Ärztin zu Cannabis-Legalisierung: Lieber Alkohol als Hanf verbieten

In der Debatte um die Cannabis-Legalisierung und eine Neuausrichtung der Drogenpolitik gerät auch Alkohol wieder stärker in den Fokus.

Berlin – Obwohl die Cannabis-Legalisierung bereits beschlossene Sache der Ampel-Koalition ist, gibt es weiterhin zahlreiche Gegner. Ihnen gegenüber stehen Legalisierungs-Befürworter, die in der Freigabe von Cannabis zu Genusszwecken, wie durch die Ampel geplant, mehr Chancen als Risiken sehen. Die Fachärztin Kirsten Müller-Vahl zieht den Vergleich zwischen Cannabis und Alkohol und kommt dabei zu einem klaren Urteil. Vom neuen Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Blienert, ist sie dabei gar nicht so weit entfernt.

Cannabis-Legalisierung: Ärztin fordert Hanf legalisieren, Alkohol beschränken

Mit der Fachärztin Kirsten Müller-Vahl äußerte sich im Deutschlandfunk zuletzt eine weitere renommierte Medizinerin zu der geplanten Freigabe von Cannabis zu Genusszwecken in Deutschland. Müller-Vahl hält die aktuelle Drogenpolitik der bisherigen Bundesregierungen für „gescheitert“, wie der DLF berichtet, die Legalisierung von Cannabis hingegen hält sie für vertretbar. Gerade mit Blick auf den Umgang mit Alkohol in Deutschland zeigt sie sich besorgt. Konsumenten und Befürworter fragen sich derweil, wann genau die Freigabe von Hanf kommt.

Cannabis-Legalisierung: Die Fachärztin Kirsten Müller-Vahl, spricht sich für eine Legalisierung von Cannabis und gegen die derzeitige praktizierte Abgabe von Alkohol aus. (Symbolbild)

Mit Blick auf die Folgen von Drogenkonsum hält die Medizinerin ein Verbot von Alkohol statt Cannabis für sinnvoller, wie sie dem DLF sagt, jedoch ist sich auch Müller-Vahl bewusst, dass ein solches in Deutschland aktuell kaum denkbar ist. Sie bewertet die Folgen von Cannabis-Konsum als insgesamt weniger schwerwiegend, und befürwortet daher die geplante kontrollierte Abgabe der Droge.

Auch der Suchtexperte Prof. Dr. Heino Stöver befürwortete im Gespräch mit der Kreiszeitung zuletzt die Legalisierungspläne. Mit Blick auf die aktuelle Lage sagt er, „Kein Dealer fragt heute nach dem Alter“. Ähnlich wie Stöver bezieht sich auch Müller-Vahl in ihrer Argumentation darauf, dass bei einer kontrollierten Abgabe keine verunreinigten Substanzen in Umlauf geraten.

Drogenbeauftragter Burkhard Blienert (SPD) teilt eine ähnliche Meinung zu Cannabis-Legalisierung und Alkohol

Auch Burkard Blienert sieht die aktuelle Situation rund um die Abgabe von Alkohol in Deutschland mehr als kritisch, derweil gilt er als entschiedener Verfechter der Cannabis-Legalisierung. Derzeit kann Bier und Wein in Deutschland bereits mit 16 Jahren erworben werden, „begleitet“ darf schon ab 14 Jahren getrunken werden. Burkhard Blienert möchte das ändern und hat einen klaren Standpunkt: Wie die Tagesschau berichtet, sagte er kürzlich: „Für mich sprechen viele medizinische Argumente dafür, das Erwerbsalter für Bier, Wein und Schaumwein auf 18 Jahre zu erhöhen“. Auch das „Begleitete Trinken“ ab 14 möchte er dringend abschaffen, Blienert sagt, das „geht gar nicht“. Die Landesstelle für Suchtfragen in Niedersachsen spricht sich ebenfalls für eine Abgabe von Alkohol ab 18 aus.

Was die Drogenpolitik allgemein angeht, kündigte Blienert zuletzt an, er wolle „alte Denkmuster aufbrechen“. Als drogenpolitischer Sprecher der SPD setzte sich Blienert schon früher für die Legalisierung von Cannabis ein. Der SPDler befürwortet eine Drogenpolitik nach der Maxime „Hilfe und Schutz statt Strafe“. Der neue „Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen“ möchte die Drogenpolitik neu ausrichten – dabei soll auch die Freigabe von Alkohol strenger geregelt werden.

Noch immer scheiden sich die Geister an der Cannabis-Legalisierung

Auch wenn die Cannabis-Legalisierung bereits beschlossene Sache ist, scheiden sich die Geister in der Politik nach wie vor an der Frage nach der Freigabe. Die Justizministerin von Niedersachsen, Barbara Havliza, (CDU) sprach sich zuletzt deutlich gegen die Cannabis-Legalisierung aus. Sie sagt „Sie ist Gift für junge Menschen und kann schwere Psychosen auslösen“. Havliza befürchtet eine Zunahme von Drogenkonsum unter Jugendlichen durch die Legalisierung.

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Dem widerspricht auch Müller-Vahl in ihrem Gespräch mit dem Deutschlandfunk. Sie verweist auf Ergebnissen aus Ländern, in denen schon früher legalisiert wurde. Dort sei der Konsum im Rahmen der Legalisierungen nicht deutlich gestiegen, so die Medizinerin im DLF. Unabhängig davon, wie man zur Legalisierung steht: Sie ist eine Frage der Zeit, auch wenn es noch etwas dauern wird. Mit Burkhard Blienert könnte sich dafür auch in der Abgabe von Alkohol einiges verändern – Müller-Vahl hätte wohl nichts dagegen. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Fabian Sommer/dpa

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