Osteuropa

Krieg in der Ukraine: Einer gegen alle? Diese Verbündete hat Putin noch

Wladimir Putin hat den Befehl zur Invasion in die Ukraine gegeben. Während der Westen dies verurteilt, kann sich Russland wohl auf seine Verbündeten verlassen.

Moskau/Kiew – Seit Wochen hat sich die Lage im Ukraine-Konflikt weiter hochgeschaukelt und diplomatische Bemühungen waren ohne Erfolg geblieben. Am Donnerstag, dem 24. Februar, begann nun der Krieg, der bis zuletzt noch abwendbar erschien: Am frühen Donnerstagmorgen ordnete Russlands Präsident Wladimir Putin eine Militäroperation in den abtrünnigen Regionen Luhansk und Donezk in der Ukraine an. Doch schnell verbreiteten sich auch die Meldungen über Kampfhandlungen in weiteren Teilen des Landes. Es ist das erste Mal, dass sich im Ukraine-Konflikt russische und ukrainische Soldaten gegenüberstehen. Der Westen veruteilt Putins Vorgehen. Doch wer steht jetzt noch zum Kremlchef?

Krieg: Wladimir Putin beschließt Militäroperation in der Ukraine – Ukraine-Konflikt eskaliert

„Ich habe beschlossen, eine Sonder-Militäroperation durchzuführen. Ihr Ziel ist der Schutz der Menschen, die seit acht Jahren Misshandlung und Genozid ausgesetzt sind“, begründete Putin die Militäroperationen in der Ukraine. Zum Wochenanfang hatte Russlands Präsident die Gebiete Luhansk und Donezk als eigenständige Staaten anerkannt und ihnen „humanitäre“ Hilfe sowie Schutz zugesichert. Bereits am Mittwochabend hatte sich eine Eskalation der Lage im Ukraine-Konflikt, in dem Putin eine Ausweitung der Nato befürchtet, angekündigt, als die Separatisten in den Gebieten Putins Beistand erfragt haben. In Briefen hatten die Chefs der Volksrepubliken Luhansk und Donezk demnach um Hilfe bei der Abwehr von Angriffen der ukrainischen Armee gebeten.

Russische Truppen auf dem Weg zum Einsatz in der Ukraine.

Dass es nun zu einem Krieg in der Ukraine gekommen ist, ist die Folge einer Reihe von Entwicklungen in der Ost-Ukraine. Bereits im April 2014 riefen pro-russische Separatisten in der ostukrainischen Region Donbass die „Volksrepublik Donezk“ aus, wenig später folgt Luhansk. Im November des Jahres wählen die Separatisten erstmals ein Parlament – Kiew verurteilt das als verfassungswidrig. Während sich die Krise in Osteuropa zwischen Russland und der Ukraine weiter entwickelt, treten die pro-russischen Separatisten inzwischen ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit. Bekanntes Ziel seit der Annexion der Krim: der Anschluss an Russland.

Separatisten in Luhansk und Donezk: Putins Verbündete im Ukraine-Konflikt

Bereits seit Beginn der Unruhen in den Regionen Luhansk und Donezk in der Ost-Ukraine standen den Separatisten, die treu zu Wladimir Putin stehen, Kreml-nahe Russen vor. Am Anfang war es beispielsweise der Ex-Geheimdienstmann Igor Girkin (51) oder der jetzige russische Parlamentsabgeordnete Alexander Borodai (49). Die Luhansker Separatisten werden von dem ehemaligen Geheimdienstler Leonid Passetschnik (51) angeführt. In Donezk ist Denis Puschilin (39) der Chef. Durch die Entwicklungen an der Ostgrenze des Landes hat sich in den vergangenen Jahren in der Ukraine eine über 420 Kilometer lange Frontlinie mit mehreren Übergangspunkten gebildet. Die Versorgung läuft wegen einer ukrainischen Wirtschaftsblockade ausschließlich über die russische Grenze mit mehreren Straßen- und Eisenbahnübergängen.

Ukraine-Konflikt: Separatisten in der Ukraine werden durch Russland unterstützt

Unklarheit herrscht hingegen im Ukraine-Konflikt bei der Zahl der Streitkräfte der Separatisten. Ukrainische Regierungskreise gehen von etwa 35.000 Kräften aus, die demnach von rund 3000 russischen Offizieren ausgebildet werden. Alexander Chodakowski (49), ein ehemaliger Offizier des ukrainischen Geheimdienstes und jetziger Rebellenkommandeur, betont hingegen, dass die Zahl der Streitkräfte deutlich geringer sei. Im Vorfeld zur jetzigen Eskalation der Ukraine-Krise schätzten westliche Nationen, dass bis zu 130.000 russische Soldaten in Grenznähe der Ukraine stationiert worden waren.

