Pilotprojekt
Klimaneutral versenden: Post liefert jetzt per Straßenbahn
Klimaneutrale Zustellung: Die Post poliert ihr Image als Klimaretter auf. Künftig werden Pakete mit der Straßenbahn geliefert. Für die Politik ein wichtiges Signal.
Schwerin – Nächster Halt: Paketstation. Bei der Deutschen Post setzt man bei der Zustellung jetzt auf öffentliche Verkehrsmittel. So sollen in Schwerin die Pakete per Straßenbahn durch die City kutschiert und damit klimaneutral versendet werden. Dies helfe beim Einsparen von Emissionen in Deutschland und sei ein wichtiger Beitrag auf dem Weg zur Klimaneutralität, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Reinhard Meyer (SPD) laut einer Mitteilung am Freitag (28. Oktober 2022) beim Startschuss des Projekts. Tram statt Dieselauto also – welche Vorteile hat das?
Wegen Klimawandel: Post will Briefe und Pakete künftig klimaneutral versenden – und zwar per Straßenbahn
Die Politik bemisst dem Vorhaben jedenfalls einen hohen Stellenwert zu. Bis zum Jahr 2040 soll Mecklenburg-Vorpommern klimaneutral sein. Um den Klimawandel zu stoppen, müssen die Emissionen drastisch herunter und viele einzelne Stellschrauben neu justiert werden. Vor allem der Verkehrssektor mit seinem hohen CO2-Ausstoß ist ein Problemfall. Und die Post, bei der Änderungen sofort immer über eine Million Kundinnen und Kunden trifft, soll nun mit der klimaneutralen Zustellung eine Signalwirkung entfalten.
„Klimaschutz ist eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben. Auf diesem Weg zählt jeder einzelne Schritt, um das Ziel zu erreichen“, betonte Meyer beim Projektstartschuss. Zu Beginn der Paketzustellung per Straßenbahn soll die Nahverkehrsgesellschaft NVS jetzt einmal täglich mit einer Sonderlinie rund 450 Sendungen ausliefern. Dabei klappert die Bahn die Paketstationen ab, die sich in der Nähe der NVS-Haltestellen befinden. Die Hoffnung: Statt mit mehreren Lieferwagen die Innenstadt zu verstopfen, soll eine Tram reichen, die mit Ökostrom angetrieben wird.
Klimaneutrale Zustellung: Für die Post und DHL geht es um ein wichtiges grünes Image
Für die Post und den Paketdienstleister DHL selber ist das Projekt eine Premiere. Jedoch bemüht sich das Unternehmen um ein grünes Image. In Berlin testet man ebenfalls die Zustellung mit einem Solarboot. Außerdem wurde bereits vor Jahren begonnen, die Lieferflotte umzurüsten und die Dieselautos durch Elektro-Fahrzeuge zu ersetzen. Darüber hinaus wirbt der ehemalige Staatskonzern auch unter dem Label „GoGreen“ bei Privatkunden sowie bei Geschäftsleuten für den klimaneutralen Versand von Briefen oder Paketen.
GoGreen – Post und DHL versenden klimaneutral
Wie funktioniert eine klimaneutrale Zustellung? Unter dem Label „GoGreen“ wirbt die Post zusammen mit dem Paketdienstleister DHL zumindest dafür. Dabei handelt es sich um einen freiwilligen Klimabonus. Dabei kassiert das Unternehmen für Sendungen einen Aufpreis, der nach Ausland oder Inland variiert. Das Zusatzgeld soll dann in Klimaprojekte fließen, verspricht der Konzern.
Reiner Selbstzweck ist das nicht. Denn insbesondere die Logistikbranche leidet unter hohen Kosten. In Zeiten der Energiekrise und des Klimawandels werden fossile Energien immer teurer. Ein Umstieg auf eine klimaneutrale Zustellung ist dabei im Konzerninteresse – im doppelten Sinne. Denn es senkt die eigenen Kosten und steigert bei vielen Kundinnen und Kunden das Ansehen.
Höheres Porto und langes Warten auf Pakete: Post und DHL verärgerten zuletzt viele Kunden
Letzteres hat der Konzern dabei bitter nötig: Denn kürzlich verärgerte er viele Verbraucherinnen und Verbraucher mit einer Erhöhung vom Porto um bis zu 10 Prozent – und das, obwohl sich zuletzt die Lieferzeiten von Paketen dramatisch erhöht hatten. Viele Postkunden machten ihren Ärger und Frust öffentlich Luft. Doch ob die klimaneutrale Zustellung daran etwas ändern und den Ärger verrauchen lassen kann, bleibt wohl abzuwarten.
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