EDIP-Programm

EU reduziert Trump-Abhängigkeit: Neues Programm soll Russland abschrecken

Um sich gegen autoritäre Regime wie Putins Russland wehren zu können, hat die EU ein neues Vorhaben beschlossen. Eine große Schwachstelle bleibt.

Brüssel – Die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen haben in einem wesentlichen Punkt Klarheit verschafft: Europa spielt als sicherheitspolitischer Akteur auf der Weltbühne eine untergeordnete Rolle. Und weil sich die USA unter Präsident Donald Trump immer weiter als Verbündeter zurückziehen – wie zuletzt die neue US-Sicherheitsstrategie belegte –, müssen die europäischen Staaten ihre militärische Stärke ausbauen, um autoritäre Regime wie das imperialistische Russland unter Staatschef Wladimir Putin glaubhaft abzuschrecken. Darüber sind sich die meisten Expertinnen und Experten einig.

Der Challenger 3 – ein neuer Turm und eine neue Kanone, hier als Prototyp in der Werkshalle von Rheinmetall BAE Systems Land (RBSL), einem deutsch-britischen Joint Venture. 2027 soll die Waffe in die Truppe eingeführt werden, 2030 stehen dann voraussichtlich alle geplanten 148 Challenger 3 im Dienst.

Das Problem: Rüstungspolitisch ist Europa ein Flickenteppich. Die europäischen Armeen leisten sich rund 150 verschiedene Waffensysteme – das sind fast sechsmal so viele wie in den USA. Ökonomen und verantwortliche Politiker sind sich einig: Die Rüstungspolitik in Europa verschwendet viel Geld und Potenzial.

EU rüstet sich gegen Putin – und beschließt erstes Verteidigungsprogramm

So sieht es auch der EU-Abgeordnete Tobias Cremer (SPD). Der gemeinsame Verteidigungsbereich in Europa sei „zu unkoordiniert und bürokratisch, was dazu führt, dass unser Steuergeld ineffizient ausgeben wird. Hier müssen wir deshalb stärker auf eine gemeinsame und koordinierte Beschaffung setzen“, sagte das Mitglied im EU-Verteidigungsausschuss der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Seine Hoffnungen beruhen unter anderem auf dem EDIP-Programm.

Dabei handelt es sich um das erste Programm für die europäische Verteidigungsindustrie. Mit der Initiative will die EU die Verteidigungsindustrie in der Europäischen Union stärken und die gemeinsame Beschaffung von Rüstungsgütern fördern. Mit der neuen Verordnung, die bereits informell zwischen dem Europäischen Parlament und dem Rat vereinbart wurde, will die EU die europaweite Produktion ankurbeln und die technologische Basis der europäischen Verteidigung stärken.

