Leihmutter-Affäre

Spahn-Rücktritt: Rätsel um Nachfolge – Merz kündigt Gespräche mit Söder an

Jens Spahn tritt wegen der Leihmutterschafts-Affäre als Unionsfraktionschef zurück. Seine Nachfolge soll schnell geregelt werden.

Update, 15:07 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) legt sich noch nicht auf einen genauen Zeitpunkt für die Verkündung des Vorschlags für die Nachfolge von Unionsfraktionschef Jens Spahn fest. Bei einer Pressekonferenz mit dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev in Berlin verwies er darauf, dass die Wahl für den 29. Juli geplant sei und er mit Söder verabredet sei, „zeitnah“ einen Vorschlag zu machen, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet. Später sagte er aber auch: „Wir werden uns damit auch noch etwas Zeit lassen.“

Update, 12:55 Uhr: Innenminister Alexander Dobrindt gilt als einer der möglichen Spahn-Nachfolger – der CSU-Politiker hält sich jedoch strikt bedeckt: Er wolle sich nicht an Personalspekulationen beteiligen und keine „falsche Spur“ legen, betonte er auf einer Pressekonferenz in Berlin, und blockte entsprechende Nachfragen ab.

Stattdessen pochte Dobrindt auf ein geordnetes Verfahren und verwies auf die laufenden Beratungen der Parteichefs Friedrich Merz und Markus Söder. „Alles, was ich als Hinweis geben würde, würde ja nur irgendeine Spur legen, die dann eine ganz sicher falsche Spur wäre. Das will ich nicht“, sagte Dobrindt laut dpa.

Alexander Dobrindt gilt als erfolgreichster Minister des Kabinetts Merz.

Während CDU um Spahn-Nachfolge ringt: Wadephul zeigt sich in Afrika demonstrativ unbeeindruckt

Update, 12:01 Uhr: Außenminister Johann Wadephul (CDU) lässt sich auf seiner Afrikareise nicht von der aktuellen Nachfolgedebatte um den zurückgetretenen Unionsfraktionschef Jens Spahn beirren. Ein Journalist hatte ihn laut dpa am Rande seines Besuchs in der mauretanischen Hauptstadt Nouakchott gefragt, was es persönlich für ihn bedeute, an einem Tag wie diesem fernab der Heimat zu sein.

Wadephul reagierte darauf gelassen: „Ich weiß die Geschicke der CDU/CSU-Fraktion bei allen Verantwortlichen in allerbesten Händen.“ Es sei daher genau das Richtige, was er dort mache. Er betonte: „Ich tue meine Arbeit als Außenminister dieser Regierung und andere sorgen dafür, dass die Nachfolgefrage für die in der Tat sehr wichtige Position an der Spitze der Fraktion gut vorbereitet wird.“

