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Iran-Krieg: Trump redet von Erfolg – doch Teherans Drohnen treffen US-Militär ins Mark
Donald Trumps Iran-Krieg zieht sich, der US-Präsident verspricht schnelle Erfolge. Doch in der Realität geraten US-Stützpunkte ins Visier. Die Verluste steigen.
Mehr als einen Monat nach Beginn des Krieges gegen den Iran trat Donald Trump am Mittwochabend vor die Kameras des Weißen Hauses, um der amerikanischen Öffentlichkeit zu erklären, warum der Konflikt die gegenwärtigen Entbehrungen wert sei. In einer 19-minütigen Rede bezeichnete er die Militäraktion als großen Erfolg: Irans Raketen- und Drohnensysteme seien „dramatisch eingeschränkt “, Waffenfabriken und Raketenabschussrampen würden „in Stücke gerissen“. Der US-Präsident schätzte, der Iran-Krieg werde innerhalb von drei Wochen enden. Einen klaren Weg dorthin nannte er nicht.
Die Realität auf den Stützpunkten rund um den Persischen Golf zeichnet allerdings ein vielschichtigeres Bild. Kurz vor Trumps Rede hatte Verteidigungsminister Pete Hegseth im Pentagon verkündet, die USA flögen erstmals seit Kriegsbeginn B-52-Bomber direkt über iranischem Territorium. Doch just in jenen Tagen wurde auch das Ausmaß der Schäden sichtbar, die der Iran den Amerikanern in der Region zugefügt hat. Nur vier Tage zuvor, am 27. März, hatten Drohnen und Raketen die Prince-Sultan-Airbase in Saudi-Arabien getroffen – und dabei eines der wertvollsten Aufklärungsflugzeuge der US-Luftwaffe zerstört. Bilder vom Angriff zeigen einen präzisen Treffer auf die Radarkuppel nahe dem Heck des Flugzeugs.
Iran-Krieg: Widersprüche über Lufthoheit? Trump kämpft mit Verlusten
Und so zeigen sich knapp fünf Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs vielmehr Widersprüche: Washington behauptet die Lufthoheit über iranischem Territorium, doch auf den US-Stützpunkten rund um den Persischen Golf häufen sich Schäden, Verluste und strategische Rückschläge für Donald Trump. Der Konflikt, der von der US-Regierung als kontrollierter Feldzug dargestellt wird, offenbart zugleich strukturelle Schwächen des amerikanischen Militärapparats.
Hegseth räumte im Zusammenhang mit der Ankündigung der B-52-Bomber ein, dass der Iran trotz Verlusten dennoch die Fähigkeit behalte, mit Raketen und Drohnen gegen Nachbarstaaten zurückzuschlagen. „Sie werden Raketen abfeuern; wir werden sie abschießen“, sagte er neben General Dan Caine, dem Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs, bei einer öffentlichen Lageeinschätzung laut New York Times. Die Entscheidung, die schwerfälligen B-52-Bomber direkt über dem Iran zu fliegen, gilt als Signal für die Überzeugung des Militärs, Irans Luftabwehr weitgehend ausgeschaltet zu haben.
Israel und USA attackieren Mullah-Regime – Bilder aus dem Iran-Krieg
Doch die Bilanz der vergangenen Wochen erzählt eine komplexere Geschichte. Laut einem Bericht der Times hat die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) in den ersten fünf Kriegswochen an den meisten der 13 US-Stützpunkte in der Region erhebliche Schäden angerichtet – trotz des Einsatzes teuerster amerikanischer Abwehrsysteme. Die Gesamtkosten der Zerstörungen werden auf knapp 1,5 Milliarden Dollar geschätzt. Mehr als 300 US-Soldaten wurden verletzt, 13 getötet – darunter sechs, die bei einer Kollision zweier KC-135-Tankflugzeuge ums Leben kamen.
Verluste im Iran-Krieg: Trumps Truppen verlieren wertvolles Flugzeug
Besonders ins Gewicht fällt der Angriff auf die Prince-Sultan-Airbase, rund 60 Kilometer südlich von Riad. Dabei wurde ein E-3 Sentry AWACS-Aufklärungsflugzeug direkt getroffen und zerstört. Das Flugzeug, das bis zu 600 Ziele gleichzeitig verfolgen kann und als Augen und Ohren für Kampfpiloten gilt, hatte einen Wert von rund 300 Millionen Dollar.
