450 geplante Aktionen
Fridays for Future: Experten kritisieren deutsche Klimapolitik
Die Bundestagswahl steht an, doch vielen Beobachtern kam der Klimaschutz im Wahlkampf zu kurz. Sie sind sicher: Jetzt muss gehandelt werden, sonst ist es zu spät.
Berlin – Handelt Deutschland zu verhalten bei der Klimapolitik? Dieser Auffassung sind jedenfalls mehrere Experten. Unter anderem hat die Wirtschaftsweise Veronika Grimm kurz vor der kommenden Bundestagswahl Stellung bezogen. „Wir diskutieren in Deutschland im Wahlkampf leider oft sehr national und kleinteilig, damit sind wir nicht auf dem richtigen Weg unterwegs“, sagte sie im Gespräch mit der „Augsburger Allgemeinen“ am Freitag. Es wäre kontraproduktiv, Deutschland klimaneutral zu machen, wenn gleichzeitig Unternehmen abwandern würden, so die Wirtschaftsexpertin. Die Innovationskraft würde nur sinken und die Emissionen in andere Länder verlagert werden. Aus diesem Grund sei ein globales Handeln notwendig.
| Globale Bewegung: | Fridays for Future |
| Gründerin: | Greta Thunberg |
| Gründung: | 20. August 2018 |
| Ziele: | schnelle und effiziente Klimaschutz-Maßnahmen |
Klimaschutz: Expertin warnt vor teuren Wetterereignissen
Auch aus dem Nachbarland kommt Kritik: Die französische Klimaexpertin Laurence Tubiana verwies auf die hohen finanziellen Folgen, die eine zögerliche Klimapolitik für die Gesellschaft haben könnte. 2021 sei für Naturkatastrophenversicherungen das teuerste seit dem Atomunglück in Fukushima gewesen. Die Geschäftsführerin der European Climate Foundation war sich zudem sicher, dass sie für deutsche Versicherer das teuerste Jahr seit langem erwarte – besonders angesichts von Extremwetterereignissen wie der Flut in diesem Sommer.
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Keinen Klimaschutz zu betreiben, könne das Land viel teurer zu stehen kommen, als in den Klimaschutz zu investieren, so die Expertin, die 2015 als Klimabotschafterin und Sonderbeauftragte Frankreichs maßgeblich an der Gestaltung des Pariser Klimaschutzabkommens beteiligt war. Das finanzielle Risiko, das der Klimawandel darstelle, sei „ein wirtschaftlicher Albtraum“. Im Vergleich erschienen Investitionen in die Zukunft wie ein „Kinderspiel“, sagte Tubiana weiter.
Klimastreik: Letzter Protest fand am 19. März 2021 statt
Um auf die verfehlte Klimapolitik auf der Welt aufmerksam zu machen, findet zum achten Mal ein weltweiter Klimaprotest der Aktivisten von Fridays for Future statt. Insgesamt sollen mindestens 1400 Klimastreiks und Aktionen in mehr als 80 Ländern stattfinden. Allein in Deutschland seien mehr als 450 Aktionen angemeldet, hieß es. In Großbritannien blockierten Umweltschützer am Morgen den Eingang des Hafens von Dover. Wie die Organisatoren der deutschen Gruppierung im Vorfeld bekannt gaben, werden besonders große Kundgebungen in Hamburg, Berlin, Freiburg und Köln erwartet. In Berlin wird Greta Thunberg, die Initiatorin der Bewegung, zusammen mit der deutschen Aktivistin Luisa Neubauer erwartet.
Unter dem Motto „Alle fürs Klima“ nehmen auch zivilgesellschaftliche Organisationen wie Umweltverbände und Kirchen teil. Ebenfalls dabei sollen mehr als 4000 Unternehmen sein. Der letzte weltweite Protest fand am 19. März 2021 statt. Während der Corona-Pandemie hatten die Klimaaktivisten ihre Aktionen im vergangenen Jahr deutlich reduziert. Neben Aktionen in Hamburg sind in Norddeutschland unter anderem Proteste in Kiel, Lübeck, Bremen und Hannover geplant. Ungefähr 20 Demonstrationen finden in der Region statt. Für die niedersächsische Landeshauptstadt wird mit fünf Aktionen gerechnet.
Fridays for Future: Neubauer fordert mehr politisches Engagement
Ein Kritikpunkt der deutschen Klimaschützer ist das zögerliche Handeln der Regierung und die zu geringe Rolle des Klimaschutzes im laufenden Wahlkampf. Luisa Neubauer forderte daher: „Die kommende Legislaturperiode ist historisch. In den nächsten vier Jahren muss Klimaschutz schneller, gerechter und konsequenter umgesetzt werden als jemals zuvor.“ Die jetzigen Entscheidungen würden das Leben aller Menschen in den kommenden Jahrzehnten beeinflussen. Um die Union bei dem Thema voranzubringen, holte Kanzlerkandidat Armin Laschet (CDU) die Bremer Politikerin Wiebke Winter in sein Team.
Schule schwänzen: Lehrerverband kritisiert Klimastreik
Bei allen drängenden Klimafragen kritisierte der Deutsche Lehrerverband allerdings die Protestaktionen von Schülern. „Wir lehnen es ab, dass die Schulpflicht zugunsten politischer Aktionen – etwa im Rahmen eines sogenannten Klimastreiks – aufgehoben wird“, so Präsident Heinz-Peter Meidinger. Gegenüber dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ warnte er am Freitag vor der Gefährdung der notwendigen politischen Neutralität des Staates, der für den Schulbetrieb verantwortlich sei. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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