Historische Momente bei der Kanzlerwahl von Friedrich Merz

NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz
Vor dem ersten Wahlgang zur Kanzlerwahl im Bundestag war die Stimmung bei der Union noch bestens. NRW-Ministerpräsident Hendrick Wüst herzte CDU-Parteichef Friedrich Merz. Der wirkte entspannt und lächelte. Kurz darauf kippte die Stimmung. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn
Auch beim eigentlichen Koalitionspartner der CDU herrschte vor dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl im Bundestag noch eine gelöste Atmosphäre. SPD-Parteichef Lars Klingbeil plauderte mit Friedrich Merz und Jens Spahn. Klingbeil soll im schwarz-roten Kabinett unter Merz den Posten des Finanzministers übernehmen. Dafür muss der CDU-Chef aber erst einmal die Kanzlerwahl gewinnen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Bei der Wahl des Bundeskanzlers waren auch Prominente anwesend. Auf der Besuchertribüne im Bundestag zu sehen waren unter anderem Altkanzlerin Angela Merkel (CDU), Astronaut Alexander Gerst (hinten) und DFB-Präsident Bernd Neuendorf (rechts). © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Da schien die Welt noch in Ordnung: Der designierte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) gab im Bundestag bei der Kanzlerwahl seinen Stimmzettel ab.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Eine erste Krisenrunde? Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU, Mitte) sprach kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses der ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl mit Angehörigen des Bundestagspräsidiums.  © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Dann war es so weit: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) verkündete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl. Friedrich Merz erhielt in geheimer Abstimmung 310 von 621 abgegebenen Stimmen und damit sechs weniger als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. © Sebastian Gollnow/dpa
Bundestagspräsidentin Julia Klöckner
Sie hatte sich ihren ersten wichtigen Arbeitstag als Bundestagspräsidentin sicher anders vorgestellt: Julia Klöckner leitete die Sitzung, in der das Parlament den Bundeskanzler wählen sollte. So fiel der CDU-Politikerin auch die Aufgabe zu, die Niederlage ihres Parteichefs Friedrich Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zu verkünden. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Union hatte auf ein anderes Ergebnis gehofft: Friedrich Merz (CDU) zwischen Alexander Dobrindt (CSU) und Jens Spahn (CDU).  © Michael Kappeler/dpa
Jens Spahn und Friedrich Merz
Nachdem Bundestagspräsidentin Julia Klöckner das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl verkündet hatte, unterbrach sie die Sitzung. Im Plenarsaal des Reichstags wurde es kurz hektisch. Fraktionsvorsitzender Jens Spahn kam mit Friedrich Merz und weiteren CDU-Politikern zusammen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. © TOBIAS SCHWARZ/AFP
Bundestag - Kanzlerwahl
Danach war erst einmal Pause angesagt: „Sitzungsunterbrechung“ stand nach dem ersten Wahlgang auf einem Bildschirm im Plenarsaal im Bundestag. Die Kanzlerwahl war zunächst vertagt. © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Im ersten Wahlgang brachten CDU, CSU und SPD die Kanzlermehrheit nicht zustande. Es galt, Fragen zu klären. Der designierte Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD, Mitte) suchte dabei auch das Unions-Fraktionsbüro auf. © Michael Kappeler/dpa
Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz
Gesprochen hat Klingbeil dabei sicher auch mit Friedrich Merz (CDU). In der Union wurde vermutet, dass die fehlenden Stimmen aus der SPD gekommen seien. Doch aus Klingbeils Umfeld hieß es, es gebe keine Hinweise auf Abweichler in den eigenen Reihen. Darauf deute auch das Mitgliedervotum von 85 Prozent für den Koalitionsvertrag hin. „Auf uns ist Verlass.“ © Michael Kappeler/dpa
Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour
Kurz nach seiner Niederlage im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl befindet sich Friedrich Merz im Gespräch mit Omid Nouripour. Der ehemalige Vorsitzende der Grünen ist ebenfalls Abgeordneter des Bundestags. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Schloss Bellevue
Eigentlich sollte Friedrich Merz nach der Kanzlerwahl und als frisch gewählter Regierungschef ins Schloss Bellevue fahren, um sich dort von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vereidigen zu lassen. Doch die geplante Zeremonie musste nach der überraschenden Pleite von Merz im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl zunächst verschoben werden.  © JOHN MACDOUGALL/AFP
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz
Charlotte Merz, die Ehefrau von CDU-Chef Friedrich Merz, verfolgte die Niederlage ihres Mannes im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl auf der Besuchertribüne des Bundestags. Beistand erhielt sie dort von den gemeinsamen Töchtern Carola Cluesener (2.v.l.) und Constanze Merz (l.). Die Stimmung der Frauen aus der Familie Merz dürfte nach Bekanntgabe des Ergebnisses nicht die Beste gewesen sein. © RALF HIRSCHBERGER/AFP
Angela Merkel zu Gast im Bundestag
