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Vertraulicher Bericht zeigt Wende bei Asylzahlen – doch ein brisantes Muster bleibt
Ein vertraulicher Bundespolizei-Bericht zeigt: Die Asylzahlen in Deutschland sinken – doch Probleme bleiben, darunter eine bestimmte Strategie von Zurückgewiesenen.
Neue Zahlen zu Asylbewerbern in Deutschland klingen auf den ersten Blick nach einem Erfolg der verschärften Migrationspolitik der Merz-Regierung. Doch ein interner Bericht der Bundespolizei offenbart, dass es auch Probleme gibt. Zurückgewiesene Migranten versuchen demnach immer wieder, über die deutschen Grenzen zu kommen.
Fakt ist zunächst einmal: Im ersten Quartal 2026 sind die Asylzahlen in Deutschland deutlich gesunken: um 23 Prozent auf rund 29.000 Anträge, wie die Welt unter Berufung auf ein Dokument der Bundespolizei berichtet, das bislang als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft ist.
Vertraulicher Polizeibericht: Deutschland bei Asylzahlen nur noch auf Platz 4
Deutschland, das jahrelang Spitzenreiter bei der Zahl der Asylanträge war, belegt laut diesem Bericht nun erstmals nur noch den vierten Platz im europaweiten Vergleich bei den Asylzahlen. Auf den vorderen Plätzen Frankreich, Spanien und Italien. Auch EU-weit gingen die Asylanträge zurück, und zwar um 18 Prozent auf 173.082. Die meisten Schutzsuchenden kamen aus Venezuela, Afghanistan und Bangladesch.
Als Hauptgründe für den Rückgang in Deutschland werden in dem geheimen Bericht ein starker Einbruch bei Anträgen aus Syrien und der Ukraine genannt. Hinzu kommen eine verschärfte EU-Asylpolitik und der härtere Kurs der Merz-Regierung, so die Welt.
Ein Drittel weniger unerlaubte Einreisen – Rückgang bei Migranten aus Syrien, Afghanistan und Türkei
Der Rückgang illegaler Einreisen zeige sich nahezu an allen deutschen Grenzen – lediglich an den Landgrenzen zu Frankreich und den Niederlanden seien die Zahlen gestiegen. Insgesamt registrierten die Behörden im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr rund ein Drittel weniger unerlaubte Einreisen und Aufenthalte. Auch die Asyl-Erstanträge brachen ein: Mit 113.236 lagen sie um 51 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Syrien verzeichnete dabei den stärksten Rückgang – die Zahlen sanken um rund 72 Prozent. Als zentraler Grund gilt das Ende des Bürgerkriegs, wodurch für viele der wichtigste Fluchtanlass entfallen ist.
Aus Afghanistan sanken die Zahlen um 44 Prozent: Ausreisebeschränkungen, hohe Schleuserkosten und wirtschaftliche Not erschwerten die Abwanderung. Auch Transitländer wie Iran und Türkei behinderten die Weiterreise.
Bei der Türkei, wo ein Rückgang von 42 Prozent verzeichnet wurde, spielten laut Bundespolizei unter anderem verschärfte Kontrollen entlang der Balkanroute sowie steigende Schleuserkosten eine Rolle.
Brisantes Muster bleibt: Migranten starteten bei Zurückweisung neue Einreiseversuche
Der vertrauliche Bericht zeigt außerdem trotz aller Fortschritte bei Asylzahlen und Grenzkontrollen ein besorgniserregendes Muster: Die von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verschärften Grenzkontrollen zeigten langfristig nur eingeschränkte Effekte. Die Krux: Zurückgewiesene Migranten versuchen häufig immer wieder, nach Deutschland einzureisen, wie die Welt unter Berufung auf die internen Analysen schreibt.
CSU-Politiker im Bundeskabinett seit 1949: Dobrindt, Bär und Rainer folgen Koryphäen und umstrittenen Personen
Häufig haben sie dabei offenbar auch Erfolg, denn: Eine lückenlose Überwachung der 3876 Kilometer langen deutschen Grenze ist kaum möglich, wie Andreas Roßkopf von der Bundespolizei im Interview mit dem Deutschlandfunk sagte. Der Vorsitzende der Bundespolizei bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) sagte außerdem im SWR: „Mit sporadischen Kontrollen kann man Schleuserorganisationen, die sehr gut aufgestellt sind und innerhalb von wenigen Stunden auf Kontrollstellen reagieren, kaum beeindrucken.“ Grenzkontrollen würden zwar in „gewissen Fällen“ Zurückweisungen von irregulären Migranten ermöglichen, aber, so Roßkopf: „Leider sind es sehr wenige Fälle.“
Asylerstanträge sinken – doch bei Afghanen explodiert Zahl der Folgeanträge
Dass Asylbewerber immer wieder versuchen, über die deutsche Grenze zu gelangen, zeigen auch aktuelle Zahlen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf): Im ersten Quartal 2026 gab es zwar fast 38 Prozent weniger Erstanträge auf Asyl, wie die Zeit berichtet. Jedoch: Die Zahl der Folgeanträge aus Afghanistan ist gleichzeitig explodiert.
