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Im Iran-Krieg herrscht eine brüchige Waffenruhe. Im Libanon gehen die Kämpfe weiter. Israel weitet seine Militäroperation gegen die Hisbollah aus.
Update, 11:20 Uhr: Libanons Hauptstadt Beirut ist am Tag der Waffenruhe-Einigung zwischen den USA und dem Iran von den heftigsten israelischen Angriffen seit dem Kriegseintritt der pro-iranischen Hisbollah erschüttert worden. Libanons Regierungschef Nawaf Salam erklärte den Donnerstag nach den Angriffen mit mehr als 200 Toten zum nationalen Trauertag. Laut US-Präsident Donald Trump erstreckt sich die mit Teheran ausgehandelte Feuerpause nicht auf den Libanon. International wurden die Angriffe scharf verurteilt, die Hisbollah feuerte derweil erneut Raketen auf Israel.
Nach mehreren zeitgleichen Angriffen auf Viertel in Beirut am Mittwochnachmittag flog die israelische Armee libanesischen Staatsmedien zufolge auch am Abend Angriffe, darunter auf ein Gebäude im Gebiet Tallet El-Chajat. Dort stürzte nach Angaben eines Fotografen der Nachrichtenagentur AFP ein Wohngebäude teilweise ein. Libanesischen Staatsmedien zufolge griff Israel am Abend auch die als Hisbollah-Hochburgen geltenden südlichen Vororte von Beirut an.
Nach Angaben des israelischen Verteidigungsministers Israel Katz hatten die israelischen Streitkräfte am Vortag landesweit „einen Überraschungsangriff auf hunderte Hisbollah-Mitglieder ausgeführt“. Es sei „der schwerste Schlag, den die Hisbollah seit der Operation ‚Beepers‘ erlitten hat“, sagte Katz am Mittwoch. Er bezog sich dabei auf von Israel organisierte Angriffe im Jahr 2024, bei denen Pager und Walkie-Talkies hunderter Hisbollah-Mitglieder im Libanon explodierten und viele von ihnen töteten.
Trotz Waffenruhe im Iran: Israels Angriffe auf Libanon werden fortgesetzt
Update, 10:07 Uhr: Trotz der Waffenruhe im Iran dauern die israelischen Angriffe auf das benachbarte Libanon an. Das israelische Militär hat nun verkündet, einen weiteren hochrangigen Hisbollah-Funktionär eliminiert zu haben. Ali Yusuf Harshi, der persönliche Sekretär von Hisbollah-Chef Naem Qassem, wurde demnach bei einem Luftangriff in Beirut getötet.
Update, 9. April, 7:09 Uhr: Trotz der zwischen den USA und dem Iran vereinbarten Waffenruhe hat Israel seine Angriffe auf den Libanon nicht gestoppt – mindestens 182 Tote und fast 900 Verletzte sind die Bilanz eines einzigen Tages, wie das libanesische Gesundheitsministerium laut AFP mitteilte. Israels Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete die Offensive als „den schwersten Schlag, den die Hisbollah seit der Operation ‚Beepers‘ erlitten hat“.
Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam rief den heutigen Donnerstag (9. April) zum nationalen Trauertag aus und kündigte an, alle politischen und diplomatischen Mittel zu mobilisieren, „um die israelische Tötungsmaschine zu stoppen“. Die Hisbollah erklärte derweil, sie habe das „Recht“, auf die Angriffswelle zu reagieren.
Verbündete, Feinde und Alternativen zum Mullah-Regime im Iran
Update, 22:12 Uhr: Das israelische Militär hat die Bevölkerung von rund 14 Prozent des Libanons dazu aufgefordert, ihre jeweilige Region zu verlassen, und vor weiteren Angriffen gewarnt. Das meldet die Nachrichtenagentur Al Jazeera. Betroffen sind demnach vor allem Gebiete im südlichen Teil des Landes, in denen Israel sich in Kämpfen mit der Hisbollah befindet. Der UN-Menschenrechtschef Volker Türk hat währenddessen Gerüchte über eine mögliche israelische Besetzung oder Annexion von Teilen des Südlibanons als „zutiefst beunruhigend“ bezeichnet.
Update, 20:31 Uhr: Irans Außenminister Abbas Araghchi hat der Behauptung Donald Trumps widersprochen. Aus Sicht Teherans beinhalte das Abkommen zur Waffenruhe im Iran-Krieg auch ein Ende der Angriffe Israels im Libanon. „Die Bedingungen für einen Waffenstillstand zwischen Iran und den Vereinigten Staaten sind klar und eindeutig: Amerika muss entweder einen Waffenstillstand wählen oder die Fortsetzung des Krieges durch Israel; beides kann nicht gleichzeitig bestehen“, schrieb Araghchi auf Telegram.
Update, 19:38 Uhr: Die Hisbollah hat nach einer verheerenden Angriffswelle Israels auf Stellungen der Terrormiliz im Libanon ihr Recht auf eine Vergeltungsreaktion bekräftigt. Bei israelischen Offensive kamen laut libanesischen Behörden mindestens 112 Menschen ums Leben, mehr als 800 wurden verletzt. Die vom Mullah-Regime im Iran unterstützte Hisbollah erklärte in einer Stellungnahme, aus der die AFP zitiert: „Das Blut der Märtyrer und Verwundeten wird nicht umsonst vergossen worden sein, und die heutigen Massaker, wie alle Aggressionsakte und barbarischen Verbrechen, bestätigen unser natürliches und rechtmäßiges Recht, die Besatzung zu bekämpfen und auf ihre Aggression zu antworten.“
Erstmeldung vom 8. April 2026: Am ersten Tag der Waffenruhe im Iran-Krieg steigen dicke Rauchsäulen über Beirut auf. Israel hat nach eigenen Angaben den bislang schwersten Angriff auf Stellungen der radikalislamischen Hisbollah-Miliz im Libanon seit Beginn des Krieges mit dem Mullah-Regime im Iran begonnen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu machte gegenüber israelischen Medien unmissverständlich klar: Der Krieg gegen die Hisbollah geht weiter.