Das Amt, das Friedrich Merz anstrebt, hatte Angela Merkel ganze 16 Jahre inne. Als Bundeskanzlerin führte die damalige CDU-Chefin in dieser Zeit gleich mehrere Koalitionen. Einen ersten Wahlgang verlor sie bei der Kanzlerwahl genausowenig wie ihre Vorgänger. Das ist in der Geschichte der Bundesrepublik bislang nur Friedrich Merz gelungen. © Imago
AfD Parteichefin Alice Weidel
Selbstredend versuchte die AfD, das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl medial für sich auszuschlachten. „Herr Merz sollte direkt abtreten und es sollte der Weg geöffnet werden für Neuwahlen in unserem Land“, forderte Parteichefin Alice Weidel. Diese Forderung kommt nicht überraschend. Die AfD, die vor kurzem vom Verfassungsschutz in ihrer Gesamtheit als rechtsextremistisch eingestuft wurde, liegt in vielen aktuellen Umfragen gleichauf mit der CDU. © Christian Thiel/imago
AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland
Noch im Plenarsaal beriet sich AfD-Chefin Alice Weidel nach dem ersten Wahlgang der Kanzlerwahl mit Alexander Gauland. Der ehemalige Vorsitzende der Rechtspopulisten ist der älteste Abgeordnete des Bundestags. Doch auch für ihn ist die Situation, dass ein Kanzlerkandidat wie Friedrich Merz seine Wahl im Bundestag verliert, neu. © IMAGO/Frederic Kern
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen
Thorsten Frei soll im Kabinett von Friedrich Merz den wichtigen Job des Kanzerlamtsministers übernehmen. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs bei der Kanzlerwahl ließ auch den 51 Jahre alten CDU-Politiker, der als enger Vertrauter von Merz gilt, zunächst ratlos zurück. © IMAGO/dts Nachrichtenagentur
der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken
Beim historischen Debakel von Friedrich Merz war auch der Co-Vorsitzende der Linken, Jan van Aken, anwesend. Das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl sei aber nicht nur ein Niederlage für Friedrich Merz, sondern auch für seinen designierten Vizekanzler, SPD-Chef Lars Klingbeil. Er wisse nicht, wie es nach dieser „Klatsche für Merz und Klingbeil“ nun weitergehen würde. „Vielleicht war es nur ein Schuss vor den Bug“, mutmaßte Van Aken im Gespräch mit dem ZDF. Es sei aber auch denkbar, dass Merz sogar die eigene Partei nicht hinter sich habe bringen können. © IMAGO/Emmanuele Contini
Frankfurter Börse
Die politische Unsicherheit durch das Scheitern von Friedrich Merz (CDU) im ersten Wahlgang zum Bundeskanzler machte sich auch an der Börse bemerkbar. Der Deutsche Aktienindex (Dax) sackte nach der Bekanntgabe des Ergebnisses zunächst spürbar ab. Gegen 11.30 Uhr notierte der Index bei rund 22.900 Punkten und somit rund 300 Punkte niedriger als anderthalb Stunden zuvor.  © Arne Dedert/dpa
Kanzlerwahl - Pressestatement CSU
Nach dem Scheitern von CDU-Chef Friedrich Merz im ersten Durchgang der Kanzlerwahl warnte der CSU-Vorsitzende Markus Söder in einem Statement in München vor unkalkulierbaren Folgen für Deutschland und die Demokratie. Die Gefahr eines Scheiterns der neuen Regierung könne „ein Vorbote von Weimar sein, denn die Folgen sind unabsehbar“, erklärte Söder. © Sven Hoppe/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Die Grünen wollen Merz mit ihren Stimmen nicht zur Kanzlerschaft verhelfen. „Wir sagen ganz klar: Bündnis 90/Die Grünen werden Friedrich Merz nicht wählen“, sagte Fraktionschefin Britta Haßelmann (rechts) nach einer längeren Sitzung ihrer Fraktion im Bundestag. Co-Fraktionschefin Katharina Dröge (links) verwies darauf, dass Bundestagspräsidentin Julia Klöckner nun „Herrin des Verfahrens“ sei und einen Vorschlag unterbreiten müsse, „wie schnell es möglich ist, in einen zweiten Wahlgang einzusteigen“. © Sebastian Gollnow/dpa
Olaf Scholz bezeichnete das Ergebnis des ersten Wahlgangs der Kanzlerwahl als „absurd“
523354871.jpg © Kay Nietfeld/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Trotz seiner überraschenden Pleite im ersten Wahlgang zeigte sich Merz danach entschlossen, erneut anzutreten. Dafür soll er große Rückendeckung seiner Fraktion bekommen haben.  © Michael Kappeler/dpa
Bundestag - Kanzlerwahl
Noch am 6. Mai hat der Bundestag mit der erforderlichen Zweidrittelmehrheit einen zweiten Wahlgang für die Wahl des Bundeskanzlers am Nachmittag angesetzt. Die Fraktionen von Union, SPD, Grünen und Linken hatten dies nach dem gescheiterten ersten Wahlgang gemeinsam beantragt. Nach einer kurzen Debatte machten sich die Abgeordneten auf den Weg, um ihre Stimme abgeben zu können. © Sebastian Gollnow/dpa
Kanzlerwahl
Im zweiten Anlauf wurde Merz dann doch im Bundestag zum zehnten Kanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt. Er erhielt in geheimer Abstimmung 325 Ja-Stimmen und damit neun mehr als die nötige Mehrheit von 316. Die Koalitionsfraktionen CDU/CSU und SPD haben zusammen 328 Sitze im Parlament. Merz nahm die Wahl an. „Ich bedanke mich für das Vertrauen, und ich nehme die Wahl an“, sagte er auf eine entsprechende Frage von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner. © Tobias Schwarrz/AFP
Kanzlerwahl
Erster Gratulant nach der Wahl war der bisherige Bundeskanzler Olaf Scholz. Jetzt steht dem Regierungswechsel ein halbes Jahr nach dem Bruch der Ampel-Koalition nichts mehr im Wege. Merz muss aber im Schloss Bellevue von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier noch die Ernennungsurkunde erhalten und ist erst dann auch rechtlich gesehen Bundeskanzler.  © Ralf Hirschberger/AFP

