Ruhe eingekehrt – ganz im Gegenteil.

Im Anschluss an das 1:2 gegen Hertha BSC verprügelten sich die HSV-Fans gegenseitig, und Profi Kyriakos Papadopoulos, der gegen Berlin nicht zum Einsatz kam, kritisierte Neu-Trainer Christian Titz öffentlich. Dass der HSV in den verbleibenden sieben Spielen seine sieben Punkte Rückstand aufs rettende Ufer wettmacht, ist angesichts der momentanen Lage im Volkspark nur schwer vorstellbar, dass er die 15 Punkte auf Werder aufholt – ausgeschlossen.

Die Uhr beim Hamburger Sportverein scheint abzulaufen...

1. FC Köln

Platz 17, 20 Punkte, 27:49 Tore

So schnell geht das manchmal im Fußball: Nach der 1:3-Pleite in Bremen galt Köln nun aber endgültig als nicht mehr zu retten, als weg vom Fenster – abgestiegen. Eine Woche später fuhr das Team von Trainer Stefan Ruthenbeck dann den 2:0-Derbysieg gegen Bayer Leverkusen ein.

Der prestigeträchtige Erfolg hat zum einen dafür gesorgt, dass die Geißböcke die Rote Laterne an den HSV weitergereicht haben, und zum anderen dafür, dass sie plötzlich wieder Hoffnung schöpfen. „Wir haben von innen an den Sargdeckel geklopft“, sagt Profi Leonardo Bittencourt nach dem Derbysieg. Fünf Punkte müssen die Kölner aufholen – das ist machbar. Die 13 Zähler, die Werder vor dem Effzeh liegt, werden den Grün-Weißen allerdings als Polster genügen.

1. FSV Mainz 05

Platz 16, 25 Punkte, 29:46 Tore

Während des letzten Spieltags ist Werder am 12. Mai in Mainz zu Gast. Angesichts der acht Punkte Vorsprung, die die Bremer derzeit auf die 05er haben, fällt es schwer, sich vorzustellen, dass das Duell ein Endspiel für beide Seiten wird. Auch der aktuelle Trend spricht nicht gerade für die Mannschaft von Coach Sandro Schwarz.

Von den letzten acht Bundesliga-Spielen hat Mainz fünf verloren, zwei unentschieden gespielt und nur eines gewonnen. Das jüngste 0:3 in Frankfurt kam einem Offenbarungseid gleich. „Wir müssen jetzt sehr kritisch sein“, betont Schwarz, der von Sportchef Rouven Schröder Rückendeckung bekommt: „Sandro Schwarz ist unser Trainer“ und werde dies auch beim nächsten Heimspiel gegen Gladbach sein.

Schröder, von 2014 bis 2016 bei Werder beschäftigt, steht selbst im Fokus, weil seine Winter-Transfers Nigel de Jong und Anthony Ujah bisher keine große Hilfe sind. Das Restprogramm der Mainzer – mit Spielen gegen Köln, Freiburg, Augsburg – lässt aber zumindest die Fantasie zu, dass sie Werder nochmal auf die Pelle rücken könnten. Wahrscheinlich ist das aber nicht.

VfL Wolfsburg

Platz 15, 25 Punkte, 28:37 Tore

Seit sieben Spielen wartet Wolfsburg nun schon auf einen Sieg, Neu-Trainer Bruno Labbadia holte in seinen bisher vier Partien lediglich beim 1:1 in Mainz einen Punkt – nach großem Aufgalopp im Abstiegskampf sieht es bei den Ost-Niedersachsen also nicht aus. Ähnlich wie Mainz haben aber auch die Wölfe ein, sagen wir, gnädiges Restprogramm.

Hertha, Freiburg, Augsburg, Gladbach, Hamburg, Leipzig, Köln – bekommt Labbadia mit dem Team halbwegs die Kurve (und danach sieht es nach der guten Leistung trotz des 0:1 gegen Schalke aus) kann es schnell aufwärts gehen. Werder hat acht Punkte mehr, spielt aber unter anderem noch gegen Frankfurt, Leipzig, Dortmund und Leverkusen. Bissig wirken die Wölfe im Moment jedoch nicht. Dass sie noch eine Gefahr für Werder werden - zum jetzigen Zeitpunkt schwer vorstellbar.

SC Freiburg

Platz 14, 30 Punkte, 26:44 Tore

Werder hat drei Punkte mehr als die Mannschaft von Trainer Christian Streich, das ist angesichts der sieben Zähler Rückstand, die der SVW nach dem 20. Spieltag noch auf die Breisgauer hatte, ein starker Wert – aber eben auch ein Wert, der schnell wieder überholt sein kann. Gut für die Bremer: das Torverhältnis. Während Freiburg eine Differenz von minus 18 aufweist, sind es bei Werder nur minus 2 Treffer – das könnte am Ende richtig wichtig werden.

Freiburg gastiert nach der Länderspielpause beim FC Schalke 04. Danach geht es direkt hintereinander gegen die Mit-Konkurrenten Wolfsburg, Mainz, Hamburg und Köln. Spiele, in denen Punkte nicht unwahrscheinlich sind. Ein weiterer Pluspunkt für die Streich-Elf: Im Ex-Bremer Nils Petersen hat sie einen echten Torjäger. Mit 13 Treffern belegt der 29-Jährige den dritten Platz in der Torschützenliste hinter Robert Lewandowski (23 Tore) und Pierre-Emerick Aubameyang (13). Fazit: Freiburg ist ein Team, dem zuzutrauen ist, dass es Werder noch überholt.

Nils Petersen erzielte vergangenes Wochenende gegen den VfB Stuttgart das zwischenzeitliche 1:1. Am Ende verlor Freiburg mit 1:2.

Hannover 96

Platz 13, 32 Punkte, 33:39 Tore

Nach dem 22. Spieltag stand Hannover mit 31 Punkten auf dem neunten Tabellenplatz und kratzte an den Europapokal-Plätzen – eine starke Zwischenbilanz für den Aufsteiger. Das Problem: Seitdem hat die Mannschaft von Coach Andre Breitenreiter nur einen weiteren Zähler gesammelt.

Nach dem 1:1 gegen Köln folgten Niederlagen gegen Gladbach (0:1), Frankfurt (0:1), Augsburg (1:3) und zuletzt Dortmund (0:1), was den Hannoveraner Absturz in der Tabelle erklärt. Beim BVB hatten die 96er allerdings eine starke Leistung gezeigt. „Man hat gesehen, dass wir uns vor keiner Mannschaft verstecken müssen“, betonte Torhüter Philipp Tschauner, ehe er schlussfolgerte: „Mit dieser Leidenschaft kommen die Punkte von allein.“ Nur ein einziges Pünktchen trennt die Mannschaft von Werder – es ist ein Vorsprung, so klein, dass er sieben Spieltage vor Saisonende kaum seine Bezeichnung verdient.

Knüpft Hannover an den guten Auftritt aus Dortmund im kommenden Heimspiel gegen Leipzig an, dürfte das Team rechtzeitig vor dem dann folgenden Heimspiel gegen Werder (Freitag, 6. April, 20.30 Uhr) wieder in Form sein. Auf der anderen Seite bietet sich den Bremern die Chance, nach Wolfsburg (3:1), Hamburg (1:0) und Köln (3:1) den nächsten Rivalen durch einen Sieg im Rückspiel zu distanzieren.

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