Deutschland nicht in den Top 3: Die Nato-Länder mit den größten Truppenstärken

Nato-Übung „Arctic Defender 2024“
Die Nato ist das größte militärische Verteidigungsbündnis der Welt. Der Nordatlantikpakt („North Atlantic Treaty Organization“) soll die territoriale Souveränität der Mitgliedsstaaten sichern und im Kriegsfall verteidigen. Dafür gibt es die Beistandsklausel im Gründungsvertrag der Nato. Die Truppenstärke aller Nato-Länder zusammengerechnet umfasste 2025 nach vorläufigen Zahlen rund 3,4 Millionen Soldaten und Soldatinnen.  © Kay Nietfeld/dpa
US-Armee Nato
Dem „Global Firepower Index“ zufolge stellen die USA mit rund 1,328 Millionen Soldatinnen und Soldaten die größte Nato-Truppe. Im Kampfeinsatz vertraut die US-Armee auch auf den Chinook-Hubschrauber. Der CH-47 ist bekannt für seine Fähigkeit, schweres Material und Personal in unwegsames Gelände zu transportieren. Im Bild ist eine gemeinsame Übung von Südkorea und den USA in Yeoncheon zu sehen. © Jung Yeon-Je/AFP
Militär Türkei
Das zweitgrößte Militär der Nato-Mitgliedstaaten kommt aus der Türkei (Truppenstärke: 355.200). Die Armee gilt als eine der stärksten der Welt. Anhand von mehr als 60 Einzelfaktoren analysieren die Fachleute von „Global Firepower Index“ die militärische Gesamtstärke der Armeen. Türkei, die seit 1952 Mitglied der Nato ist, belegt hier unter 145 Armeen den neunten Platz. © Tunahan Turhan/Imago
Polnische Armee
In der Nato-Rangliste der Truppenstärke liegt Polen auf Platz drei. Die polnischen Streitkräfte verfügen über 202.100 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte sind seit 2010 eine Berufsarmee und gliedern sich wie folgt: Heer, Marine, Luftwaffe, Spezialkräfte, Territorialverteidigung (Freiwilligenmiliz). © Radek Pietruszka/dpa
Frankreich Macron
Platz vier in der Nato-Rangliste belegt Frankreich (Truppenstärke: 200.000). Frankreich ist seit dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs die einzige Atommacht in der Europäischen Union. Der französische Staatspräsident ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und die einzige Person, die einen nuklearen Angriff befehlen kann. Hier hält Präsident Emmanuel Macron (Mitte) eine Rede vor zwei Kampfjets vom Typ Dassault Mirage 2000 (links) und vom Typ Dassault Rafale (rechts). © Ludovic Marin/AFP
Britische Armee bei einer Übung in Finnland
Die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs gliedern sich in drei Teilstreitkräfte und umfassen ungefähr 184.860 Soldatinnen und Soldaten. Bei einer Übung in der Nähe von Rovaniemi am Polarkreis testet die Armee hier die mobile Haubitze Archer.  © Ben Birchall/dpa
Pistorius-Besuch in Litauen
Auf Platz sechs in der Nato-Rangliste liegt die Bundesrepublik Deutschland. Die Bundeswehr umfasst das Heer, die Luftwaffe, die Marine, den Cyber- und Informationsraum, sowie den Unterstützungsbereich. Aktuell gibt es rund 181.600 aktive Soldatinnen und Soldaten in Uniform. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD, rechts) erlebt die Fähigkeiten eines Leopard-2-Panzers auch schon mal aus nächster Nähe. © Alexander Welscher/dpa
Tag der italienischen Streitkräfte 2021
Die italienische Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori“ fliegt am Tag der italienischen Streitkräfte über das Denkmal des Unbekannten Soldaten hinweg. Mit einer Truppenstärke von 165.500 Soldatinnen und Soldaten belegt Italien in der Nato-Rangliste den siebten Platz.  © Giuseppe Lami/dpa
Griechenland Militär
Kampfjets, Kriegsschiffe, Drohnenabwehrsysteme: Griechenland rüstet auf. Die Regierung will Milliarden investieren, um ihr Militär stärker zu machen als je zuvor. Aktuell verfügen die griechischen Streitkräfte (hier bei einer Militärparade in Athen) über eine Truppenstärke von 142.700 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Kostas Galanis/Imago
Luftlandeübung Swift Response
Noch eine weitere Armee der Nato verfügt über mehr als 100.000 aktive Soldatinnen und Soldaten: Spanien (Truppenstärke: 133.282). Allerdings ist das Land weit davon entfernt, das Zwei-Prozent-Ziel der Nato zu erreichen: Mit knapp 1,3 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ist Spanien sogar Schlusslicht in der Nato.  © Kay Nietfeld/dpa
Air Police Übung der Nato in Rumänien
Ein Kampfflugzeug vom Typ F-16 der rumänischen Luftwaffe steht auf dem rumänischen Luftwaffenstützpunkt in Borcea. Rumänien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz zehn (Truppenstärke: 81.300).  © Kathrin Lauer/dpa
Kanada - Snowbirds bei Flugtag
Kanada verfügt über rund 68.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. In Canadian Army, Royal Canadian Navy und Royal Canadian Air Force dienen nur Freiwillige. Die Kunstflugstaffel der Air Force ist unter dem Namen „Snowbirds“ bekannt. Die Schneevögel sind ein Symbol Kanadas. © Patrick Doyle/dpa
Ungarn Militär
Die H225M Caracal ist ein taktischer Mehrzweck- und Transporthubschrauber mit großer Reichweite. Benutzt wird er unter anderem von Ungarn (Truppenstärke: 41.600).  © Sergey Kohl/Imago
Abschluss der Nato-Übung Quadriga 2024
Niederländische Kräfte nehmen an der Quadriga-Übung 2024 teil. Die Niederlande liegt auf Platz 13 der Nato-Rangliste (Truppenstärke: 41.380). Die Regierung will die Stärke der nationalen Streitkräfte allerdings deutlich erhöhen. © Kay Nietfeld/dpa
Bulgarien Militär
