Neue Verhandlungen im Iran-Krieg

Iran und USA wagen Annäherung: Teherans Zehn-Punkte-Plan birgt Streitpotenzial

Nach dem Waffenruhe-Angebot des Irans beansprucht Trump den Sieg im Krieg für sich. Doch der Zehn-Punkte-Plan Teherans hat das Potenzial für neue Differenzen.

Bevor das von US-Präsident Donald Trump an den Iran gesetzte Ultimatum um 2 Uhr nachts (deutscher Ortszeit) auslief, hatte Trump den Handlungsspielraum Teherans mit seiner Drohung, „ein ganzes Volk zu vernichten“, entscheidend eingeengt. Als Reaktion legte die iranische Führungsriege einen Zehn-Punkte-Plan vor: inklusive einer zweiwöchigen Waffenruhe und der Öffnung der für den globalen Handel so bedeutenden Straße von Hormus.

US-Präsident Donald Trump auf dem South Lawn des Weißen Hauses

Trump verkündete die Neuigkeiten nach den Drohungen eines totalen Krieges nun im Stile eines absoluten Sieges. Doch wie authentisch ist Trumps Reaktion, und was genau besagt der Zehn-Punkte-Plan des iranischen Sicherheitsrats?

Nach Zehn-Punkte-Plan Teherans beansprucht Trump den „totalen und vollständigen Sieg“ im Iran-Krieg

Die vorläufige Einigung zwischen den USA und dem Iran auf eine temporäre Feuerpause ist Trumps Auffassung zufolge ein „totaler und vollständiger Sieg“ für Washington. „100 Prozent, daran besteht kein Zweifel“, resümierte der Republikaner am Dienstag (US-Ortszeit) in einem Telefoninterview mit der Nachrichtenagentur AFP. Ein Ergebnis der zuvor zugespitzten Drohungen Trumps in Richtung Teheran ist auch eine neue Verhandlungsrunde der Kriegsgegner. 

Israel im Krieg mit Iran: Raketen fliegen, Menschen werden evakuiert

Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv.
Lichtblitze durchzucken den nächtlichen Himmel über Tel Aviv. Ausgelöst werden sie vom Iron Dome, dem Raketenschutzschirm über Israel, der hier ballistische Geschosse aus dem Iran abfängt. © Ohad Zwigenberg/dpa
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran.
Ein israelischer Soldat überwacht die Evakuierung der nahe Tel Aviv gelegenen Stadt Ramat-Gan nach einem Raketenangriff aus dem Iran. © Ilia Yefimovich/dpa
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen.
Erdölanlage in Teheran von Israel angegriffen. © IMAGO/FatemehBahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Iran von Raketen aus Israel angegriffen – Gebäude stark beschädigt. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Gebäude, das bei einem israelischen Angriff auf den Bezirk Narmak im Osten Teherans schwer beschädigt wurde.
Israelischer Angriff beschädigt Gebäude in Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff.
Tote und Verletzte in Nordisrael nach iranischem Raketenangriff. © IMAGO/Samir Abdalhade
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde
Eine stark beschädigte Wohnung in einem Wohnhaus, das von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurde. © Ariel Schalit/dpa
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Der Iron Dome in Aktion
Der Iron Dome in Aktion: Raketen aus dem Iran, die in Richtung Tel Aviv flogen, werden von dem Flugabwehrsystem Israels abgefangen.  © Oded Balilty/dpa
dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen.
Doch auch dem Iron Dome gelingt es offenbar nicht, alle Raketen aus dem Iran abzufangen. Immer wieder kommen ballistische Geschosse durch und richten wie hier in Tel Aviv große Schäden an. © Baz Ratner/dpa
Raketenangriffe aus dem Iran
Aufgrund der Raketenangriffe aus dem Iran müssen immer wieder Gebäude und Bezirke in Tel Aviv und anderen Teilen Israels evakuiert werden. Diese Personen mussten ihr Wohnhaus in der israelischen Millionenmetropole aufgrund eines Raketeneinschlags verlassen. © Baz Ratner/dpa
Israelische Sicherheitskräfte inspizieren zerstörte Gebäude, die von einer aus dem Iran abgefeuerten Rakete getroffen wurden.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz
Zahlreiche Bewohnerinnen und Bewohner Israels suchen während der Luftangriffe aus dem Iran Schutz in offiziellen Bunkeranlagen, von denen es im ganzen Land mehrere gibt. In Tel Aviv wurde eine Tiefgarage zu einem Luftschutzbunker für die Bevölkerung umfunktioniert. Eine Frau hat sich ihr Kind umgebunden und kühlt den Nachwuchs mit einem Hand-Ventilator, während sie auf das Ende der Raketenangriffe aus dem Iran wartet. © Baz Ratner/dpa
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde.
Flammen steigen aus einem Öllager im Iran auf, nachdem es mutmaßlich von einer israelischen Rakete getroffen wurde. © Vahid Salemi/dpa
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf.
Nach einer Explosion im Süden Teherans, Iran, steigt starker Rauch aus einer Ölanlage auf. © Vahid Salemi/dpa
Israelische Luftangriffe in Teheran
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Israelischer Luftangriff auf Treibstoffdepot im Teheraner Stadtteil Shahran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Flammen erleuchten die Skyline hinter dem ikonischen Milad Tower in Teheran.
Israelische Luftangriffe über Teheran. © IMAGO/Fatemeh Bahrami
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen.
Iran und Israel überziehen sich mit schweren Angriffen. © Ohad Zwigenberg/dpa
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv.
Rettungsteams durchsuchen Trümmer nach iranischer Rakete in Bat Yam, nahe Tel Aviv. © IMAGO/Mostafa Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
Folgen des iranischen Raketenangriffs in Bat Yam, nahe Tel Aviv
Aufräumarbeiten nach iranischem Raketenangriff in Bat Yam – Nahe Tel Aviv, Israel. © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab.
Iron Dome fängt iranische Rakete über Tel Aviv ab. © IMAGO/Nir Keidar
ranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – Vorort von Tel Aviv
Bat Yam, Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt, als es von einer iranischen Rakete getroffen wurde © IMAGO/Mostafaf Alkharouf
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel – einem Vorort von Tel Aviv
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.  © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Iranische Rakete trifft Bat Yam, Israel.
Ein Gebäude in der Stadt Bat Yam, einem Vorort von Tel Aviv, wurde am 15. Juni 2025 erheblich beschädigt © IMAGO/Faiz Abu Rmeleh
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde.
Helfer versammeln sich vor einem Gebäude, das bei einem israelischen Angriff in Teheran zerstört wurde. © IMAGO/Iranian Red Crescent
Das iranische Luftabwehrsystem feuert in der Nähe des Milad Tower Schüsse ab, die auf israelische Drohnen gerichtet sind.
Israelische Luftangriffe in Teheran. © IMAGO/Khoshiran
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde
Das oberste Stockwerk eines Wohnhauses in Teheran, das bei einem Angriff der israelischen Armee beschädigt wurde © Vahid Salemi/dpa

