Ergebnisse auf Pressekonferenz

Rentenpaket-Einigung: Mit diesen drei Punkten will Merz den Abweichler-Widerstand brechen

Nach einer Marathonsitzung im Kanzleramt bis tief in die Nacht gibt es eine Entscheidung zum umstrittenen Rentenpaket. Merz, Klingbeil und Söder informieren live.

Update, 14:32 Uhr: Der Vorsitzende des Arbeitsausschusses, Bernd Rützel (SPD) betonte auf Anfrage unserer Redaktion die Wichtigkeit des Rentenpakets. Gegenüber dem Münchner Merkur von Ippen.Media erklärte Rützel: „Der SPD sind stabile Renten wichtig. 21 Millionen Rentnerinnen und Rentner können sich nun auf ein gleichbleibendes Rentenniveau verlassen. Wer sein Leben lang gearbeitet und in die Rentenversicherung eingezahlt hat, verdient eine ordentliche Rente.“ Dies gebiete der Respekt vor der Lebensleistung so der SPD-Politiker.

Der Gesetzesentwurf solle nächste Woche durch den Bundestag gebracht werden und die Rentenkommission solle dann „die langen Linien“ besprechen.

Grüne wollen an künftiger Rentenkommission mitarbeiten

Update, 13:46 Uhr: Die Grünen wollen an der geplanten Reform des Rentensystems mitarbeiten. Die mit der Vorbereitung beauftragte Kommission solle „einen von der gesamten Gesellschaft getragenen großen Wurf für die größte Rentenreform seit Jahrzehnten entwickeln“, erklärte der Renten-Experte der Grünen-Bundestagsfraktion, Armin Grau, am Freitag in Berlin. Deshalb wäre es eine „gute Idee, die Opposition konstruktiv in der Rentenkommission mitarbeiten zu lassen“.

Die Vereinbarungen im schwarz-roten Koalitionsausschuss zur Rentenreform wertete Grau als „durchwachsen“. Die Stabilisierung des Rentenniveaus reiche „weiterhin nur bis 2031, Mütterrente und Aktivrente bleiben hochgradig ineffizient“, kritisierte er. „Bei der Frühstartrente scheint dagegen inzwischen angekommen zu sein, dass sie viel zu klein geplant war.“ Der Grünen-Abgeordnete fügte hinzu: „Man muss sich am heutigen Tag darüber freuen, dass die Bundesregierung wohl nicht an einer lösbaren Sachfrage zerbricht.“

Umweltminister Schneider verteidigt Vorgehen der Koalition beim Verbrenner-Aus

Update, 12:07 Uhr: Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) hat die Einigung der Koalition zum sogenannten Verbrenner-Aus verteidigt: Deutschland bringe sich damit mit einer „pragmatischen Position“ in die europäische Debatte ein, erklärte er am Freitag. Die Autoindustrie erhalte mit dem Vorschlag „mehr Flexibilität auf dem Weg zum Ziel Nullemissionen für Neuwagen 2035“ - gleichzeitig bleibe „die Klimawirkung erhalten“.

Schneider erläuterte den Vorschlag, den Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen übermitteln will: Auch nach 2035 sollen neben rein batterieelektrischen Fahrzeugen weiterhin Autos neu zugelassen werden, die einen doppelten Antrieb haben, das betrifft Plugin-Hybride oder Elektroautos mit Range Extender. „Im Gegenzug sollen die Mehremissionen ausgeglichen werden, etwa durch den Einsatz von grünem Stahl in der Automobilproduktion oder erneuerbare Kraftstoffe.“

Update, 11:30 Uhr: Nach der Pressekonferenz von Merz, Klingbeil und Söder ist klar: Am Rentenpaket samt umstrittener Haltelinie wird nicht gerüttelt. Die Parteispitzen demonstrierten demonstrative Einigkeit. Jedoch: Der Jungen Union kommt man trotzdem entgegen. Drei Punkte sprachen Merz und Söder an, um den Widerstand der Renten-Abweichler zu brechen:

  1. Die Renten-Kommission soll schon Ende 2025 starten und bis Juni 2026 Ergebnisse vorstellen, die dann so schnell wie möglich von der Regierung umgesetzt werden. Die Junge Union werde eine „zentrale Rolle in dieser Renten-Kommission“ bekommen, kündigte Söder an.
  2. Die Renten-Abweichler in der Unionsfraktion sollen mit einem zehn Milliarden schweren Aktienpaket besänftigt werden. Damit will die Merz-Regierung die private Altersvorsorge der jungen Generation stärken.
  3. Mit einem umfassenden, parallelen Entschließungsantrag zum Rentenpaket will die Koalition den Skeptikern entgegenkommen. Er soll sicherstellen, dass nicht allein die junge Generation allein die finanzielle Last der Sicherung des Rentenniveaus trägt.