Seit 2004 ist Bulgarien Nato-Mitglied. Die bulgarischen Streitkräfte bestehen aus den Teilstreitkräften Heer, Marine, Luftstreitkräfte. Derzeit umfasst das Militär in Bulgarien etwa 37.000 Frauen und Männern. © Vassil Donev/dpa
Kriegsende-Gedenken - Tschechien
Flugzeuge hinterlassen am Himmel farbige Spuren in den Nationalfarben Tschechiens anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges über Nazi-Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Tschechien verfügt über 28.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Kamaryt Michal/dpa
Belgische Kronprinzessin schwitzt beim Militär-Sommercamp
Die Streitkräfte aus Belgien untergliedern sich in Heer, Marine, Luftstreitkräfte und medizinisches Korps. Es gibt rein niederländisch- und rein französischsprachige Einheiten. Im Jahr 2022 trainierte auch die belgische Kronprinzessin Elisabeth (2. von rechts) in einem Bootcamp der Königlichen Militärschule ihre Führungsqualitäten. Belgien liegt in der Nato-Rangliste auf Platz 16 (Truppenstärke: 25.000). © Erwin Ceupp/dpa
Schwedische Nato-Truppen in Lettland stationiert
Die schwedischen Streitkräfte bestehen aus den vier Teilstreitkräften: Heer, Marine, Luftstreitkräfte, Heimwehr. Seit dem 7. März 2024 ist Schweden (Truppenstärke: 24.400) das 32. Mitglied der Nato. © Alexander Welscher/dpa
80. Jahrestag der Schlacht von Arnheim
Fallschirmjäger aus acht Nato-Mitgliedsländern (Deutschland, Griechenland, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien, Vereinigtes Königreich und USA) springen hier zum Gedenken an den Jahrestag der Schlacht von Arnheim auf der Ginkelschen Heide ab. Portugals Truppenstärke beträgt 24.000 Frauen und Männer.  © Ben Birchall/dpa
Raketensschiff Pori der finnischen Marine
Das Raketensschiff Pori der finnischen Marine bricht vom Suomenlinna-Pier in Helsinki zur Nato-Operation „Enhanced Vigilance Activity“ in der Ostsee auf. Auch Finnland verfügt über 24.000 aktiven Soldatinnen und Soldaten. © Vesa Moilanen/dpa
Militärübung „Nordic Response“ in Norwegen
Norwegische Soldaten sitzen während der Militärübung „Nordic Response 24“ auf Schneemobilen. Die Streitkräfte bestehen aus dem Heer, der Marine, der Luftwaffe und der milizartig organisierten Heimwehr. Mit einer Truppenstärke von 23.250 Frauen und Männer belegt Norwegen Platz 20 in der Nato-Rangliste. © Jouni Porsanger/dpa
Deutsche Brigade in Litauen
Litauische Soldaten legen nach einem Schießtraining bei Rudninkai in dem Areal, wo die deutsche Brigade in Litauen stationiert werden soll, eine Pause ein. Die Truppenstärke von Litauen beträgt 23.000 Frauen und Männer. © Kay Nietfeld/dpa
The Royal Life Guards
Rekruten der Royal Life Guards aus Dänemark überqueren auf dem Truppenübungsplatz Kulsbjerg bei Vordingborg das Wasser. Dänemarks Militär verfügt derzeit über etwa 20.000 aktive Soldatinnen und Soldaten. © Mads Claus Rasmussen/Imago
Luftwaffe bildet slowakische Soldaten an Flugabwehrsystem aus
Slowakische Soldaten trainieren an einem Flugabwehrsystem. Seit 2004 ist die Slowakei Mitglied der Nato. Die Truppenstärke des Militärs beträgt 19.500 Frauen und Männer. © Marcus Brandt/dpa
Lettland Militär Parade
imago80894560.jpg © Victor Lisitsyn/Imago
Militärmanöver in Kroatien
Kroatien verfügt über 14.325 aktive Soldatinnen und Soldaten. Die Streitkräfte werden umgangssprachlich meist als „Hrvatska vojska“ (Kroatische Armee) bezeichnet. Kroatien ist seit April 2009 Mitglied der Nato. © dpa
Mazedonien Namensänderung
Die Armee der Republik Nordmazedonien (Truppenstärke: 9000) gliedert sich in ein Heer mit angeschlossenen Luftstreitkräften (Heeresflieger). Aufgrund der Binnenlage des Landes gibt es keine eigenständige Marine.  © Dragan Perkovksi/dpa
Kaja Kallas
Am 15. Mai 2024 besuchte die damalige estnische Premierministerin Kaja Kallas die gemeinsame Übung „Spring Storm“ der estnischen Streitkräfte (Truppenstärke: 7700) und der alliierten Nato-Streitkräfte in Pärnu. © Jussi Nukari/Imago
Slowenien
Sloweniens Truppenstärke beträgt 7300 Frauen und Männer. Die Streitkräfte unterstehen dem Verteidigungsministerium. Die für den Schutz der 46 Kilometer langen Adriaküste zuständige Marine und die Luftstreitkräfte sind keine selbständigen Teilstreitkräfte. © Zeljko Stevanic/Imago
Albanien
Seit 2010 hat Albanien eine Berufsarmee. Sie besteht derzeit aus 6600 aktiven Soldatinnen und Soldaten. Das Joint Force Command bildet ein Hauptquartier, dem die drei Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine unterstehen. © Imago
Montenegro
Die seit 2006 aufgebauten Streitkräfte von Montenegro umfassen 2350 Frauen und Männer und gelten heute als eine funktionierende Kleinarmee in Europa. Montenegro ist seit Juni 2017 Mitglied der Nato. © Imago
Luxwemburg
Die Armee Luxemburgs umfasst die Streitkräfte des Großherzogtums Luxemburg. Sie besitzt eine leichtbewaffnete, Freiwilligenarmee (Truppenstärke: 1000). Die luxemburgische Armee ist in ein Infanteriebataillon mit zwei Aufklärungskompanien gegliedert. Mit einer dieser beiden Kompanien beteiligt sich Luxemburg am Eurokorps. © Berit Kessler7Imago
Eurofighter über Island. (Archivbild)
Ein Eurofighter fliegt bei der Übung „Rapid Viking 2023“ über Island. Der hohe Norden gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Nato-Mitglied Island selbst verfügt über keine eigene Armee. © Britta Pedersen

