Designierter Parteichef
Lars Klingbeil: Treibt er der SPD die Lust am Zoff aus?
Wehner gegen Brandt, Lafontaine gegen Schröder: Die Geschichte der SPD ist voll von Streit in den eigenen Reihen. Lars Klingbeil will das als neuer Chef ändern.
Berlin – Harmonie statt Zankerei: Lars Klingbeil will das Zeitalter der Dauerrivalen in der SPD beenden. So rief der designierte Parteichef die Genossen zu einer neuen Geschlossenheit auf. „Die Zeiten, in denen Konflikte öffentlich ausgetragen werden, die sind vorbei“, sagte der Noch-Generalsekretär der „Rheinischen Post“. Er werde alles dafür tun, dass das auch so bleibe. Bereits als Wahlkampfmanager hatte der gebürtige Niedersachse einen neuen Stil in der Partei eingeführt – und damit für Ordnung in den eigenen Reihen gesorgt.
| Deutscher Politiker: | Lars Klingbeil |
| Partei: | SPD |
| Alter: | 43 Jahre |
| Aktuelles Amt: | Generalsekretär |
Klingbeil soll Anfang Dezember den Vorsitz von Norbert Walter-Borjans übernehmen. Der 69-Jährige hatte vor wenigen Wochen seinen Rückzug erklärt, um Jüngeren Platz zu machen. Der Parteivorstand schlug nun den 43-jährigen Generalsekretär als dessen Nachfolger vor. Zuvor hatte der Politik aus Niedersachsen, der auch als Minister im möglichen Ampel-Kabinett von Olaf Scholz gehandelt wurde, öffentlich sein Interesse erklärt. Ein Parteitag Anfang Dezember in Berlin muss der Personalie aber noch zustimmen.
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Klingbeil, der als Macher hinter dem Wahlerfolg der Sozialdemokraten bei der vergangenen Bundestagswahl gilt, genießt in den eigenen Reihen großen Rückhalt. Das Mitgliedervotum gilt als sicher. Der 43-Jährige soll dann eine Doppelspitze mit der bisherigen Parteichefin Saskia Esken bilden, die im Wahlkampf von der CDU als rotes Gespenst verschrien worden war.
Esken und Klingbeil – das Duo würde gut zusammen funktionieren, ließen sich führende Genossen zuletzt reihenweise zitieren. Tatsächlich gelten beide nicht als absolute Alphatiere. Im Wahlkampf wusste die Parteichefin sich zurückzunehmen. Und Klingbeil fiel auch in der Rolle als Generalsekretär nie durch eine rumpelige Art auf. Die Führung der Partei sei ein Mannschaftsspiel, ließ er die „Rheinische Post“ wissen.
Doch so harmonisch ging es in der SPD in den vergangenen Jahren und Jahrzehnte eher selten zu. Angefangen von der Feindschaft zwischen Fraktionschef Herbert Wehner zu den Kanzlern Willy Brandt und Helmut Schmidt, über die persönliche Abneigung zwischen Parteichef Oskar Lafontaine und Regierungschef Gerhard Schröder bis hin zum Sturz von Andrea Nahles – die Geschichte der SPD ist voll mit Attacken aus den eigenen Reihen.
SPD: Wehner gegen Brandt, Schröder gegen Lafontaine – alle Parteivorsitzende hatten ein schweres Leben
Ein Kanzlerkandidat und ein Parteivorsitzender bräuchte auch mal ein wenig Beinfreiheit, hat Peer Steinbrück bereits im Jahr 2013 angesichts der großen Lust an der Selbstzerfleischung gefleht – jedoch vergeblich. In den vergangenen zehn Jahren wurde der Verschleiß der Vorsitzenden eher größer als kleiner: Kurt Beck wurde weggemorchelt und durch Franz Müntefering ersetzt. Dessen Nachfolger Sigmar Gabriel hielt sich zwar acht Jahre an der Spitze, musste sich aber ständiges Störfeuer von Olaf Scholz und Andrea Nahles gefallen lassen. Doch auch Martin Schulz und schließlich Nahles selber erging es zuletzt nicht besser. Erst mit der Übernahme von Esken und Walter-Borjans wurde es in der Partei ruhiger.
Daran hat auch Klingbeil seinen Anteil. Seit 2017 ist er Generalsekretär und diente in dieser Funktion gleich mehreren Vorsitzenden. Es gilt auch als sein Verdienst, dass die Grabenkämpfe zwischen linken und rechten Parteiflügel befriedet wurden. Und so soll es auch bleiben. Sollte Scholz tatsächlich Anfang Dezember zum Kanzler gewählt werden, dann will die Partei dem neuen Regierungschef keine Knüppel zwischen die Beine werfen.
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„Einer der Fehler nach dem Wahlsieg 1998 war, dass ein Parteivorsitzender Oskar Lafontaine sich darauf konzentriert hat, einem Kanzler Gerhard Schröder das Leben schwer zu machen“, sagte Klingbeil jetzt. „Diesen Fehler werden wir nicht wiederholen.“ * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
Rubriklistenbild: © Christophe Gateau/dpa
