Start am 01. Juni
9-Euro-Ticket: Viel Wirbel um nichts? Chaos bleibt an Tag 1. aus
Die Sorgen um volle Züge im Berufsverkehr zum Start des 9-Euro-Tickets waren groß. Zumindest für Tag 1. gilt: Zu Unrecht.
Berlin – Das 9-Euro-Ticket gilt seit dem 01. Juni in Bus und Bahn. Die Befürchtungen in Deutschland waren groß, es könnte im Berufsverkehr zu Einschränkungen des ÖPNV kommen. Erste Daten für Tag 1. des vergünstigten Monatstickets legen nahe, dass die Sorgen möglicherweise unnötig waren – zumindest vorerst, denn: Der Berufsverkehr hat, was den Individualverkehr angeht, nur wenig Veränderung gezeigt. An Bahnhöfen blieb das Chaos aus. Über den Erfolg des Tickets sagt das nichts aus.
9-Euro-Ticket für Bus und Bahn: Keine Probleme im Berufsverkehr an Tag 1.
Es ist Tag 1. der Maßnahme aus dem Entlastungspaket 2022: Seit dem ersten Juni gilt das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn. Die Befürchtungen und Warnungen vor überlasteten Bahnstrecken waren ebenso groß wie die Hoffnungen der Politik, mit der Monatskarte die Verkehrswende zu beflügeln. Während die Auswirkungen auf letztere nicht abgeschätzt werden können, kann mit Blick auf den Berufsverkehr gesagt werden, dass es zu Beginn zu keinen größeren Veränderungen gekommen ist. Ein umfassender Umstieg auf den ÖPNV ist bisher nicht zu verzeichnen, das befürchtete Chaos an Bahnhöfen gab es nicht.
Grundlage dieser Einschätzung ist eine Analyse des Verkehrsdatenexperten TomTom im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur. Die Auswirkungen sehen laut der Auswertung in zehn deutschen Großstädten und Regionen wie folgt aus: Insgesamt gab es etwas weniger und kürzere Staus als am Vortag beziehungsweise dem Mittwoch zwei Wochen zuvor. Der generelle Verkehrsfluss kann nicht einheitlich beurteilt werden: An einigen Orten wurde er besser, an anderen schlechter. An Bahnhöfen blieb es ebenfalls ruhig, ein Bahnsprecher sagte laut SWR: „Der Blick auf die Betriebslage zeigt, es war ein ruhiger Start“, er ergänzte: „Die Züge waren nicht übermäßig stark belegt, aber heute ist eben auch ein ganz normaler Arbeitstag.“
Verkehrswende: Hoffnungen auf das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn
Während immer wieder vor überfüllten Zügen im Rahmen des 9-Euro-Tickets für Bus und Bahn gewarnt wurde, hoffen Teile der Politik gewissermaßen genau darauf: Das Monatsticket soll möglichst viele Menschen dazu bewegen, langfristig das Verkehrsmittel zu wechseln. Es geht um eine Abkehr vom Individualverkehr und eine zunehmende Hinwendung zum ÖPNV. Der günstige Fahrschein, der in einigen Regionalzügen doch nicht gilt, soll einen Anreiz zum Umstieg bieten, das würde der Verkehrswende helfen.
Wie groß dieser Anreiz tatsächlich ist, ist sehr fraglich. Das muss nicht an einem Unwillen der Bevölkerung zur Nutzung des ÖPNV liegen, sondern hat verschiedene Faktoren: Zum einen wäre da die nach wie vor ausbaufähige Infrastruktur in Teilen des ländlichen Raums. Der größte Faktor ist jedoch vermutlich, dass es sich um ein zeitlich eindeutig befristetes Angebot handelt. Die Maßnahme gilt lediglich für die drei Monate Juni, Juli und August. Insbesondere die Perspektiven für danach dürften wenig Motivation zum Umsatteln auf den Nahverkehr erzeugen: Verkehrsbetriebe haben bereits angekündigt, nach dem 9-Euro-Ticket könnten Karten teurer sein, als davor.
Interesse an 9-Euro-Ticket groß: Über sieben Millionen verkaufte Fahrscheine
Ein Scheitern des 9-Euro-Tickets, bei dem auch Kostenfallen lauern, lässt sich in die ersten Auswertungen bisher nicht interpretieren. Die Schlüsse, die sich aus dem ersten Tag ableiten lassen, sind nur bedingt aussagekräftig, das meint auch Ralf Peter Schäfer von TomTom. Er sagte der dpa: „Inwieweit auch so etwas wie Neugierde auf das 9-Euro-Ticket oder eine Erwartungshaltung hinsichtlich überfüllter Bahnen und Busse oder Probleme beim Tanken einen Einfluss auf den Autoverkehr in der Früh hatte, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abschließend sagen.“
Es bleibt also auch die nächsten Tage abzuwarten. Das Interesse am generellen Fahrschein ist ungebrochen groß: Bisher wurden sieben Millionen 9-Euro-Tickets verkauft, das geht nun auch über den DB-Navigator. Ein grundsätzliches Scheitern ist das beileibe nicht. Denkbar wäre, dass die Tickets vor allem im Freizeitbereich genutzt werden, doch auch das ist Spekulation. Keine Spekulation ist, dass der ÖPNV nach dem 9-Euro-Ticket wieder teurer wird – deutlich. Ob er für viele Menschen dann noch eine Alternative ist, ist zweifelhaft. Es gibt Nachbesserungsbedarf.
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