Auch ein späteres Renteneintrittsalter sollen für eine kommende große Reform auf den Tisch. Söder sagte: „Es gibt keine Tabus“. Merz betonte: „Die Entschlossenheit von mir sollte niemand unterschätzen.“

Einigung im Renten-Streit? Söder, Merz und Klingbeil präsentieren den neuen Ansatz zum Rentenpaket.

Merz-Regierung will Ausnahmen vom Verbrenner-Aus – „Für SPD war das weiter Weg“

Update, 10.55 Uhr: Kanzler Merz sprach bei der Pressekonferenz auch zum Verbrenner-Aus in der EU. Er wolle gemeinsam mit den Ministerpräsidenten die EU in einem Brief bitten, das Verbrenner-Aus im Sinne der Wettbewerbsfähigkeit zu verändern, ohne den Klimaschutz zu relativieren. Man wolle Technologieoffenheit, „die Arbeitsplätze erhält“. Daher solle die EU-Kommission auch nach 2035 auch Fahrzeuge mit einem doppelten Antrieb zuzulassen, also mit Batterie und Verbrenner. „Ich bin sehr dankbar, dass wir uns in der Koalition auf diese Haltung verständigen konnten. Für die SPD war das ein weiter Weg“, so Merz. Aber aufgrund der schwierigen Lage der Autoindustrie sei dies geboten.

Update, 10:27 Uhr: Worauf begründet Merz seinen Optimismus, dass die Abweichler in der Unionsfraktion dem Rentenpaket nun zustimmen werden? Merz sagt dazu bei der Pressekonferenz: „Es ist nicht nur Bauchgefühl, sondern es ist wirklich die begründete Hoffnung, auch aus den Gesprächen, die wir heute Morgen geführt haben, dass die Kolleginnen und Kollegen jetzt schon sehen, dass wir es wirklich ernst meinen mit diesen Reformen.“ Der Kanzler außerdem: „Es sind alle Argumente ausgetauscht und es wird jetzt durch eine Verschiebung nichts besser.“ Man werde nächste Woche im Bundestag definitiv über die Rente abstimmen. 

