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Erstmals wieder Abschiebung nach Syrien: Linke werfen Merz-Regierung „verantwortungslose Symbolpolitik“ vor
Zum ersten Mal seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs hat Deutschland nach Syrien abgeschoben. Bünger kritisiert: Merz‘ Regierung gehe es vor allem um einen „PR-Effekt“.
Berlin – Mit einer Abschiebung nach Syrien hat Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) eine weitere migrationspolitische Ankündigung in die Tat umgesetzt: Zum ersten Mal seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 hat Deutschland einen verurteilten Straftäter nach Syrien abgeschoben. Am Dienstagvormittag (23. Dezember) sei der Mann den Behörden in Damaskus übergeben worden, zitiert die Deutsche Presse-Agentur das Bundesinnenministerium. Der Syrer habe in Nordrhein-Westfalen eine Haftstrafe wegen besonders schweren Raubes, Körperverletzung und Erpressung verbüßt.
Erstmals wieder Abschiebung nach Syrien: Clara Bünger, stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion, wirft der Regierung „verantwortungslose Symbolpolitik“ vor. (Montage)
Doch bei einer Abschiebung soll es nicht bleiben, kündigte das Ministerium bereits an. Mit der syrischen Regierung wurde demzufolge eine Vereinbarung erzielt, „dass Abschiebungen von Straftätern und Gefährdern künftig regelhaft stattfinden können“, berichtet die Nachrichtenagentur AFP. Kritik an dem Vorhaben kommt von den Linken: „Wenn Innenminister Dobrindt Abschiebungen nach Syrien nun auch ‚regelhaft‘ durchführen will, missachtet er Grund- und Menschenrechte, die in einer Demokratie eigentlich selbstredend für alle gelten“, kritisiert Clara Bünger, stellvertretende Vorsitzende und Sprecherin für Innen- und Fluchtpolitik der Linksfraktion, gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media.
Debatte über Syrien-Abschiebungen nach Wadephul-Äußerung
Denn: Syrien sei nach wie vor nicht sicher. „Das weiß nicht nur Herr Wadephul, auch zahlreiche aktuelle Berichte dokumentieren Gewalt, Willkürhaft, Folter und Verschwindenlassen“, führt Bünger aus. Dabei spielt sie auf eine Debatte im November an. Außenminister Johann Wadephul (CDU) hatte in Syrien gesagt, in dem Land könnten „wirklich kaum Menschen richtig würdig leben“. Syrien sehe schlimmer aus als Deutschland 1945. Aus den eigenen Reihen folgte Kritik an Wadephuls Einschätzung.
Bundeskanzler Merz stellte daraufhin klar: „Der Bürgerkrieg in Syrien ist beendet. Es gibt jetzt keinerlei Gründe mehr für Asyl in Deutschland und deswegen können wir auch mit Rückführungen beginnen.“ Später betonte dann auch Wadephul, es sei klar, dass Straftäter und Gefährder dorthin zurückgeführt würden.
Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern
Erstmals wieder Syrien-Abschiebung: Linke wirft Merz‘ Regierung „Symbolpolitik“ vor
In Syrien wurde vor gut einem Jahr der langjährige Machthaber Baschar al-Assad durch die Islamistenmiliz HTS gestürzt, angeführt von Ahmed al-Scharaa. Dieser wurde zum Übergangspräsidenten ernannt und steuert das Land seitdem hin zu einer Öffnung und Annäherung an den Westen. Doch auch nach dem Sturz des langjährigen Machthabers gilt das Land bei Weitem nicht als sicher und stabil. So stellten etwa ein Briefing des UN-Sicherheitsrats im November sowie ein Bericht der European Union Agency for Asylum (EUAA) fest, dass das Land weiter mit einer schwierigen Sicherheitslage kämpfe.
„Abschiebungen in Herkunftsländer sind nur dann legal, wenn es die Menschenrechtslage vor Ort zulässt“, mahnt Clara Bünger. „Menschen abzuschieben, wenn lebensbedrohliche Zustände drohen, verbietet sich.“ In Richtung der Regierung Merz kritisiert sie: „Für die Bundesregierung scheint vor allem der PR-Effekt im Vordergrund zu stehen: Für wenige Abschiebungen gibt sie Hunderttausende Euro aus. Das ist völlig verantwortungslose Symbolpolitik.“
Abschiebungen nach Syrien und Afghanistan: Kritik an Innenminister Dobrindt
Neben der Abschiebung nach Syrien startete am Dienstagmorgen auch nach Afghanistan ein weiterer Flieger. Erneut wurde nach Angaben des Innenministeriums ein Straftäter dorthin abgeschoben. Die frühere Bundesregierung von SPD, FDP und Grünen hatte Abschiebungen nach Afghanistan infolge der Machtübernahme der Taliban zunächst ausgesetzt. Erst unter dem neuen Bundesinnenminister wurden direkte Abschiebungen in das Land wieder aufgenommen. Das Ministerium hatte sich darüber mit „Vertretern der afghanischen de facto Regierung“ verständigt, sagte ein Sprecher.
Bereits die Gespräche deutscher Vertreter mit den Taliban hatten für Kritik gesorgt und auch die Abschiebungen in das Land, in dem die Terrorgruppe systematisch Menschenrechte missachten, ist umstritten. Bünger erklärt gegenüber unserer Redaktion, dass für Afghanistan ähnliches gelte, wie für Syrien: „Die Abschiebungen dorthin müssen gestoppt werden.“ (Quellen: Eigene Recherche, dpa, AFP) (pav)