Von Januar bis März 2026 wurden 6406 Folgeanträge von afghanischen Personen gestellt. Das bedeutet einen Zuwachs von 569,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Bamf begründete dies mit der sich weiter verschlechternden Lage von Frauen und Mädchen in Afghanistan seit der Machtübernahme der Taliban.
Rückgang von Asylanträgen – dafür Anstieg bei Erschleichen eines Visums und Schwarzarbeit
Trotz des allgemeinen Rückgangs bei den Asylzahlen gibt es weitere alarmierende Zahlen: Die Zahl der Tatverdächtigen beim Erschleichen eines Visums stieg um 15 Prozent auf 6655 Fälle. Dies ist ein Hinweis auf zunehmenden Missbrauch legaler Zugangswege, wie die Welt berichtet.
Auch bei der Schwarzarbeit steigen die Zahlen: Die Finanzkontrolle Schwarzarbeit habe im Jahr 2025 insgesamt 98.186 Ermittlungsverfahren eingeleitet – 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 10,5 Prozent der Verfahren entfielen auf den Verdacht des unerlaubten Aufenthalts im Zusammenhang mit Beschäftigung, was 10.213 Fällen entspricht. Betroffen seien vorwiegend Branchen wie Bau, Gastronomie sowie Transport und Logistik.
Zahlungskräftige Migranten schaffen es eher, nach Deutschland zu kommen
Ebenfalls ein Problem, das hinter den neuen Asylzahlen steckt: Kosten und Risiken der Migration sind laut dem geheimen Bericht deutlich gestiegen. Dies führt zwar zu niedrigeren Asylzahlen in Europa, bedeutet aber, dass insbesondere finanziell schwächere, aber besonders schutzbedürftige Gruppen – etwa aus Afghanistan – von einer Weiterreise abgehalten werden. Zahlungskräftigen Migranten würden Schleuser dagegen weiterhin Wege nach Europa eröffnen, schreiben die Ermittler.
Dobrindt will Grenzkontrollen womöglich weiter verlängern – „kein erhöhter Migrationsdruck“
Bundesinnenminister Dobrindt sieht die aktuelle Lage trotz der komplexen Gemengelage unter Kontrolle. Wegen des Iran-Kriegs erwartet er keine verstärkten Fluchtbewegungen Richtung Deutschland. „Aktuell sehen wir keinen erhöhten Migrationsdruck“, sagte Dobrindt der Rheinischen Post. „Wir haben einen sehr genauen Blick auf die Migrationsbewegungen, beispielsweise im Iran und im Libanon.“ Vorsorgemaßnahmen würden aber auf europäischer Ebene vorbereitet, so der Innenminister.
Eine Verlängerung der Grenzkontrollen über September hinaus hält Dobrindt ausdrücklich offen. Diese Entscheidung hänge nicht ausschließlich von der Lage in Deutschland ab. Zunächst müsse das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS) funktionsfähig sein, das am 12. Juni in Kraft treten soll. Auch spielten „die internationale Lage und mögliche Auswirkungen dabei eine große Rolle“, betonte er gegenüber der Rheinischen Post.
Dobrindt will an harter Abschiebepraxis der Merz-Regierung bei Straftätern festhalten
An der harten Abschiebepraxis will Dobrindt festhalten. „Abschiebungen von Straftätern sind zwingend notwendig. Wir haben mit Afghanistan ein funktionierendes System etabliert, das zu fast wöchentlichen Abschiebungen von Straftätern führt“, sagte er. Die Betroffenen würden „direkt an den Gefängnistoren abgeholt, in Abschiebehaft gebracht und innerhalb weniger Tage in Vereinbarung mit den verantwortlichen afghanischen Stellen nach Kabul zurückgeführt“. Kein anderes europäisches Land sei derzeit zu Abschiebungen nach Afghanistan in der Lage, so Dobrindt.
Der interne Bundespolizei-Bericht zeichnet auch einen Ausblick für das laufende Jahr: Die illegale Migration nach Deutschland dürfte 2026 auf einem niedrigeren Niveau bleiben oder weiter zurückgehen. Für Afghanistan wird ein weitgehend stabiler Verlauf erwartet, die Zahlen aus Syrien dürften weiter sinken – allerdings weniger stark als zuletzt. Bei Antragstellern aus der Türkei und dem Iran rechnen Experten mit keiner wesentlichen Veränderung, wie die Welt berichtet. (Quelle: Die Welt, Die Zeit, Deutschlandfunk, SWR) (smu)