Merz-Kabinett: Neue Namen, alte Bekannte – die komplette Liste in Bildern

Friedrich Merz
Das Kabinett Merz ist die seit dem 6. Mai 2025 amtierende Bundesregierung unter der Führung von Kanzler Friedrich Merz. Es handelt sich um die fünfte schwarz-rote Koalitionsregierung und die 17. Regierung unter Führung der Unionsparteien auf Bundesebene. © Michael Kappeler/dpa
Nina Warken
Nina Warken hat bereits Geschichte geschrieben: Als erste Frau wurde sie im Juli 2026 Chefin des Bundeskanzleramtes. Die bisherige Bundesgesundheitsministerin übernahm das Amt von Thorsten Frei – und damit die zentrale Koordinationsstelle der Regierungsarbeit.  © Christoph Soeder/dpa
Linnemann
Im Zuge des Personalumbaus hat der bisherige CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann im Juli 2026 das Gesundheitsressort übernommen. Allerdings hat er vorab selbst Zweifel gesät, dass er wirklich der richtige Mann für den Job ist. Er wäre nach der Regierungsübernahme durch Merz gerne Arbeitsminister geworden, musste das Ressort aber der SPD überlassen. Dem Sender Phoenix hatte er im Mai 2025 zum Interesse an anderen Kabinettsposten gesagt, es sei nicht „sein Ding“, nur Minister zu sein, damit das irgendwo in Wikipedia stehe. „Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen.“  © Christoph Soeder/dpa
Steffen Bilger
Ebenfalls neu im Kabinett ist der neue Verkehrsminister Steffen Bilger (CDU). Er gilt als fachlich geeignet, ist sehr gut vernetzt, arbeitete in der schwarz-roten Koalition bislang aber vor allem im Hintergrund. Der gelernte Rechtsanwalt stammt aus Baden-Württemberg und ist ausgewiesener Verkehrsexperte: Er saß schon als frisch gebackener Bundestagsabgeordneter von 2009 bis 2013 im Verkehrsausschuss. Bei den Koalitionsverhandlungen nach der Wiederwahl von Angela Merkel (CDU) 2017 war er als Vertreter der Arbeitsgruppe Verkehr und Infrastruktur beteiligt. 2018 wurde er dann Parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium. © Marijan Murat/dpa
Sommerfest der SPD im Landkreis Verden
Und sonst? Lars Klingbeil ist als Vizekanzler weiter der zweite starke Mann in der Regierung Merz. Eigentlich brennt er für die Außenpolitik und geprägt durch den familiären Hintergrund als Soldatensohn am Heeresstandort Munster für Verteidigung. Jetzt steht er dem Finanzressort vor. Für Klingbeil, der im konservativen SPD-Flügel zuhause ist, könnte es das Sprungbrett für eine Kanzlerkandidatur 2029 sein - auch wenn manchen in der Partei aufstößt, mit welcher Skrupellosigkeit er sich zuletzt seine Macht sicherte. © Focke Strangmann/dpa
Alexander Dobrindt
Innenminister ist Alexander Dobrindt. Der bisherige Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag galt schon seit Wochen als gesetzt für den Posten, auf dem er die von der Union verlangte „Migrationswende“ umsetzen soll. Dobrindt war von 2009 bis 2013 CSU-Generalsekretär, danach vier Jahre Bundesverkehrsminister. Als CSU-Landesgruppenchef galt er als wesentlicher Faktor für die relativ geräuschlose Zusammenarbeit von CSU-Chef Markus Söder und Merz. © Sebastian Gollnow/dpa
Außenminister Wadephul bei der UN
Auswärtiges Amt: Johann Wadephul. Erstmals seit fast 60 Jahren führt die CDU wieder das Außenamt. Den Posten hat Merz, der im Kanzleramt maßgeblich auch die Außenpolitik mitgestalten will, nun an einen Fachpolitiker aus dem Bundestag vergeben. Wadephul kommt aus Schleswig-Holstein und ist bisher als stellvertretender Fraktionsvorsitzender für Außen- und Verteidigungspolitik zuständig. Er gilt als international gut vernetzt und war in den vergangenen Wochen bereits in Paris, London und Warschau, um sich mit den dortigen Außenministern zu treffen. © Michael Kappeler/dpa
Verteidigungsminister Pistorius besucht Objektschutzregiment
Verteidigungsminister Boris Pistorius war für die SPD gesetzt – schließlich ist er Deutschlands beliebtester Politiker. Als er im November 2023 „Kriegstüchtigkeit als Handlungsmaxime“ für die Bundeswehr ausrief, legte der Niedersachse die Latte hoch. Seit der Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse kann er sich über mangelnde Finanzierung nicht mehr beschweren. Der Jurist wurde in Osnabrück geboren, er arbeitete in mehreren niedersächsischen Regierungsstellen und war von 2006 bis 2013 Oberbürgermeister seiner Heimatstadt („das schönste Amt der Welt“). In den zehn folgenden Jahren war er Innenminister von Niedersachsen. 2023 übernahm er das Verteidigungsministerium von Christine Lambrecht und gewann in kurzer Zeit die Anerkennung der Truppe und der Verbündeten. © Hauke-Christian Dittrich/dpa
