„Führungsschwäche“ bei CDU/CSU

Koalitionskrise Renten-Streit: Spahn als „Sicherheitsrisiko“ für Kanzler Merz

Ein verfahrener Streit um die Rente: Politikwissenschaftler Schroeder erklärt, wie es so weit kommen konnte. Merz sei gut beraten, die Unions-Machtstruktur zu überdenken.

Berlin – Bloß nicht den Eindruck einer Krise entstehen lassen: Darum scheinen sich vor allem führende CDU-Politiker, darunter auch Kanzler Friedrich Merz, aktuell zu bemühen. Doch die Debatte um das Renten-Paket der Regierung dürfte schon jetzt etwas mehr sein als nur ein Streit in der Sache – und eine Einigung scheint aktuell noch Zukunftsmusik.

Bundeskanzler Friedrich Merz und Unions-Fraktionschef Jens Spahn (beide CDU) im Bundestag.

Zwar betonte etwa Unions-Fraktionschef Jens Spahn, man suche aktuell nach einer Lösung, ließ jedoch auch gleich eine Forderung an die Sozialdemokraten mitschwingen: Man müsse sich auf beiden Seiten bewegen, erklärte der CDU-Politiker gegenüber ntv. Doch in der SPD klingt das anders. Die Sozialdemokraten halten unverändert an ihrer Position fest: Das Paket kommt so wie es ist und es gibt nichts zu bereden. Von der Jungen Gruppe der Unionsfraktion fordern sie Gefolgschaft für den Kanzler. Diese lehnt jedoch ab. Die Fronten sind verhärtet, die Situation festgefahren. Und anders als CDU-Vertreter sprechen Experten durchaus von einer Krise, in der die Koalition steckt.

Politikwissenschaftler: Renten-Streit verdeutlicht Führungsschwäche – Spahn als „Sicherheitsrisiko“ für Merz

„Dieser Streit macht deutlich, dass die Fraktionsspitze der Union wenig Sensibilität und Integrationskraft besitzt“, erklärt Wolfgang Schroeder, Politikwissenschaftler an der Universität Kassel, gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Die Junge Union vertrete ihre abweichende Position schon seit längerer Zeit, zudem habe sie einen Punkt, wenn sie eine grundlegende Reform in Sachen Rente fordert; in diesem Streit habe sie mit der Jungen Gruppe im Bundestag ein „Erpressungspotenzial, um diese Koalition herauszufordern“.

„Das kann man alles nur, weil das Kanzleramt und der Fraktionschef so führungsschwach sind oder wirklich wollen, dass diese Koalition bald scheitert“, glaubt Schroeder. Um besser regieren zu können, müsse die Union ihre Machtstruktur zwischen Kanzleramt, Fraktion und Partei überdenken: „Um gutes Regieren in einer Koalition hinzubekommen, müssen die Spitzen sich wechselseitig stützen und nicht in verschiedene Richtungen arbeiten. Im Prinzip müsste die Union darauf hinwirken, Spahn auszuwechseln und eine loyale Person einzusetzen“, analysiert der Politikwissenschaftler.

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

„Spahn ist, soweit ich das beobachten kann, kein wirklich loyaler Mann, der mit aller Kraft versucht, die Position des Kanzlers abzudecken.“ Der Fraktionschef fahre stattdessen vielmehr seine eigene Strategie: Mal zugunsten des Kanzlers, mal nicht. Vor diesem Hintergrund sei Spahn ein „Sicherheitsrisiko für diese Koalition“, so Schroeder.

Die Junge Union und die Rente: Merz verprellt treue Anhänger – Störung im Unions-„Machtgefüge“

Merz müsse sich jedoch auch an die eigene Nase fassen: Der Kanzler äußere sich in seinen Ansprachen ambivalent, wecke Erwartungen, die er nicht umsetzen könne und es fehle ihm an Gefühl für seine eigene Partei. Und nun dürften selbst seine treuen Anhänger spätestens seit dem Deutschlandtag der Jungen Union am Wochenende kritisch auf den Kanzler und CDU-Parteichef blicken – dort stellte sich Merz im Renten-Streit gegen den Parteinachwuchs. 

Bei der Rede des Kanzlers bei der Veranstaltung in Rust war es zunächst immer stiller geworden, in der darauffolgenden Aussprache bekam Merz kaum noch Applaus. Für den Parteinachwuchs sei der CDU-Chef immer ein Art „Hoffnungsträger“ gewesen, erklärt der Kassler Politikwissenschaftler. Dass Merz den Erwartungen der Jungen Union nicht gerecht werden konnte, macht Schroeder daher als eine zusätzliche „grundlegende Temperaturschwankung innerhalb der Union und Ihres Machtgefüges“ aus. 

„Koalitionskrise“ Renten-Streit: Lösung zwischen CDU/CSU und SPD könne man finden – wenn man wolle

Obwohl auch Schroeder mit Blick auf den Renten-Streit von einer „Koalitionskrise“ spricht, glaubt er nicht, dass die Regierung an dem Streit zerbrechen wird: Eine Lösung zwischen CDU/CSU und SPD könne man gut finden, wenn man wolle. „Bei Lichte betrachtet ist das alles gar nicht so schwierig: Die Rentenkommission kann man vorschalten, man könnte die Außerkraftsetzung des Nachhaltigkeitsfaktors auch nach 2031 unter Reformvorbehalt stellen“, führt Schroeder an. Bei den Sozialdemokraten rechnet der Politikwissenschaftler jedoch aus nachvollziehbaren Gründen nicht mit allzu großer Kompromiss-Bereitschaft. 

Aus Sicht der SPD habe man schon zu viel für die Union mitgetragen – Stichwort Migrationspolitik und Bürgergeld. Zudem scheint bei den Sozialdemokraten auf Unverständnis zu stoßen, dass CDU und CSU die Bedenken der Jungen Union nicht früher haben ausräumen können. Die jungen Abgeordneten der Union stoßen sich im Rentengesetzentwurf an einer Formulierung, nach der auch nach 2031 das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht liegen soll. Sie monieren, dass das nicht im Koalitionsvertrag vereinbart worden sei und 118 Milliarden Euro zusätzlich kosten würde. Die Kritik ist alles andere als neu – der Streit jedoch erst in der vergangenen Woche hochgekocht.

Merz will Renten-Entscheidung vor Weihnachten – Bas warnt vor Unruhe bei Scheitern

Merz pocht darauf, in den kommenden Wochen eine Lösung zu finden: Das Renten-Paket soll noch in diesem Jahr durch den Bundestag, fordert auch die SPD. Spätestens am 19. Dezember – dem letzten Sitzungstag in diesem Kalenderjahr – muss damit eine Lösung stehen. Aktuell wollen jedoch weder die Sozialdemokraten noch die Junge Gruppe von ihren Positionen abweichen.

Arbeitsministerin Bas rief die Unions-Abgeordneten am Dienstag erneut dazu auf, dem Gesetzentwurf zuzustimmen – und warnte laut Bericht der Deutschen Presse-Agentur bereits vor den drohenden Folgen eines Scheiterns: „Wenn diese Abstimmung jetzt nicht gelingt, dann wird’s unruhig werden.“ Prompt korrigierte die SPD-Chefin jedoch: „Es ist schon unruhig. Machen wir uns nichts vor.“ (Quelle: Eigene Recherche, dpa, ntv) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO/dts Nachrichtenagentur

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