Update, 21. Juli, 10:25 Uhr: In der Union mehren sich die Stimmen, die eine Rückkehr von Ralph Brinkhaus als Fraktionschef fordern. Für ihn spricht, dass er bereits von September 2018 bis Februar 2022 Vorsitzender der Unionsfraktion war, bevor er für Friedrich Merz, damals noch nicht Kanzler, den Weg freimachte. Er bewies damals schon, dass er sich ganz in den Dienst der Partei stellt. Auch nach seinem Abgang als Fraktionschef hatte er Merz als Kanzler ausdrücklich unterstützt.

Nach Spahns Rücktritt geht es nun um seine Nachfolge als Fraktionschef der Union.

Als Fachpolitiker genießt Brinkhaus einen sehr guten Ruf. Außerdem spricht für ihn, dass er wie Spahn aus dem mächtigen Landesverband Nordrhein-Westfalen kommt. Im Kabinett bei den Ministerposten auf CDU-Seite war der Landesverband leer ausgegangen.

Debatte nach Spahn-Rücktritt: CDU will laut Prien Leihmutterschaft weiter verbieten

Update, 21. Juli, 9:28 Uhr: Die CDU-Politikerin Karin Prien schließt eine Aufweichung des Verbots von Leihmutterschaft aus. Gegenüber dem Portal Politico verwies sie auf den strengen Parteitagsbeschluss vom Februar: Jede Form der Leihmutterschaft sei mit den Werten der Partei unvereinbar. Offen zeigte sich Prien lediglich dafür, das Embryonenschutzgesetz und die Adoptionsaltersgrenze von 40 Jahren neu zu bewerten – allerdings nicht in der derzeit „aufgeheizten Situation“.

Hintergrund ist der Rücktritt des bisherigen Unions-Fraktionschefs Jens Spahn am Wochenende. Er und sein Ehemann waren in den USA durch eine Leihmutter Eltern geworden. Da dieses Verfahren in Deutschland illegal ist und dem CDU-Beschluss widerspricht, hatte der Fall in der Partei für heftige Diskussionen gesorgt, aus denen Spahn nun die Konsequenzen zog.

Update, 21. Juli, 8:37 Uhr: Nach Spahns Rücktritt nimmt die Debatte an Fahrt auf: Soll die Leihmutterschaft in Deutschland legalisiert werden? So hat eine prominente Verfassungsrechtlerin jetzt erklärt, man dürfe Frauen „nicht gegen ihren erklärten Willen vor sich selbst schützen“ – die Details und Hintergründe in: Brosius-Gersdorf gegen Leihmutterschaftsverbot: „Mit Menschenbild des Grundgesetzes nicht vereinbar“.

