Verhärtete Fronten

Renten-Streit spitzt sich zu: Kanzler Merz unter Zugzwang

Die SPD will am Renten-Paket nichts mehr ändern. Die Junge Gruppe der Union droht im Bundestag zu blockieren. Gefragt sind jetzt wohl Merz und Spahn.

Berlin – Im Streit um das Renten-Paket bleiben die Fronten verhärtet. Für die SPD ist alles gesagt: An dem bereits vom Kabinett beschlossenen Paket wollen die Sozialdemokraten nicht mehr rütteln. Auch im Koalitionsausschuss am Donnerstag (13. November) stand das Thema nicht auf der Tagesordnung. Und aus der SPD hört man: warum auch?

Der Vorsitzende der Jungen Gruppe, Pascal Reddig (CDU), verweist im Renten-Streit auf Friedrich Merz: „Der Kanzler hat erklärt, das Thema zur Chefsache zu machen.“ (Montage)

Auf der anderen Seite der Debatte steht die Junge Gruppe der Unionsfraktion, die damit droht, das Vorhaben im Bundestag zu blockieren. Während die Spitzen von Union und SPD am Donnerstagabend über Energie- und Flugpreise berieten, tagte die Junge Gruppe mit etwa 20 weiteren Abgeordneten unweit davon entfernt zur Rente.

Renten-Paket: Junge Gruppe der Union fordert Nachjustieren – SPD lehnt Änderungen ab

Der Tenor bei dem Treffen: „Das Rentenpaket geht so nicht“, berichtet Michael Bröcker, Chefredakteur von Table.Media, am Donnerstagabend in einem Post auf der Plattform X und mahnt wohl auch in Richtung Kanzler: „Aus dem Lüftchen kann ein Sturm werden.“ Dass Bundeskanzler Friedrich Merz die Sache „persönlich“ in die Hand nehmen wollte, scheint bislang jedenfalls keine Früchte zu tragen.

Die Kritik der Abgeordneten aus CDU und CSU richtet sich vor allem gegen die avisierten milliardenschweren Folgekosten, die durch eine Stabilisierung des Rentenniveaus nach 2031 entstehen könnten. Auf die Frage, ob die SPD offen für Verhandlungen über den strittigen Punkt ist, äußert sich nicht zuletzt der SPD-Abgeordnete Bernd Rützel deutlich: „Nein. Weil dies Rentenkürzungen für Alle bedeuten würde.“

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Verhärtete Fronten im Streit um die Rente: „Das mache ich nicht mit!“

Der Vorsitzende des Arbeits- und Sozialausschusses im Bundestag führt gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media aus: „Dann gibt es in gut sechs Jahren einen Absturz mit Ansage bei der Rente. Und wer jetzt arbeitet und in die Rente einzahlt, würde nach dem CDU-Vorschlag später weniger Geld bekommen.“ Der Entschluss des SPD-Abgeordneten steht: „Das mache ich nicht mit!“

Die Junge Gruppe der Unionsfraktion kritisiert mit Blick auf das Vorhaben: Eine Stabilisierung des Rentenniveaus würde jüngere Generationen zu stark belasten. In der SPD sieht man das anders: „Das Gegenteil ist der Fall: Der Vorschlag der Jungen Gruppe der CDU/CSU schadet den jungen Menschen und führt dazu, dass sie im Alter weniger Rente bekommen werden“, erklärt Rützel gegenüber unserer Redaktion. „Auch die junge Generation muss sich auf ein ordentliches Rentenniveau verlassen können, wenn sie einmal in Rente geht. Alles andere wäre nicht fair.“

Unions-Abgeordnete: Bas’ Renten-Plan gehe über den Koalitionsvertrag hinaus

Merz hatte sich in der Debatte zunächst verständnisvoll über die Kritik der Unions-Abgeordneten geäußert. Später berichtete jedoch die Bild-Zeitung: Der Kanzler sehe das Renten-Paket im Einklang mit den im Koalitionsvertrag festgehaltenen Vorhaben. Damit scheint auch Merz an dem Paket in jetziger Form festhalten zu wollen. Hört man der Jungen Gruppe zu, dürfte kein Kompromiss jedoch auch keine Lösung sein, denn: Auf die Stimmen der 18 Abgeordneten ist die Regierung angewiesen. SPD und CDU/CSU haben im Bundestag nur eine knappe Mehrheit von zwölf Stimmen – somit reichen die Abgeordneten der Jungen Gruppe aus, um das Vorhaben zu blockieren.

Der Vorsitzende, Pascal Reddig (CDU), erklärt gegenüber unserer Redaktion, dass die Junge Gruppe weiter fest zum Koalitionsvertrag stehe. Dieser lässt jedoch Spielraum für Interpretation, wie auch die offenbar unterschiedlichen Auslegungen von SPD und Teilen der Union zeigen. Nach Ansicht des CDU-Abgeordneten sei dort zwar die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis 2031 festgehalten worden, zu der auch die Junge Gruppe stehe; nicht jedoch eine dauerhafte Erhöhung des Rentenniveaus und damit „die dauerhaften Folgekosten von bis zu 15 Milliarden jährlich nach 2031“, führt Reddig aus.