„Das Programm soll nachhaltig Wirkung zeigen, als Bezugspunkt für künftige Initiativen dienen und die Art und Weise prägen, wie die europäische Zusammenarbeit in der Verteidigungsproduktion über 2027 hinaus organisiert wird“, teilte Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), Vorsitzende des EU-Sicherheitsausschusses, mit. Für das Programm stehen 1,5 Milliarden Euro bereit – 300 Millionen Euro sollen davon als Unterstützung an die Ukraine fließen.

Die EU-Parlamentarier sprachen sich dafür aus, dass europäische Produkte prinzipiell vorrangig gekauft werden sollen. Mit dem EDIP-Programm werden nur Verteidigungsgüter finanziert, wenn die Kosten der dafür verwendeten Teile aus nicht assoziierten Drittstaaten höchstens 35 Prozent der geschätzten Kosten aller Komponenten ausmachen.

Lange Zeit hatte bei den Verhandlungen über EDIP Unklarheit darüber geherrscht, ob europäische Rüstungskonzerne bevorzugt werden sollen oder nicht. Einige Mitgliedsstaaten wollten Produkte auch außerhalb der Europäischen Union kaufen – insbesondere in den USA. Derzeit bezieht die EU mehr als 60 Prozent seiner Waffen von Nichtmitgliedsstaaten, den Großteil aus den USA, berichtete die Nachrichtenagentur dpa.

Neues EU-Programm unterstützt Ukraine

Wegen des in der Krise steckenden transatlantischen Verhältnisses will sich die EU mithilfe des EDIP-Programms unabhängiger von der US-Verteidigungsindustrie machen. „Nach Jahrzehnten gefährlicher Abhängigkeiten, die die Souveränität unserer Demokratien und den Schutz unserer Länder bedrohten, wird das EDIP-Programm die vorherrschende Importabhängigkeit der EU umkehren“, teilte François-Xavier Bellamy (EVP, Frankreich), Berichterstatter des Ausschusses für Industrie, Forschung und Energie, mit.

