Steigende Kosten
„Shrinkflation“ bei Lebensmitteln: Verbraucherschützer beklagen versteckte Preisanstiege
Fast alles wird teuer, nicht überall merkt man das auf den ersten Blick. Verbraucherschützer schlagen nun Alarm: Versteckte Preisanstiege bei Nahrung nehmen zu.
Berlin – Preisanstiege in nahezu allen Bereichen bereiten Verbraucherinnen und Verbrauchern Sorge. Einige sind nicht zu übersehen, etwa die explodierenden Gaspreise – sie dürften kaum jemandem entgangen sein. Doch auch verstecke Preisanstiege belasten die Finanzen der Menschen in Deutschland. Verbraucherschützer schlagen jetzt Alarm: Immer öfter steigen Lebensmittelpreise in Deutschland versteckt. Betroffen sind dabei alle möglichen Produkte.
Lebensmittelpreise in Deutschland und „Shrinkflation“: Verbraucherschützer warnen vor versteckten Kosten
In Zeiten der Inflation wird fast alles teurer, die Mehrkosten machen sich auch beim Einkauf im Supermarkt bemerkbar. Doch nicht immer auf Anhieb: Einige Preisanstiege sind so versteckt, dass sie auf den ersten Blick nicht auffallen. Die Lebensmittelpreise in Deutschland steigen so bisweilen fast unbemerkt. Die Verbraucherzentrale Hamburg registriert immer mehr Beschwerden über versteckte Preisanstiege: Produzenten verkleinern Packungsgrößen, während die Preise gleich bleiben – oder sogar steigen. Beispiele für diese Fälle gibt es zuhauf, sie betreffen verschiedene Segmente. Das Phänomen hat bereits einen Namen: „Shrinkflation“, eine Zusammensetzung aus „Inflation“ und „to shrink“, also englisch für „schrumpfen“. Überall wird es teurer, viele Verbraucher greifen deshalb zum Discounter-Vergleich.
Lebensmittelpreise steigen: „Erleben erste Welle versteckter Preiserhöhungen“
Der Lebensmittelexperte der Verbraucherzentrale, Armin Valet, sagt der Deutschen Presse-Agentur hierzu: „Wir erleben gerade die erste Welle solcher versteckter Preiserhöhungen.“ Zunehmend registriert die Verbraucherzentrale derartige Fälle auch bei den Eigenmarken von Discountern. Es sind nicht mehr nur Markenartikel betroffen. Die versteckten Preisanstiege bei Lebensmitteln sind zwar legal, gehen jedoch klar zuungunsten von Verbraucherinnen und Verbrauchern. Experten rechnen zudem mit weiteren Preissteigerungen bei Lebensmitteln.
Steigende Lebensmittelpreise: Hochpunkt versteckter Preisanstiege bei Nahrung könnte noch kommen
Die versteckten Preisanstiege könnten nach Einschätzung des Verbraucherschützers ihren Hochpunkt noch nicht erreicht haben. Valet erklärt: „Ich denke, dass da noch einiges auf uns zukommen wird.“ Grund dafür ist, dass der Handel rund ein halbes Jahr für die Umstellung von Etiketten sowie dem sogenannten „Abverkauf“ der alten Ware benötigt, so Valet. Steigende Lebensmittelpreise sind also auch weiterhin nicht unwahrscheinlich – dabei werden auch schrumpfende Verpackungen eine Rolle spielen. Es empfiehlt sich, beim Gang durch das Supermarktregal also einmal mehr hinzuschauen.
Unter anderem Haribo hat bereits angekündigt, die Packungen zu verkleinern, bei gleichbleibenden Preisen für die jeweiligen Produkte – das ist nur ein Beispiel. Bemerkenswert: Bei Nestlé etwa war der Umsatz im ersten Halbjahr 2022 im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent gestiegen. Trotz höherer Produktionskosten, Lieferkettenprobleme und Co. verzeichnen viele große Unternehmen also Umsatzsteigerungen. Versteckte Preisanstiege belasten Portemonnaies von Verbrauchern derweil immer stärker: Laut Statistischem Bundesamt waren alkoholfreie Getränke sowie Nahrungsmittel im Juli dieses Jahres insgesamt etwa 14 Prozent teurer als noch im Vorjahr.
Steigende Lebensmittelpreise und Inflation: Zahlreiche Verbraucher verkneifen sich Mahlzeiten
Laut einer Insa-Umfrage aus dem Juni verzichtet bereits jetzt jeder sechste Mensch in Deutschland aufgrund hoher Kosten auf eine reguläre Mahlzeit. In der Debatte um ein neues Entlastungspaket wurde zuletzt auch die Abschaffung der Mehrwertsteuer auf bestimmte Lebensmittel diskutiert – doch nicht beschlossen. Insbesondere unter Hartz IV ist es kaum möglich, sich ausreichend zu verpflegen, geschweige denn gesund zu leben. Für drei Mahlzeiten bleiben Beziehenden unter dem aktuellen Regelsatz etwa fünf Euro, das war schon vor der Inflation deutlich zu wenig für gesunde Lebensmittel. Mit steigenden Lebensmittelpreisen wird die Lage noch dramatischer.
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