Junge Gruppe der Union fordert Anpassung im Renten-Paket – Verlass auf Kanzler Merz?

Vor diesem Hintergrund fordert der Vorsitzende der Gruppe: „Hier braucht es dringend Anpassungen am Gesetzentwurf. Daran hat sich nichts geändert.“ Nicht nur die Junge Gruppe der Unionsfraktion stehe geschlossen hinter der Ablehnung des Pakets in der jetzigen Fassung: Die Forderungen würden in der CDU/CSU-Fraktion „weit darüber hinaus“ geteilt, erklärt der CDU-Politiker.

In Richtung Merz äußert Reddig: „Der Kanzler hat erklärt, das Thema zur Chefsache zu machen. Darauf verlassen wir uns.“ Ein Satz, der wohl nicht nur als Vertrauensbekundung, sondern auch als Forderung mit Nachdruck verstanden werden kann. Obgleich die von den jungen Unionsabgeordneten kritisierte Passage SPD-Handschrift trägt, haben auch Teile der Union wohl kein Interesse daran, dass das Paket noch einmal aufgeschnürt wird: Die darin enthaltene Mütterrente etwa ist ein Wunsch der CSU und auch die Aktivrente ist in erster Linie Anliegen der Union.

Renten-Paket der Regierung Merz: Ein Satz mit Sprengkraft – Bas lehnt Änderung ab

Doch am Streit um das Renten-Paket könnte mehr hängen, wie etwa Dagmar Rosenfeld, Co-Herausgeberin von The Pioneer, und Robin Alexander aus der Welt-Chefredaktion im Podcast „Machtwechsel“ analysieren. Von einem sich anbahnenden Grundsatz-Konflikt ist die Rede. Im Gesetzentwurf von Arbeitsministerin Bärbel Bas heißt es: „Auch nach 2031 liegt das Rentenniveau um rund einen Prozentpunkt höher als im geltenden Recht“ – eine Passage und ein damit einhergehender Streit mit Sprengkraft.

Niemand in der Union habe sachliche Argumente für den im Kabinettsbeschluss festgeschrieben Satz zur Haltelinie vorzutragen – niemand stehe hinter dem Vorhaben, erklärte Robin Alexander in der Talkrunde „Maybrit Illner“ am Donnerstagabend. Und: Im Raum stehe nun die Frage: Haben die Unions-Spitzen mit Blick auf den Beschluss ein Veto verschlafen?

Arbeitsministerin Bas jedenfalls verweist auf Transparenz in den Verhandlungen und lehnt Änderungen an ihrem Entwurf ab: „Allen, die bei den Koalitionsverhandlungen am Tisch saßen, war klar, dass die Haltelinie bei 48 Prozent genau so auch im Gesetz stehen wird, wie wir es jetzt gemacht haben“, sagte sie dem Stern. „Ich habe niemandem etwas untergejubelt und niemanden in die Irre geführt.“

Wo steht Merz im Renten-Streit? Kanzler spricht vor der Jungen Union

Auf beiden Seiten will man im Streit um das Renten-Paket nicht einknicken – und sowohl die SPD als auch die Junge Gruppe der Unionsfraktion scheinen den Kanzler auf ihrer Seite zu wähnen; oder ihn jedenfalls an die Erwartungen aus den eigenen Reihen erinnern zu wollen: „Wir vertrauen da auch auf die Fraktionsführung, auf den Bundeskanzler“, sagte der SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf am Donnerstag in der Sendung „Frühstart“ von RTL/ntv mit Blick auf Unionsfraktionschef Jens Spahn und Merz. Man habe klare Signale, dass das Paket mit den vereinbarten Elementen wie Aktivrente, Haltelinie, Rentenniveau und Mütterrente auch so beschlossen werde.

Doch in der CDU/CSU-Fraktion brodelt es. Und damit sind nun wohl Spahn und Merz gefragt: Die Abgeordneten aus den eigenen Reihen an Bord holen oder den Koalitionspartner zum Nachjustieren bewegen. Und die Uhr tickt: „Wir wollen dieses Rentenpaket im November im Deutschen Bundestag endlich auf den Weg bringen, über die Ziellinie bringen“, stellte Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese Ende Oktober gegenüber RTL/ntv in Aussicht. Wo der Kanzler in dem Streit steht, könnte sich bereits am Samstag zeigen. Merz wird am Nachmittag auf dem Deutschlandtag der Jungen Union sprechen – mit anschließender Diskussion. (Eigene Recherche, dpa, Welt, ntv) (pav)

Rubriklistenbild: © IMAGO / dts Nachrichtenagentur, IMAGO / dts Nachrichtenagentur

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