Durch das neue EDIP-Programm werden nur Vorhaben gefördert, an denen mindestens vier EU-Mitgliedsstaaten beteiligt sind. Auch die Ukraine kann beteiligt sein. Zudem beinhaltet das Programm ein Instrument zur Unterstützung der Ukraine. Es soll dazu beitragen, die ukrainische Verteidigungsindustrie zu modernisieren und die Integration zwischen der ukrainischen und der europäischen Verteidigungsindustrie zu erleichtern. „Das ist entscheidend, um unsere Demokratien wirksam und autonom schützen zu können“, sagte der Franzose Raphaël Glucksmann, Mitglied der sozialdemokratischen S&D-Fraktion im Europaparlament.

Auch der EU-Abgeordnete David McAllister (CDU) hatte sich bereits im Sommer gegenüber der Frankfurter Rundschau für mehr gemeinsame europäische Rüstungsprojekte ausgesprochen. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses forderte die Harmonisierung von Genehmigungsverfahren, Regulierungen und intereuropäischen Transfer.

Mit den bisherigen gemeinsamen Rüstungsprojekten konnten sich die europäischen Staaten selten rühmen. Das bekannteste und teuerste Beispiel ist FCAS – das Kampfflugzeug der Zukunft. Seit acht Jahren arbeiten Deutsche, Franzosen und Spanier an dem Flieger. Immer wieder gibt es grundlegende Konflikte, mittlerweile steht das Mammutprojekt auf der Kippe. Die Akteure geben sich gegenseitig die Schuld an der gemeinsamen Erfolgslosigkeit. Frankreichs Rüstungskonzern Dassault verlange zu oft die Federführung, sagen die einen. Airbus Deutschland und Airbus Spanien arbeitete zu langsam, sagen die anderen.

Problematisch ist, dass Frankreich noch ein nationales Konkurrenzprodukt im Einsatz hat: das Rafale-Kampfflugzeug. Vor wenigen Wochen gaben der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und der französische Staatschef Emmanuel Macron bekannt, dass die Ukraine 100 Rafale-Jets kaufen will, um ihre Luftwaffe auszurüsten.

Deutschland bestellte F35-Kampfflugzeuge in den USA

Und auch die deutsche Bundesregierung tut nicht alles für den Erfolg des gemeinsamen Projekts: Vor wenigen Monaten bestellte Deutschland 35 Kampfflugzeuge vom Typ F35 in den USA. Zudem steckt das größte Marine-Projekt in der Bundeswehr-Geschichte tief in der Krise, berichtete die Tagesschau. Das moderne Kriegsschiff namens „Fregatte 126“ könne als europäisches Projekt scheitern. Der niederländische Auftragnehmer sei in Schwierigkeiten, die französische Software nicht kompatibel, und deutsche Unterauftragnehmer befänden sich in Wartestellung. Allerdings gibt es auch positive Beispiele europäischer Kooperation wie den Eurofighter.

Ein grundlegendes Problem in der europäischen Verteidigungsindustrie wird das neue EDIP-Programm wohl nicht so schnell lösen: Im Europaparlament kritisieren Politikerinnen und Politiker parteiübergreifend die stark vorhandenen nationalen Egoismen bei der Beschaffungspolitik. EU-Mitglieder wollen nach wie vor Rüstungsaufträge an heimische Unternehmen vergeben. Das kritisierte auch McAllister gegenüber unserer Redaktion: „Europa muss die Fragmentierung nationaler Planungs- und Beschaffungsprozesse für Rüstungsgüter endlich überwinden.“

Die EDIP-Verordnung wurde im Parlament mit 457 zu 148 Stimmen bei 33 Enthaltungen angenommen. Sie muss nun auch von den Mitgliedstaaten förmlich gebilligt werden. (Quellen: Pressedienst Europäisches Parlament, Pressedienst Europäische Kommission, Nachrichtenagentur dpa, Tagesschau, eigene Recherche) (Jan-Frederik Wendt)

Rubriklistenbild: © dpa/PA/Peter Byrne

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