Der Separatistenführer Denis Puschilin kündigte nach dem Einmarsch russischer Soldaten in der Ukraine an, dass es keine langen Kämpfe geben werde. Die Militäroperation sei im vollen Gang. „Ich kann sagen, dass dies sehr bald enden wird.“ Die Städte und Dörfer der Region würden „in naher Zukunft befreit werden“, behauptete er.

Westen verurteilt Putins Verhalten im Ukraine-Krieg – Ungarn und China vermeiden Kritik an Russland

Während der Westen, unter anderem US-Präsident Joe Biden, dem Kreml und Wladimir Putin vorwarf, vorsätzlich einen Krieg in der Ukraine begonnen zu haben, spricht Ungarns Außenminister Peter Szijjarto der Ukraine zwar Unterstützung zu, kritisiert allerdings nicht das Handeln Russlands. „Wir stehen an der Seite der Ukraine, wir setzen uns für die territoriale Unversehrtheit und Souveränität der Ukraine ein“, schrieb der Politiker auf Facebook. Doch Ungarn ist nicht das einzige Land, das sich mit Kritik an Wladimir Putin, der seit Monaten auf eine Desinformationskampagne im Ukraine-Konflikt setzt, zurückhält.

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Auch China vermied nach dem russischen Angriff auf die Ukraine direkte Kritik an Moskau. „Die Ukraine-Frage ist in ihrem historischen Hintergrund komplex“, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying bei einem täglichen Pressebriefing am Donnerstag: „Was wir heute sehen, ist das Zusammenspiel komplexer Faktoren.“ Gleichzeitig betonte sie, dass die Konfliktparteien weiter den Dialog suchen und nach Frieden streben sollten. „Wir fordern alle Parteien auf, Zurückhaltung zu üben und zu verhindern, dass die Situation außer Kontrolle gerät.“ Den USA und anderen westlichen Staaten warf Hua Chunying vor, durch Waffenlieferungen den Konflikt angeheizt zu haben.

Vor Eskalation im Ukraine-Konflikt: China vermied klare Positionierung gegen Russland

Bereits im Vorfeld der jetzigen Eskalationen vermied die chinesische Regierung eine klare Positionierung im Ukraine-Konflikt. Derweil sind viele Menschen in der Krisenregion auf der Flucht. Ein Anliegen der Führung in Peking war es, dass die Anliegen aller Länder respektiert werden müssen. Während viele Nationen Sanktionen gegen Russland befürworteten, hielt sich China zurück und verurteilte hingegen das Vorgehen der USA, mit Waffenlieferungen und Sanktionen die Krise in der Ukraine zu verschärfen.

Ebenfalls an der Einhaltung souveräner Sicherheitsinteressen interessiert, zeigte sich Indien in den vergangenen Wochen. Zwar bezeichnete die Regierung die Entwicklungen in der Ukraine als besorgniserregend, allerdings wurde das Agieren von Wladimir Putin nicht explizit kritisiert. Unter anderem das Handelsblatt interpretierte die Haltung Indiens als mögliche indirekte Unterstützung des Kremls. Dass auch die Sicherheitsinteressen Russlands in die Bewertung der Lage einbezogen werden müssen, war auch zuletzt die Haltung der brasilianischen Regierung. Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro war sogar nach Moskau gereist und hatte sich solidarisch mit der Kreml-Regierung gezeigt.

Krieg in der Ukraine: Mehrere Länder unterstützen Russland bei Forderung nach Sicherheitsgarantien

Auch weitere Länder hielten sich vor der Eskalation des Ukraine-Konflikts mit Kritik an Russland zurück. Darunter waren etwa Kuba, Venezuela und Nicaragua. Die drei Nationen gelten als enge Verbündete von Wladimir Putin. In den vergangenen Jahren unterstützte Wladimir Putin vermehrt den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Nun sprang der Führer des syrischen Regimes seinem Verbündeten bei und unterstützte die Entscheidung, die Provinzen Luhansk und Donezk als eigenständige Staaten anzuerkennen. Der Iran übte in der gegenwärtigen Krise insbesondere Kritik das Verhalten der Nato, die durch ihre Bestrebungen in der Nato-Osterweiterung für eine Verschärfung in der Region verantwortlich sei. *kreiszeitung.de und fr.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sergei Malgavko via www.imago-images.de

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