Heather Penney, ehemalige F-16-Pilotin und Forschungsdirektorin am Mitchell Institute for Aerospace Studies, beschrieb den Verlust gegenüber der Air and Space Forces Association als gravierend: „Der Verlust dieser E-3 ist unglaublich problematisch, wenn man bedenkt, wie wichtig diese Gefechtsführungsflugzeuge für alles sind, von der Luftraum- und Flugzeugkonfliktvermeidung über die Zielerfassung bis hin zur Bereitstellung anderer tödlicher Effekte, die die gesamte Streitkraft für das Gefechtsfeld benötigt.“
Wie das AWACS-Flugzeug so präzise getroffen werden konnte, ist Gegenstand gegenwärtiger Sorgen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, ukrainische Geheimdienste hätten Hinweise darauf, dass ein russischer Spionagesatellit die Basis am 20., 23. und 25. März fotografiert habe – kurz vor dem Angriff. „Wir wissen, dass sie sich vorbereiten, wenn sie einmal Bilder veröffentlichen. Wenn sie ein zweites Mal Bilder veröffentlichen, ist das wie eine Simulation. Das dritte Mal bedeutet, dass sie in ein oder zwei Tagen angreifen werden“, sagte Selenskyj laut Guardian. Russland bestreitet, dem Iran Geheimdienstinformationen zu liefern. Außenminister Sergei Lawrow wies entsprechende Berichte zurück.
Trump im Dilemma: Iran-Krieg offenbart Drohnenproblem
Trumps gegenwärtiges Drohnenproblem zieht sich derweil in allen Facetten des Iran-Kriegs. Die Shahed-Kamikaze-Drohne der Iraner mit einem 50-Kilogramm-Sprengkopf fliegt tief, und schnell und hat wiederholt die amerikanischen Abwehrsysteme umgangen. Russland liefert der IRGC inzwischen auch aufgerüstete Varianten mit größeren Sprengköpfen. Laut Times steuert der Kreml zudem genaue Standortkoordinaten der US-Flugzeuge auf den Stützpunkten bei. Ein ehemaliger hochrangiger US-Verteidigungsbeamter übte scharfe Kritik: „Das Versäumnis des Verteidigungsministeriums, die Lehren aus dem Krieg in der Ukraine angemessen zu berücksichtigen, anstatt sie nur zu studieren, insbesondere die Drohnenabwehr, ist ein parteiübergreifendes Versagen, das sich über zwei Regierungen erstreckt.“
Weitere Stützpunkte wurden im Kontext des Iran-Kriegs schwer getroffen: In Katar wurde ein Langstrecken-Radarsystem zerstört. Der Hauptsitz der US-Fünften Flotte in Bahrain erlitt Schäden an Radar- und Kommunikationsausrüstung. In Kuwait wurden bei einem Drohnenangriff auf einen Logistikstützpunkt nahe Camp Arifjan sechs US-Soldaten getötet. Neun MQ-9-Reaper-Drohnen wurden zerstört, die meisten davon über dem Iran.
Aktuelle Lage im Iran-Krieg: Trump sieht Ziele „sehr bald“ erreicht
Vor diesem Hintergrund wandte sich Präsident Trump am Mittwochabend in einer 19-minütigen Rede aus dem Weißen Haus an die Nation. Er bezeichnete die Militäraktion als großen Erfolg und schätzte, der Krieg werde innerhalb von drei Wochen zu Ende gehen. „Wir sind auf Kurs, alle militärischen Ziele Amerikas in Kürze, sehr bald, zu erreichen“, sagte Trump. Gleichzeitig schwankte er zwischen der Ankündigung von Verhandlungen und der Androhung weiterer Eskalation. Teheran erklärte, es gebe keine direkten Gespräche mit Washington. Irans Außenminister Abbas Araghchi teilte mit, der Iran habe auf einen 15-Punkte-Vorschlag der USA nicht reagiert und auch keinen eigenen eingereicht.
Experten mahnen zur Vorsicht bei allzu optimistischen Lageeinschätzungen. Air Marshal Martin Sampson, ehemaliger britischer Verteidigungsberater für den Nahen Osten, warnte: „Ein staatlicher Gegner kämpft sowohl symmetrisch als auch asymmetrisch. Der Iran verfügt über weitere Machtebenen, die er einsetzen kann.“ Gleichzeitig relativierte er Befürchtungen einer militärischen Überdehnung: „Das US-Militär ist darauf ausgelegt, seine Grenzen auszuloten. Doch der Druck, den Trump auf die Rüstungsindustrie ausübt, zeigt, dass er erkennt, dass man zwar operativ an seine Grenzen gehen und erfolgreich sein kann, die Welt aber auch darauf angewiesen ist, dass die USA bereit sind, ihre globale Präsenz zu verteidigen und zu unterstützen.“
Unterdessen steigen die humanitären und wirtschaftlichen Kosten des Iran-Kriegs. Ein Bericht des UN-Entwicklungsprogramms warnte, der Krieg könnte vier Millionen weitere Menschen in der arabischen Welt in die Armut treiben und bis zu sechs Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung kosten. Der Benzinpreis in den USA überstieg erstmals seit 2022 die Marke von vier Dollar pro Gallone. (Quellen: Times, Guardian, New York Times, dpa, afp) (fbu)