Bundeswirtschaftsministerin Reiche zu Energiekosten
Bundesministerin für Wirtschaft und Energie ist Katherina Reiche. Lange galt CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann als wahrscheinlicher Minister – doch der sagte ab und blieb auf seinem Posten an der Spitze der Parteizentrale. Merz entschied sich dann für die frühere Umwelt- und Verkehrsstaatssekretärin Reiche aus Brandenburg. Sie ist seit vielen Jahren in der Wirtschaft und war von 2015 bis 2019 zunächst Hauptgeschäftsführerin des Verbands kommunaler Unternehmen.  © Bernd von Jutrczenka/dpa
Bär Ministerin Söder Merz KAbinett
Forschung, Technologie und Raumfahrt: Dorothee Bär. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende war schon von 2018 bis 2021 als Staatsministerin für Digitales im Kabinett von CDU-Kanzlerin Angela Merkel. Bär kam 2002 zusammen mit vielen anderen jungen Christsozialen während der Kanzlerkandidatur von Edmund Stoiber erstmals in den Bundestag. Bei der Bundestagswahl 2025 erzielte sie in ihrem Wahlkreis Bad Kissingen das deutschlandweit höchste Ergebnis. © Heiko Becker/Imago
Aktionsplan Steuer- und Finanzkriminalität
Justiz: Stefanie Hubig. Die SPD-Politikerin begann 2000 im Bundesjustizministerium und stieg zur Referatsleiterin auf. 2008 ging sie nach Mainz: Erst in die Staatskanzlei, 2009 übernahm sie die Leitung der Abteilung Strafrecht im Justizministerium. Hubig wurde 2014 Staatssekretärin im Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz. Justizminister war damals ihr Parteikollege Heiko Maas. Beide gerieten mit dem damaligen Generalbundesanwalt Harald Range aneinander: Dabei ging es um später eingestellte Ermittlungen gegen zwei Blogger von Netzpolitik.org wegen Landesverrats. © Michael Kappeler/dpa
Karin Prien Bildungsministerin FAmilie merz Kabinett
Karin Prien – Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Die in Amsterdam geborene Prien arbeitete zu Beginn ihrer Karriere als Rechtsanwältin im Bereich Wirtschafts- und Insolvenzrecht, engagierte sich aber auch früh in der Hamburger Lokalpolitik. 2011 wurde sie in die Bürgerschaft gewählt, bevor sie nach Schleswig-Holstein wechselte. Im „Zukunftsteam“ des gescheiterten Unions-Kanzlerkandidaten Armin Laschet war sie 2021 gleichfalls für den Bereich Bildung zuständig. © Jens Schicke/Imago
Bas Ministerin Arbeit Kabinett
Bodenständig, geradlinig, klar: Als Bundestagspräsidentin hat sich Bärbel Bas einen guten Ruf erworben. Zuvor war die Duisburgerin einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Sie sitzt seit 2009 im Bundestag und kümmerte sich unter anderem um Gesundheitspolitik. Ihre unkomplizierte Art mag mit der Herkunft zu tun haben: Die neue Bundesministerin für Arbeit und Soziales wuchs als zweitälteste von sechs Geschwistern in materiell einfachen Verhältnissen auf. Spielen, so erzählte Bas später, musste sie als Kind draußen, weil im Kinderzimmer zu wenig Platz war. © Imago
Pressekonferenz Wildberger und Warken
Digitalisierung und Staatsmodernisierung: Karsten Wildberger. Merz hat ganz früh angekündigt, dass er einen Experten aus der Wirtschaft mit dem neu geschaffenen Ressort betrauen will. Nun soll der Chef der Holding der Elektronikmärkte MediaMarkt und Saturn den Posten übernehmen. Der promovierte Physiker Wildberger war von 2016 bis 2021 Vorstand der Holding des Energiekonzerns Eon und davor unter anderem in Managementpositionen bei den Telekom-Konzernen Vodafone und Deutsche Telekom. © Soeren Stache/dpa
Fortsetzung der Sommerreise von Bundesumweltminister
Umwelt und Klimaschutz: Carsten Schneider war in der Ampel-Regierung von Olaf Scholz Staatsminister und Beauftragter für Ostdeutschland. Damit war er eine der profiliertesten Stimmen dieser Region und sollte vor allem für gleichwertige Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Bundesländern sorgen. Schneider stammt aus Erfurt und sitzt bereits seit 1998 im Bundestag. Dort war er unter anderem Haushaltspolitiker, stellvertretender Fraktionsvorsitzender und erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Der 49 Jahre alte Bankkaufmann gilt als pragmatisch, erfahren und vielseitig einsetzbar.  © Stefan Sauer/dpa
90. Grüne Woche Berlin - Eröffnungstag