Wann genau diese vonstattengehen wird, ist unklar, denn bei seiner neuesten Ankündigung vermied Trump es, eine neue konkrete Frist für eine Einigung mit dem Iran zu nennen. Er schrieb lediglich: „Ein Zeitraum von zwei Wochen wird es ermöglichen, das Abkommen endgültig zu formulieren und abzuschließen“, wie der US-Präsident von der Tagesschau zitiert wird.

Trump sieht in Irans Zehn-Punkte-Plan eine „tragfähige Verhandlungsgrundlage“

Wie nah Washington und Teheran an einer Einigung hinsichtlich der Zukunft des Iran-Kriegs sind, bleibt damit zunächst aber unklar. In Bezug auf die anstehenden Gespräche mit Irans Sicherheitsrat schrieb Trump in seiner Mitteilung, er und seine Berater seien „überzeugt“, dass der Zehn-Punkte-Plan Teherans „eine tragfähige Verhandlungsgrundlage bietet.“ Fast alle bisherigen Streitpunkte seien bereits geklärt, ließ Trump per Mitteilung auf seinem Kurznachrichtendienst Truth Social weiter wissen.

Wie nah die beiden Länder einem Abkommen sind, ist allerdings weiter völlig unklar. Denn der Zehn-Punkte-Plan Teherans wirft auch Aspekte auf, in denen sich die Kriegsgegner unstimmig sein dürften. So berichteten iranische Staatsmedien, die USA müssten Iran die Anreicherung von Uran erlauben. Das könnte zu einem erheblichen Problem bei möglichen Gesprächen werden. Zudem verlangt Irans Sicherheitsrat weiterhin die Aufhebung aller US-Sanktionen gegen den Iran. Darüber hinaus werde erwartet, dass Washington Reparationen für Kriegsschäden im Iran zahlt. Derartigen Forderungen hatte Trump bislang jedoch eine klar Absage erteilt.

Wie sattelfest die Waffenruhe zwischen Washington und Teheran ist, wird sich zeigen

Zwar versicherte Trump am Dienstag (7. April), geplante Angriffe auf Irans Infrastruktur und die Zivilbevölkerung für zwei Wochen auszusetzen und seine schockierende Drohung damit zurückzunehmen. Doch dürfte davon auszugehen sein, dass Trump seine Drohgebärden an Teheran jederzeit wieder erneuern kann, sollten die neu anstehende Verhandlungsrunde nicht die aus seiner Sicht erhofften Ergebnisse bringen. Denn wie rasch er seinen Kurs hin zu einer vernichtender Rhetorik gegenüber seinen Gegnern ändern kann, das zeigt Trump immer wieder – und das längst nicht nur im Iran-Krieg

Ob die zwischen Washington und Teheran vereinbarte Feuerpause den Ankündigungen zufolge bestand haben wird, steht weiter in den Sternen und wird sich in diesen Tage zeigen. Tatsache ist dagegen allerdings die erschreckende Bilanz des inzwischen fast sechs Wochen andauernden Kriegs im Iran. Wie die Tagesschau ausgehend von Zählungen von Regierungsquellen und Menschenrechtsgruppen berichtete, sind dabei schon jetzt Tausende Menschen ums Leben gekommen; darunter mehr als 1600 Zivilistinnen und Zivilisten im Iran. 

In den Vereinigten Staaten, wo die Kampagnen für die Midterms (3. November) langsam aber sicher anlaufen, haben Trumps Zustimmungswerte einen neuen Tiefstand erreicht. Umfragen zufolge lehnt eine große Mehrheit der US-Amerikanerinnen und -Amerikaner den gemeinsam mit Israel im Iran geführten Krieg ab. Zuletzt zeigte sich die US-Bevölkerung auch zunehmend frustriert über negative Effekte des Kriegs, darunter die steigenden Benzinpreise. Nach der Bekanntgabe der temporären Feuerpause brachen die Ölpreise weltweit dem US-Sender CNBC um bis zu 16 Prozent ein, während die US-Aktienfutures in die Höhe schossen. (Quellen: Agence France Press (AFP), Tagesschau, CNBC) (fh)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/AP | Julia Demaree Nikhinson

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