Umfrage nach Spahn-Rücktritt: 41 Prozent gegen Leihmutterschafts-Verbot

Update, 21. Juli, 6:24 Uhr: Die Bundesbürger sind gespalten bei der Frage, ob Leihmutterschaften in Deutschland verboten bleiben oder erlaubt werden sollen. In einer Umfrage für die Bild-Zeitung erklärten 41 Prozent, sie hielten es für falsch, dass Leihmutterschaften in Deutschland verboten sind. 39 Prozent finden das Verbot richtig, 20 Prozent legten sich nicht fest.

In die Aufmerksamkeit gerückt war das Thema durch den inzwischen zurückgetretenen Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU). Er und sein Mann sind durch eine Leihmutter Eltern eines Sohnes geworden. Spahn hatte ein solches Vorgehen jedoch zuvor gemäß der CDU-Parteilinie abgelehnt.

Update, 12:51 Uhr: Während Alexander Hoffmann (CSU) die Unionsfraktion aktuell übergangsweise führt, werden vor allem fünf Namen für die dauerhafte Nachfolge gehandelt:

Die potenziellen Spahn-Nachfolger im Überblick:

  • Thorsten Frei (CDU): Der 52-jährige Kanzleramtsminister und enge Merz-Vertraute gilt im politischen Berlin als Favorit. Der Innenpolitiker fiel in der Vergangenheit unter anderem durch seine Forderung nach einer Abkehr vom individuellen Asylrecht auf.
  • Carsten Linnemann (CDU): Der 48-jährige CDU-Generalsekretär wird wie Frei dem rechten Flügel der Fraktion zugerechnet. Als Vertreter des Wirtschaftsflügels pflegt er enge Kontakte zum Wirtschaftsrat, kam bei der Regierungsbildung aber nicht für einen Kabinettsposten zum Zuge.
  • Günter Krings (CDU): Der 56-jährige Fraktionsvize und Innenpolitiker verfügt über langjährige Erfahrung, unter anderem als ehemaliger Parlamentarischer Staatssekretär. Politisch steht er konsequent für eine Stärkung der Sicherheitsbehörden und die Vorratsdatenspeicherung.
  • Alexander Dobrindt (CSU): Der 56-jährige Bundesinnenminister ist der einzige CSU-Politiker im Rennen. Er ist in der Fraktion bestens vernetzt und setzt im Ministerium auf eine harte „Migrationswende“ mit restriktiven Maßnahmen.
  • Nina Warken (CDU): Als einzige Frau wird die 47-jährige Bundesgesundheitsministerin und Chefin der Frauen-Union genannt, gilt jedoch als Außenseiterin. Sie verantwortet derzeit gesundheits- und pflegepolitische Reformen unter starkem Spardruck.

Spahn-Rücktritt: Datum für Nachfolge-Entscheidung bekannt

Update, 11:56 Uhr: Die Sondersitzung zur Spahn-Nachfolge soll am 29. Juli um 14 Uhr stattfinden. Die Abgeordneten der Fraktion werden dafür aus der parlamentarischen Sommerpause geholt. Interims-Fraktionschef Alexander Hoffmann (CSU) und der Parlamentarische Geschäftsführer Steffen Bilger (CDU) schrieben eine entsprechende SMS an die Mitglieder der Unionsfraktion, wie unter anderem der Münchner Merkur von Ippen.Media und die dpa erfuhren.

Update, 11:25 Uhr: Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion wird am 29. Juli zu einer Sondersitzung zusammenkommen, um über die Nachfolge von Jens Spahn an der Fraktionsspitze zu entscheiden. Das kündigte der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler Friedrich Merz in Abstimmung mit CSU-Chef Markus Söder in einer Sitzung des CDU-Präsidiums an, wie die dpa aus Präsidiumskreisen erfuhr.

Spahn-Rücktritt: CDU-Landesgruppenchef Steineke sieht „keinen Schaden für die Fraktion“

Update, 11:05 Uhr: Brandenburgs CDU-Landesgruppenchef Sebastian Steineke sieht im Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn eine Chance zur Neuaufstellung. „Ich sehe keinen Schaden für die Fraktion“, sagte Steineke der dpa. Diese Gelegenheit müsse die Partei nun nutzen.