Ernährung, Landwirtschaft und Heimat: Alois Rainer. Nach dem Rückzug des zunächst vorgesehenen bayerischen Bauernpräsidenten Günther Felßner ist der Niederbayer zum Zug kommen. Der 60 Jahre alte Metzgermeister sitzt seit 2013 im Bundestag. Schon sein gleichnamiger Vater saß 18 Jahre im Bundestag, seine Schwester ist die ehemalige Bundesbau- und Gesundheitsministerin Gerda Hasselfeldt. © Sebastian Gollnow/dpa
Reem Alabali-Radovan
Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung: Reem Alabali-Radovan hat eine steile politische Laufbahn hingelegt. Zuletzt war sie Integrationsbeauftragte der Ampel-Regierung. Nun folgt der nächste Schritt auf der Karriereleiter der Schwerinerin. Geboren wurde Alabali-Radovan 1990 in Moskau. Im Alter von sechs Jahren kam sie mit ihrer Familie, die vor den politischen Verhältnissen im Irak floh, nach Mecklenburg-Vorpommern. Als Integrationsbeauftragte setzte sie sich unter anderem gegen Racial Profiling ein, also die verdachtsunabhängige polizeiliche Kontrolle von Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe und anderen ethnischen oder religiösen Merkmalen. Alabali-Radovan ist verheiratet mit dem Profiboxer Denis Radovan und bekam 2023 eine Tochter.  © Katharina Kausche/dpa
Verena Hubertz
Die neue Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen ist eine politische Senkrechtstarterin: Verena Hubertz ist seit 2021 Bundestagsabgeordnete und wurde direkt stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende, zuständig unter anderem für Wirtschaft, Klimaschutz und Energie, Bauen und Wohnen. Oft führte sie in der Ampel-Koalition Verhandlungen mit Politikern von Grünen und FDP, wenn es um strittige Fragen ging. Laute Töne sind nicht ihr Fall. Die Triererin und Betriebswirtin hat eine für Politiker eher ungewöhnliche Biografie. 2013 gründete sie mit einer Studienkollegin das Küchen-Start-up Kitchen Stories. Die Idee: in Videos und Schritt für Schritt zu zeigen, wie einfach Kochen sein kann.  © Kay Nietfeld/dpa
Patrick Schnieder
Bis Juli 2026 war Patrick Schnieder Bundesminister für Verkehr. Verkehr. Merz hat ihn entlassen, weil er mit seiner Amtsführung unzufrieden war – besonders bei den Dauerkrisenherden Schienennetz und Infrastruktur. Die Entlassung Schnieders nach nur gut einem Jahr im Amt stieß in der CDU teilweise auf heftige Kritik. © Sven Kaeuler/dpa
Jens Spahn
Auslöser für den Kabinettsumbau im Juli 2026 war der Rücktritt von Jens Spahn als Unions-Fraktionschef. Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz nahm den Wechsel an der Fraktionsspitze zum Anlass, die CDU in Regierung und Partei neu aufzustellen. © Michael Kappeler/dpa
Thorsten Frei
Umbau auch in der Union: Thorsten Frei übernahm den Vorsitz der Unionsfraktion im Bundestag. Er war bisher Kanzleramtsminister. Frei steht für eine unverwüstlich wirkende Freundlichkeit, gepaart mit geduldiger Erklärlust. Trotz seiner nach außen getragenen Sanftmütigkeit steht wr inhaltlich für Härte. Die innere Sicherheit und die Begrenzung der Migration zählen zu den Kernthemen des Innenexperten, der als Sohn eines Polizisten in Südbaden aufgewachsen ist. © Michael Kappeler/dpa
Franziska Hoppermann
Für Linnemann wurde Franziska Hoppermann als CDU-Generalsekretärin ins Amt gewählt. Die bisherige Bundesschatzmeisterin gilt als arbeitnehmernah und hat ein starkes Profil in der Frauen Union.  © Christoph Soeder/dpa
Philipp Amthor
Philipp Amthor bekam eine Schlüsselrolle bei der föderalen Zusammenarbeit. Er wurde von Merz zum neuen Staatsminister im Kanzleramt für die Bund-Länder-Beziehungen ernannt, der bisherige Amtsinhaber Michael Meister musste gehen. Amthor war bisher parlamentarischer Staatssekretär im Digitalministerium. © Christoph Soeder/dpa
Christiane Schenderlein
Christiane Schenderlein wird Nachfolgerin von Tino Sorge als parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium. Sie war bisher Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Kanzleramt.  © Kay Nietfeld/dpa
Wolfram Weimer
Er bleibt Kulturstaatsminister: Wolfram Weimer. Er will aber nur für eine Legislaturperiode im Amt bleiben. 2003 war er Gründer des Berliner Magazins „Cicero“, das er bis 2010 leitete. Zuvor arbeitete er als Journalist bei der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ sowie bei den Zeitungen „Die Welt“ und „Berliner Morgenpost“. Nach „Cicero“ war er bis 2012 Chefredakteur des Magazins „Focus“. Anschließend gründete Weimer gemeinsam mit seiner Frau, der früheren „FAZ“-Journalistin Christiane Götz-Weimer, die Weimer Media Group. © Georg Wendt/dpa

