Russlands Kampf mit der Nato
Ukraine-Konflikt: „Total wahnsinnig“ – darum marschiert Putin trotzdem ein
Geschickter Schachzug oder totale Irrfahrt: Mit dem Angriff auf die Ukraine will Wladimir Putin die Nato zurückhalten. Doch er könnte das Gegenteil erreichen.
Moskau – In Europa droht ein neuer Stellvertreterkrieg: Nach der Eskalation im Ukraine-Konflikt durch Russlands Präsidenten Wladimir Putin ist das Entsetzen im Westen groß. Besonders der niederländische Premier Mark Rutte reagierte mit scharfen Worten. Putin sei „total wahnsinnig“, echauffierte sich der Niederländer laut der Nachrichtenagentur dpa in einer TV-Talkshow und stellte dem Kremlchef harte Sanktionen in Aussicht, die am Dienstag prompt folgten. Dennoch bleibt immer wieder die Frage offen: Was genau bezweckt Russland eigentlich mit seiner Offensive?
| Name: | Wladimir Putin |
| Funktion: | Präsident Russlands |
| Alter: | 69 Jahre |
| Größe: | 1,70 Meter |
Am Montagabend hatte Putin die selbst ernannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk in der Ostukraine anerkannt und die Entsendung von russischen Truppen angekündigt. Seit 2014, als Russland bereits die Schwarzmeer-Halbinsel Krim besetzte, sind diese beiden Regionen ein großer Unruheherd. Ein Waffenstillstand zwischen Kiew und Moskau hält schon lange nicht mehr. Seit Monaten bekämpfen sich hier die ukrainischen Regierungstruppen mit Aufständischen, die von Russland unterstützt werden.
Ukraine-Konflikt: Was will Wladimir Putin in der Ostukraine? Das ist der Plan von Russlands Präsidenten
In einer von vielen Beobachtern wahrgenommenen wirren Rede erklärte Putin, der bis heute im Denken des Kalten Krieges verhaftet ist, die Ukraine zu einem ureigenen russischen Gebiet. „Die heutige Ukraine ist ganz und gar von Russland erschaffen worden“, behauptete Russlands Präsident mit erhobenem Zeigefinger. Das russische Militär werde nun, so Putin, zum Schutz der Bevölkerung losgeschickt.
Noch vermag die westliche Politik nicht abzuschätzen, wie weit Putin wirklich geht. Bleibt es nur bei einer Besetzung der ostukrainischen Gebieten? Oder zielt Russland auf eine komplette Invasion? Auf jeden Fall sollte man Putins Streben nicht als vollständig irre abtun. Durchaus steckt hinter dem Vorgehen ein perfider Plan – der sich für den Kremlherrscher aber noch als Bumerang erweisen könnte.
Putin geht es vor allem darum, ein Bollwerk gegen die als Bedrohung empfundene Nato zu errichten. Während die Ukraine einen Beitritt anstrebt und das Ziel sogar in der Verfassung verankert hat, will Russland ein weiteres Vorrücken der Militärallianz nach Osteuropa um jeden Preis verhindern. Und dabei setzt Putin auf eine altbekannte Strategie: In dem er das ukrainische Staatsgebiet verletzt, erschwert er der Ukraine die Annäherung an den Westen. Denn ein Land, in dem es ungeklärte Streitigkeiten um das Territorium gibt, wird nicht in ein Bündnis aufgenommen, so Moskaus Kalkül.
Russland: Mit der Krise in der Ukraine will Moskau die Nato fernhalten – ähnlich wie in Georgien
Unabhängig von der Tatsache, dass die Nato in naher Zukunft gar keine Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine führen will, funktionierte dieser Plan aus Moskaus Sicht in der Vergangenheit schon einmal: nämlich in Georgien. Ähnlich wie die Ukraine wollte sich das Land langfristig aus der russischen Umklammerung befreien. Nach einem kurzen Krieg löste Russland im Jahr 2008 die abtrünnigen Regionen Abchasien und Südossetien aus dem georgischen Staatsgebiet heraus und stationierte auch dort russische Truppen. Seit dem gilt der Konflikt dort als eingefroren.
Wiederholt sich nun die Strategie? Vieles spricht dafür. Doch anders als in Georgien ist die Lage für Russland diesmal etwas heikler. Denn die Ukraine liegt geografisch viel näher am Nato-Gebiet dran. In der westlichen Militärallianz ist man deswegen durchaus zu etwas energischeren Schritten bereit. Im Gegensatz zu Wirtschaftssanktionen schlossen die Mitgliedsstaaten zwar bislang ein direktes militärisches Eingreifen in den Ukraine-Konflikt aus. Dennoch könnte man dem russischen Vormachtstreben eine deutliche Antwort entgegensetzen – und zwar eine, die Moskau alles andere als lieb sein könnte.
Krieg in der Ukraine: Nato rüstet im Baltikum zur Not militärisch auf – sogar mit Atomwaffen?
Wie die Funke Mediengruppe berichtet, laufen hinter den Kulissen bereits Vorbereitungen innerhalb der Nato, mit denen die ukrainischen Regierungstruppen und Widerstandskämpfer unterstützt werden könnten. So seien die USA und auch Großbritannien bereit, entsprechendes Kriegsmaterial zu liefern, hieß es. Außerdem prüfe das US-Verteidigungsministerium die massive Verlegung von Truppen und Waffen an die eigene Ostflanke.
Bislang galt genau das als Tabu. Nach einer Übereinkunft zwischen der Nato mit Russland im Jahr 1997* war der Westen immer nur mit ein paar tausend Soldaten im Rotationsverfahren an der osteuropäischen Grenze präsent. Damit wurden seit Jahrzehnten die russischen Sicherheitsbedürfnisse respektiert. Doch im Notfall sei man bereit, die Absprache aufzukündigen, berichtet das Hamburger Abendblatt. Selbst die Verlegung von Atomwaffen ins Baltikum sei im Bereich des Möglichen, um Putin ein unmissverständliches Zeichen zu senden. Wenn Russlands Präsident jetzt wirklich in der Ukraine einen Krieg entfessele, dann „bekommt er von der Nato genau das, was er eigentlich verhindern will“, zitiert das Blatt aus informierten Kreisen.
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Ähnlich sah das zuletzt auch David McAllister. Putin wolle mit der Ukraine-Frage einen Keil in die Nato und in den Westen treiben, doch er erreiche eigentlich nur das Gegenteil, sagte der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament in einem gemeinsamen Interview mit fr.de und kreiszeitung.de. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
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