Schulze zu Spahn-Chaos: Wichtig, „dass es jetzt abgearbeitet wurde“

Update, 10:09 Uhr: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) hat sich erleichtert über den bevorstehenden Wechsel an der Spitze der Unions-Bundestagsfraktion gezeigt. Die Debatte um Jens Spahn „sei nicht hilfreich“, sondern schade dem Wahlkampf, sagte Schulze zum MDR. Deshalb sei es wichtig gewesen, „dass es jetzt abgearbeitet wurde“.

In Sachsen-Anhalt wird am 6. September ein neuer Landtag gewählt. In den Umfragen liegt die AfD deutlich vor der regierenden CDU von Ministerpräsident Schulze.

Niederländische Zeitung kommentiert Leihmutter-Affäre: „Passt genau in den AfD-Diskurs über eine Elite“

Update, 9:31 Uhr: Der Rücktritt von Spahn wird auch im Ausland aufmerksam verfolgt. So schreibt etwa die niederländische Zeitung de Volkskrant in einem Meinungsstück: „Es war wohl kein Zufall, dass Daniel Peters, Spitzenkandidat der CDU in Mecklenburg-Vorpommern, einer der ersten CDU-Politiker war, der Jens Spahns Rücktritt forderte. Bei den Landtagswahlen im September droht der CDU eine schwere Niederlage gegen die rechtsextreme AfD.“

Und weiter heißt es bei de Volkskrant: „Spahns Vorgehen passt genau in den AfD-Diskurs über eine Elite, die sich über die Regeln erhebt, die für andere gelten sollen.“ Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) wiederum kommentiert: Mangelnde Glaubwürdigkeit sei kein Problem des geschassten Fraktionsvorsitzenden Spahn allein. Dieses Problem hänge inzwischen der gesamten Union mit Kanzler Friedrich Merz (CDU) an. „Sie wird mehr tun müssen, um ihre Glaubwürdigkeit zurückzuerlangen, als Jens Spahn zum Rücktritt zu drängen“, meint die NZZ.

Grünen-Fraktionschefin fordert nach Spahn-Rücktritt Kurswechsel von Merz

Update, 9:03 Uhr: Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann hat den Bundeskanzler aufgefordert, nach Spahns Rücktritt jetzt auch den politischen Kurs seiner Koalition zu ändern. „Es ist jetzt Zeit, dass Friedrich Merz und seine Koalition mit Lars Klingbeil endlich liefern und das Land nach vorne bringen“, sagte Haßelmann im ZDF-„Morgenmagazin“.

Eine Lehre aus dem Rücktritt wegen einer in Deutschland nicht zulässigen Leihmutter-Geburt in den USA sei, dass das politische Verhalten und das persönliche Verhalten zusammenpassen müssen. Wenn das wie im Fall Spahn in solch einer Massivität auseinander gehe, werde das von den Bürgern mit hoher Sensibilität gespürt.

Unions-Flurfunk nach Spahn-Rücktritt: Dobrindt als Nachfolger?

Update, 7:23 Uhr: In der Debatte um die Spahn-Nachfolge ist auch Alexander Dobrindt im Gespräch. Laut Politico kursiert im Unions-Flurfunk die Option, dass der CSU-Politiker die CDU/CSU-Fraktion führen und Thorsten Frei im Gegenzug ins Bundesinnenministerium wechseln könnte.

Rückenwind erhält das Szenario aus dem Norden: Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Daniel Peters signalisierte im „Berlin Playbook“-Podcast von Politico Offenheit. „Ich habe überhaupt als Norddeutscher nichts gegen die Bayern“, sagte Peters und bescheinigte Dobrindt, er mache als Innenminister „einen exzellenten Job“. Offen bleibt, ob Dobrindt sein Ministeramt tatsächlich aufgeben würde.

Spahn-Nachfolge: CDU-Mann Peters macht Druck – „Keine ausschweifenden Personaldiskussionen“

Update, 20. Juli, 5:22 Uhr: Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) im Zuge der Leihmutter-Affäre dringt Mecklenburg-Vorpommerns CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters auf eine schnelle Nachfolgeregelung. „Wir sollten keine ausschweifenden Personaldiskussionen führen, sondern sollten zeitnah zu neuen Personalentscheidungen kommen“, sagte der CDU-Landeschef im Berlin-Playbook-Podcast des Nachrichtenmagazins Politico.