Die Aktivrente solle zum 1. Januar 2026 in Kraft treten, deswegen sei Eile geboten. Merz verspricht: „Wir werden nächstes Jahr um diese Uhrzeit in den Beratungen sein für ein umfassendes Paket einer neuen Gesamtversorgung in Deutschland.“ 

Der Kanzler räumt ein: Es gebe Parteikollegen, die hinsichtlich der Zustimmung der Jungen Union skeptischer seien, „aber ich bin nicht skeptisch, dass es misslingt, sondern zuversichtlich, dass es gelingt“. Wenn Abgeordnete aus Gewissensgründen das Rentenpaket ablehnten, sei das zu akzeptieren. Der Rentenentwurf sei aber aus seiner Sicht „keine Gewissensfrage, sondern eine Frage der politischen Einschätzung und des politischen Vertrauens“. Damit ist die Pressekonferenz von Merz, Klingbeil und Söder beendet.

Merz-Statement zur Rente live: Junge Union will am Dienstag über Zustimmung zum Gesetz entscheiden

Update, 10:15 Uhr: Merz antwortet in der Live-PK auf die Frage eines Journalisten, wie die Junge Union zu den Beschlüssen stehe: Es habe bei den Besprechungen heute Morgen „eine Reihe von sehr konstruktiven, auch nachdenklichen Wortmeldungen gegeben“. Näheres solle am kommenden Dienstag in der Fraktionssitzung besprochen werden, auch über „die endgültige Entscheidung über unsere Zustimmung zu diesem Gesetzgebungswerk“. Heißt: Endgültig signalisiert, dass sie dem Rentenpaket zustimmen will, hat die Junge Union nicht. Merz betont trotzdem: „Ich rechne mit Zustimmung.“ Er habe auch angeboten, am Wochenende noch einmal mit den Jungen Abgeordnete zu diskutieren.

Update, 10:04 Uhr: Söder sagt in der Pressekonferenz zur Rente, „es war natürlich knifflig und es ist nicht so, dass da jetzt jeder Hurra ruft“. Der CSU-Chef betont: „Die Rentenkommission ist kein Feigenblatt“, es gebe „keine Denkverbote, keine Tabus“. Die Junge Union werde eine „zentrale Rolle in dieser Rentenkommission“ bekommen und habe damit die „Chance, Realpolitik zu verändern”, anstatt einfach nur Nein zu sagen.

Der vergrößerte Kapitalstock bei der Frühstartrente sei für Deutschland etwas ganz Neues. „Meine Empfehlung war, dem am Ende zuzustimmen. Es ist nie alles 1:1 so wie man es sich wünscht, aber das ist in einer Demokratie so.“ Söder betont, die Einigung des Koalitionsausschusses auf mehrere Punkte wie auch die Rente sei „schlecht für die Radikalen“. „Wenn die demokratische Mitte es nicht schafft, Lösungen zu finden, dann ist es die eigentliche Selbstaufgabe.“ Deshalb habe man gestern „einen richtig guten Sprung nach vorne gemacht“. Jetzt gehe es weiter, „eines ist gelöst, die nächsten Aufgaben stehen an“.

