Nach Vertragsverlängerung
Für immer in Gladbach? Wirbel um neuen Virkus-Vertrag
Borussia Mönchengladbach hat die Vertragslaufzeit von Roland Virkus nicht öffentlich gemacht. Wird er auf ewig Borusse sein?
Mönchengladbach – Im Fan-Umfeld von Borussia Mönchengladbach ist Roland Virkus eine Reizfigur. In den sozialen Netzwerken wird kontrovers über das bisherige Schaffen des 58-Jährigen diskutiert, der 2022 als Nachfolger von Max Eberl in der Rolle des Sport-Geschäftsführers präsentiert worden ist.
Fragezeichen hinter Vertragslaufzeit
Entsprechend gespalten waren die Meinungen über die Vertragsverlängerung am 31. Januar. Manche schenken Virkus das Vertrauen, hat er Borussia doch in einer heiklen Phase übernommen und stabilisiert. Andere Stimmen zweifeln daran, dass der frühere Nachwuchskoordinator der richtige Mann ist, um die nächsten Schritte anzugehen.
Wirbel kam auch hinsichtlich der Laufzeit des neuen Kontrakts auf, denn diese hat Gladbach nicht kommuniziert. Wie die Bild-Zeitung berichtet, habe Virkus einen Rentenvertrag unterzeichnet, der „erfolgsorientierte Ausstiegsszenarien“ enthalten soll.
Dazu passt der Hinweis von Aufsichtsratschef Michael Hollmann in der Vereinsmitteilung, bei der Gestaltung des Vertragswerks sei „den Verdiensten von Roland Virkus und seiner langjährigen Zugehörigkeit zum Verein“ Rechnung getragen worden.
Virkus selbst macht im Interview mit der Rheinischen Post keinen Hehl daraus, seine Zukunft bei Borussia verbringen zu wollen. „Für mich ist klar, dass ich aus Gladbach eigentlich nicht mehr weg möchte. Mir war ein Konstrukt wichtig, bei dem ich mitgestalten kann und dem Klub erhalten bleibe“, sagt der Sportchef.
Gladbach-Boss Virkus musste erst reifen
Die Liebe zur Elf vom Niederrhein kann ihm niemand absprechen. Virkus ist gebürtiger Mönchengladbacher und seit 1990 in unterschiedlichen Rollen für Borussia tätig. Der Gedanke, bei seinem Herzensverein in den Ruhestand zu gehen, ist aus fußballromantischer Sicht das höchste der Gefühle.
Dennoch ist es eine Seltenheit im Profifußball, Schlüsselpersonalien mit einem derartigen Vertrag auszustatten – falls Virkus einen solchen unterschrieben haben sollte. Es gibt selbstverständlich diese Konstanten wie Uli Hoeneß beim FC Bayern oder, um am Niederrhein zu bleiben, einst Max Eberl. Wie schnelllebig der Fußball sein kann, hat Gladbach in den Jahren 2020 und 2021 jedoch am eigenen Leib erfahren.
Dafür, kann man argumentieren, wären ebenjene Ausstiegsszenarien vorhanden. Vielleicht aber ist innerhalb des Kontrakts festgelegt, dass Virkus im Laufe der Zeit auch in eine andere Rolle schlüpfen kann. Der Aufstieg zum Sport-Geschäftsführer kam seinerzeit überraschend und enthielt mehr Fallstricke, als ihm zunächst bewusst war.
„Ich muss zugeben: Die vielen Facetten der Aufgabe neben dem Sport waren mir zu Beginn noch nicht in vollem Maße bewusst“, erläutert Virkus, der mit vielen Dingen abseits des Platzes konfrontiert worden ist. „Als Gesicht eines Klubs bist du zugleich ein ständiger Kommunikator. Dabei ist es mir wichtig, authentisch zu sein, ich musste lernen, das hinzukriegen. Die große Öffentlichkeit, in der jeden Tag alles bewertet wird, gibt es im Nachwuchsbereich natürlich nicht, da arbeitet man viel mehr im Hintergrund.“
Zieht sich Virkus in die zweite Reihe zurück?
Vom Hintergrund ins Rampenlicht, Virkus ist genauso ins kalte Wasser geworfen worden wie ein Nachwuchsspieler, der ohne jede Vorahnung in einem Bundesligaspiel eingewechselt wird.
„In den Phasen, in denen es läuft, stehen vor allem die Spieler im Mittelpunkt, in den Phasen, in denen es nicht läuft, bist du als Verantwortlicher im Fokus der Öffentlichkeit. Trotzdem musst du deine Entscheidungen unabhängig von der öffentlichen Meinung treffen“, erläutert Virkus den Spagat und ergänzt: „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass alles an einem abprallt.“
Insofern erscheint es vorstellbar, dass eines Tages der Schritt zurück in die zweite Reihe erfolgt, um sich wieder ganz dem Fußball widmen zu können. In mittelfristiger Zukunft ist damit aber nicht zu rechnen, denn Virkus hat mit Borussia vieles vor.
Virkus sieht sich „noch lange nicht am Ende“
„Wir haben einiges bewegt, sind aber noch lange nicht am Ende“, kündigt der Sport-Geschäftsführer an, der sich nach drei Jahren im Amt gestählt sieht: „Ich war ja trotz meiner langen Erfahrung im Fußball und meinen Lebensjahren ein Rookie, als ich in einer komplizierten Situation den Job des Geschäftsführers Sport übernommen habe. Und ich musste unter Extrembedingungen lernen.“
Die Nachwirkungen der Corona-Pandemie und Altlasten seines Vorgängers Eberl haben Virkus den Start erheblich erschwert. „Am Anfang konnte ich kaum strategisch handeln, weil wir vor allem reagieren mussten“, erinnert er an das fehlende Geld und den komplizierten Vertragsbestand.
Alassane Pléa und Jonas Hofmann verlängerten ihre Verträge in Gladbach, letztgenannter machte 2023 aber von einer Ausstiegsklausel Gebrauch und wechselte zu Bayer Leverkusen. Im selben Jahr verabschiedeten sich Ramy Bensebaini, Marcus Thuram und Lars Stindl, deren Arbeitspapiere allesamt ausgelaufen waren. Schon 2022 kehrte Matthias Ginter zum SC Freiburg zurück, ohne Borussia eine Ablösesumme zu bescheren.
Virkus zuversichtlich: „Können mehr gestalten“
Aufgrund fehlender Mittel fiel 2022 die Entscheidung, auf einen Umbruch mit Adi Hütter zu verzichten und mit Daniel Farke einen Trainer zu engagieren, der besser zum Kader passen sollte. Das Experiment scheiterte, auch Farkes Nachfolger Gerardo Seoane wackelte zeitweise, doch der Schweizer hat sich gefangen und eine positive Entwicklung angestoßen.
Auf dieser will Virkus aufbauen und nach den Aufräumarbeiten ein neues Fundament errichten. Das Grundgerüst steht dank Spielern wie Moritz Nicolas, Julian Weigl, Pléa, Franck Honorat oder Tim Kleindienst. Dafür droht ein Umbruch in der Abwehr, wobei mit Kevin Diks der erste Mosaikstein gefunden wurde.
„Im vergangenen Jahr haben wir weiter analysiert und an einigen Stellschrauben gedreht und können jetzt tatsächlich mehr gestalten“, blickt Virkus zuversichtlich auf die Zukunft. Denn um Borussia steht es nicht mehr so schlecht wie noch vor ein paar Jahren, obgleich es viel zu tun gibt.
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