Eine längere Debatte würde der Union schaden, sagte Peters. Mit Blick auf eine mögliche Kabinettsumbildung sagte Peters: „Der Zeitpunkt ist sicherlich jetzt durchaus günstig.“ Der Christdemokrat tritt als Spitzenkandidat seiner Partei bei der Landtagswahl am 20. September an. Das CDU-Präsidium tagt heute ab 11.00 Uhr. Eine Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung ist nicht geplant. 

Update, 18:09 Uhr: Nach dem Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) berät die CDU-Spitze am Montag (11:00 Uhr) über das weitere Vorgehen. Neben dem Präsidium der größten Regierungspartei kommt auch der Vorstand der Bundestagsfraktion zusammen, der derzeit von Interimschef Alexander Hoffmann (CSU) geleitet wird. CDU-Chef und Bundeskanzler Friedrich Merz will die Nachfolge Spahns zügig regeln und führte dazu am Wochenende bereits Gespräche mit CSU-Chef Markus Söder. Merz und Söder haben das Vorschlagsrecht für den Posten.

Spahn-Rücktritt: Juso-Chef fällt mit Video auf

Update, 16:18 Uhr: Mit einem Anti-Spahn-Video sorgt Juso-Chef Philipp Türmer derzeit für Aufsehen. Darin schenkt sich der Vorsitzende der SPD-Jugendorganisation ein Import-Bier der Marke Peron ein und stößt damit auf den Rücktritt von Jens Spahn an. Das Video bringt ihm auf Social Media Kritik ein – auch aus den eigenen Reihen. Deutliche Worte findet etwa Michael Roth, bis 2025 SPD-Bundestagsabgeordneter: „Spahn hin. Spahn her. Sorry, aber so etwas tut man nicht. Ob Links oder rechts, jung oder alt, oben oder unten – Respekt, Fairness und Feingefühl werden hier geschreddert. Gut, dass ich mir das in der Politik nicht mehr antun muss.“

Spahn-Nachfolge: Wer gute Chancen hat: Vier Männer im Gespräch, eine Frau

Update, 14:53 Uhr: Nach dem Rücktritt von Jens Spahn soll es schnell gehen: Die Nachfolge soll bald geklärt werden. Als Anwärter werden laut dpa genannt:

  • Thorsten Frei, 52, Chef des Bundeskanzleramts (CDU)
  • Carsten Linnemann, 48, Generalsekretär (CDU)
  • Alexander Dobrindt, 56, Bundesinnenminister (CSU)
  • Günter Krings, 56, stellvertretender Vorsitzender der Bundestagsfraktion (CDU)

Und was ist mit den Frauen in der Union? Die einzige, die in den Personalspekulationen von Medien und Unionisten eine Rolle spielt, ist Gesundheitsministerin Nina Warken. Sie hat die Reform der gesetzlichen Krankenversicherung gerade über die Bühne gebracht, hat aber noch die Pflegereform vor sich, zu der bisher erst ein Referentenentwurf existiert. 

Ihr derzeitiger Job und die große männliche Konkurrenz lassen es als eher unwahrscheinlich erscheinen, dass sie es wird, schreibt die dpa.

Merz attackiert „sehr, sehr späte“ Mitteilung Spahns

Update, 13:16 Uhr: Bundeskanzler Friedrich Merz hat die Informationspolitik von Jens Spahn rund um dessen Leihmutterschaft kritisiert. Spahn hatte die CDU-Parteiführung nach Angaben des Kanzlers erst sehr spät über die Elternschaft informiert.

„Wir hatten ja alle kaum Gelegenheit, mit ihm darüber zu sprechen. Er hat ja auch die Partei und die Fraktion erst sehr, sehr spät über das alles informiert“, sagte Merz im ZDF-„Sommerinterview“. Merz selbst war nach eigenen Angaben Ende vergangener Woche von Spahn eingeweiht worden, gab die Information aber nicht innerhalb der CDU weiter: „Ich bin seinem Wunsch gefolgt und habe ihm die Kommunikation überlassen.“

Rubriklistenbild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

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