Klingbeil bei PK zur Rente live: „Die Vereinbarung gilt“

Update, 9.52 Uhr: „Gestern ist sehr klar geworden, die Verabredung gilt”, sagt SPD-Chef Klingbeil bei der PK zur Rente. Die Renten-Kommission solle keine „Laberrunde“ sein, sondern eine grundsätzliche Reform zur Rente präsentieren, darin seien sich alle am Tisch im Koalitionsausschuss einig gewesen. „Wichtig für uns ist, dass Verabredungen gelten, dass die Haltelinie steht“, so Klingbeil deutlich. Jede fünfte Person sei heute in der Rente armutsgefährdet, die Rente müsse daher gestärkt werden. Der Vizekanzler betont die gute Stimmung in der Koalition: „Das Bild, es ist alles verhakt, passt nicht zu dem, was ich gestern erlebt habe.“

Update, 9:44 Uhr: Merz spricht jetzt bei der PK zur Rente. „Wir schlagen den Fraktionen vor, den Gesetzentwurf in der nächsten Woche zu verabschieden“, stellt der Kanzler klar. „Der Gesetzentwurf soll nicht mehr geändert werden.“ Es solle aber parallel ein Entschließungsantrag verabschiedet werden, „der sich in umfassenden Sinne äußert zu den Notwendigkeiten einer Reform”.

Eine Reformkommission solle spätestens bis Juni 2026 ihre Vorschläge vorlegen, dann folge eine „umfassende Reform des gesamten Altersvorsorgesystems in Deutschland”. Die private und betriebliche Altersvorsorge werde sehr viel stärker betont. „Das wird eine große Anstrengung für uns, aber wir wollen sie leisten, weil wir wissen, dass wir einen großen Reformstau haben.“

Zur privaten Altersvorsorge sollen „aus dem Aktienbestand des Bundes“ 10 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden und deren Erträge zusätzlich verwendet werden für die private Altersvorsorge der jungen Generation. 

Merz zollte „großen Respekt“ für das große Engagement der jungen Gruppe. Es seien „gute, sorgfältige gewissenhafte Diskussionen“ gewesen. „Ich habe der Jungen Gruppe zugesagt, dass wir mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und großer Entschlossenheit in die Reformdiskussion gehen.” 

Update, 9.29 Uhr: Die Pressekonferenz zum Koalitionsausschuss beginnt in wenigen Minuten live. Erste Ergebnisse sickerten schon durch: Das Rentenpaket soll bleiben, ein Begleittext soll aber den Skeptikern der Jungen Union entgegenkommen. Darin enthalten sein soll laut Ntv auch die Möglichkeit eines späteren Renteneintritts und die Kopplung der Rentenentwicklung an die Inflation statt an die Löhne. Ein Reporter von Ntv berichtet aktuell, dass Junge Union-Chef Johannes Winkel heute Morgen alles andere als glücklich über Merz‘ Kompromiss zur Rente sein soll.

Pressekonferenz zur Rente: Merz-Plan zur Besänftigung der Jungen Union sickert durch

Update, 8.58 Uhr: Auch laut Spiegel gibt es in der Koalition eine Einigung zur Rente. Abweichler in der Jungen Union sollen durch einen Begleittext im Gesetz besänftigt werden, heißt es. Der Passus sehe vor, dass die umstrittene Haltelinie nach 2031 von der Rentenkommission überprüft werde. SPD und Union sollen sich außerdem auf einen „Nachholfaktor” geeinigt haben, um den zusätzlichen Finanzbedarf in der Zukunft wieder zurückzuführen.

Der Spiegel berichtet über ein 10-Milliarden-Aktienpaket, dass die Regierung für die private Altersvorsorge junger Menschen auflegen will. Merz und Fraktionschef Spahn sollen am Morgen in der Unionsfraktion eindringlich für den Kompromiss geworden haben. Laut Ntv soll es in der Fraktionssitzung Applaus für Merz gegeben haben.