Am Mittwoch meldete die israelische Armee den „größten koordinierten Angriff“ seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Hisbollah Anfang März. Binnen zehn Minuten wurden nach israelischen Angaben mehr als 100 Kommandozentralen und Militärstützpunkte der Hisbollah gleichzeitig attackiert – in Beirut, im Bekaa-Tal und im Süden des Landes. Auch aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es laut n-tv , es habe mehr als 150 Angriffe gegeben, viele davon in der Hauptstadt.
Das libanesische Gesundheitsministerium meldete nach den israelischen Angriffen Dutzende Tote und Hunderte Verletzte. Laut der Nachrichtenagentur dürften die Opferzahlen in den nächsten Stunden noch steigen. Libanons Gesundheitsminister Rakan Nassereddine erklärte gegenüber Al Jazeera, die Kliniken seien hoffnungslos überfüllt. Unabhängig prüfen lassen sich die Angaben aus dem Libanon nicht. Die Bilder, die die Zerstörung in Beirut und weiteren Städten zeigen, lassen aber Ähnliches vermuten.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz bezeichnete die Angriffe in einer Videobotschaft als „schwersten konzentrierten Schlag“ gegen die Hisbollah-Miliz seit der Operation Beepers im September 2024. Damals hatte der israelische Geheimdienst Mossad Tausende Pager und Walkie-Talkies von Hisbollah-Mitgliedern mit Sprengstoff bestückt und zeitgleich zur Explosion gebracht. Die israelische Armee räumte ein, dass sich ein Großteil der angegriffenen Infrastruktur inmitten ziviler Wohngebiete befunden habe. Man habe Schritte unternommen, um Unbeteiligte zu schonen. Der israelische Militärsprecher Nadav Schoschani ergänzte laut n-tv, die Hisbollah halte sich inzwischen in Gebieten auf, die bislang nicht als ihre Hochburgen galten: „Das ist Teil ihrer Strategie.“
Mullah-Regime im Iran reagiert auf Israels Angriffe im Libanon
Kurz nach den erneuten Angriffen Israels hatte das Mullah-Regime im Iran verkündet, man werde die Straße von Hormus wieder schließen. Das berichtete die iranische Nachrichtenagentur Fars. Dies sei eine direkte Reaktion auf den andauernden Krieg im Libanon. Die Öffnung der Meerenge für den Schiffsverkehr war eine der zentralen Bedingungen für die Waffenruhe zwischen Israel, den USA und dem Iran, die am Mittwochmorgen in Kraft getreten war. Das Büro von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu stellte klar, dass die vereinbarte Waffenruhe den Krieg im Libanon ausdrücklich nicht einschließe. Pakistan, das die Vermittlung des Waffenstillstands übernommen hatte, hatte hingegen erklärt, der zweiwöchige Waffenstillstand umfasse auch den Libanon – eine Darstellung, die Israel zurückwies, wie die BBC berichtete.
Dass der Krieg im Libanon trotz der vorübergehenden Einigung im Iran-Krieg weitergeführt wird, stieß auf scharfe internationale Kritik. Der libanesische Ministerpräsident Nawaf Salam erklärte laut Al Jazeera, Israel greife dicht besiedelte Wohnviertel an und töte „wehrlose Zivilisten“. Israel zeige sich „völlig unbeeindruckt von allen regionalen und internationalen Bemühungen, den Krieg zu beenden“, so Salam, und missachte zudem die Prinzipien des humanitären Völkerrechts. Er rief alle Freunde des Libanon auf, bei der Beendigung der Angriffe zu helfen.
Hisbollah hält sich im Libanon-Krieg mit Israel bedeckt
Die Hisbollah reagierte zurückhaltend auf die israelische Offensive. Seit dem frühen Mittwochmorgen beanspruchte die Miliz keine eigenen Operationen gegen Israel mehr. Ein Hisbollah-Offizieller erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press, die Gruppe ermögliche Vermittlern, einen Waffenstillstand im Libanon zu sichern. Gleichzeitig machte er deutlich, dass die Terrormiliz bislang keiner Waffenruhe zugestimmt habe und begründete dies damit, dass „auch die Israelis nicht zustimmen“. Eine Fortsetzung der Angriffe aus Israel werde man aber „nicht akzeptieren“.
Der Krieg im Libanon hat seit Anfang März 2026 mehr als 1500 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 1,2 Millionen Menschen wurden vertrieben und befinden sich auf der Flucht. Das entspricht jedem fünften Einwohner des Landes. Die Zahlen basieren auf übereinstimmenden Angaben von Al Jazeera und der BBC. Im Land befinden sich darüber hinaus nach Schätzung der Vereinten Nationen bereits rund eine Million Geflüchtete, die zum Großteil aus palästinensischen Gebieten und Syrien stammen. (Verwendete Quellen: Al Jazeera, N-TV, BBC, Fars, Times of Israel, AP) (dil)