Merz-Regierung einig: Rentenpaket bleibt – erste Details sickern durch

Update, 8.33 Uhr: Heute um 9.30 Uhr wollen Friedrich Merz (CDU), Lars Klingbeil (SPD) und Markus Söder (CSU) bei einer Pressekonferenz verkünden, wie ihre Entscheidung zum Rentenpaket aussieht. Über Ergebnisse wurde zunächst offiziell nichts bekannt. Die Bild will aus Koalitionskreisen erfahren haben, dass das Rentenpaket bleibt, wie es ist. Dem bisherigen Gesetzentwurf solle aber ein Baustein hinzugefügt werden, wonach die junge Generation nicht allein die finanzielle Last eines höheren Rentenniveaus tragen muss.

Offenbar will die Regierung ein zehn Milliarden schweres Aktienpaket auflegen, zur Stärkung der privaten Altersvorsorge der jungen Generation. Noch im Dezember soll Finanzminister Klingbeil eine entsprechende Reform der privaten Altersvorsorge vorlegen. „Die Details des Konzepts wird der Koalitionsausschuss am 10. Dezember 2025 beschließen“, zitiert Bild aus dem Beschlusspapier.

Ob der Jungen Union diese Zusage reicht, ist offen. Bereits am frühen Morgen sollen sich Kanzler Merz und Kanzleramtschef Thorsten Frei mit Vertretern der Jungen Gruppe beraten haben.

Merz-Regierung soll sich einig sein: Rentenpaket bleibt – Krisensitzung mit Junger Union läuft

Berlin – Nach stundenlangen Verhandlungen im Kanzleramt bis 1.30 Uhr in der Nacht soll es eine Entscheidung zum Rentenpaket der Bundesregierung geben. Die Bild will erfahren haben, dass Kanzler Friedrich Merz und SPD-Chef Lars Klingbeil nach der rund sechs Stunden langen Sitzung des Koalitionsausschusses am bisherigen Rentengesetz unverändert festhalten wollen. Offiziell bestätigt ist dies aber nicht.

Seit 8 Uhr tagt aktuell die CDU/CSU-Fraktion, diese wird über die Beschlüsse der nächtlichen Sitzung informiert. Um 9.30 Uhr soll laut BR die Öffentlichkeit informiert werden. Zur Pressekonferenz werden Merz, Klingbeil und CSU-Chef Markus Söder erwartet. Das Kabinett diskutierte außer zur Rente auch zum Verbrenner-Aus und zum Heizungsgesetz.

Nach Marathon-Krisensitzung im Kanzleramt: Merz, Klingbeil und Söder geben Pressekonferenz

Die Junge Union lehnt das Rentenpaket in seiner bisherigen Form ab und könnte die Abstimmung im Bundestag zum Scheitern bringen. Wie sich die Union aus dieser Bredouille retten will, ist unklar.

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf nannte im ZDF-„Morgenmagazin“ keine Details zu Fortschritten. Teilnehmer hätten ihm jedoch von „wirklich guter“ und „konstruktiver“ Stimmung berichtet. Klüssendorf zeigte sich „extrem sicher“, dass die umstrittenen Rentenpläne noch in diesem Jahr verabschiedet werden. Das Vorhaben sieht vor, das Rentenniveau bis 2031 bei mindestens 48 Prozent zu stabilisieren. Nach 2031 soll das Rentenniveau im bisherigen Gesetzesentwurf ebenfalls über dem gesetzlich vorgeschriebene Wert liegen. Dagegen rebellierte die Junge Union in den letzten Wochen massiv.

Spahn soll bei Ablehnung des Rentenpakets im Bundestag mit Folgen gedroht haben

Unions-Fraktionschef Jens Spahn soll in den vergangenen Tagen die jungen Abgeordneten in die Mangel genommen haben, um sie zu einer Zustimmung zum Rentenpaket zu bewegen. Wie die Bild und die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtete, soll Spahn dabei auch mit dem Verlust von Listenplätzen für den Wiedereinzug in den Bundestag gedroht haben. Spahn weist dies von sich.

Nach bisherigen Stand wollen die Abweichler ihren Widerstand gegen den Gesetzesentwurf zur Rente trotzdem nicht aufgeben, Laut FAZ „kleben die Jungen nicht an ihren Sitzen“ und wollen sich ihre Zustimmung nicht erkaufen lassen.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler / dpa

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