„Noch nicht erlebt“

Gladbachs Talente-Boom enthüllt unbekannte Seite von Seoane

Bei Borussia Mönchengladbach lassen viele Talente aufhorchen. Die Reaktion von Gerardo Seoane darauf versetzt Roland Virkus in Staunen.

Mönchengladbach – Ob Tiago Pereira Cardoso, Niklas Swider, Kilian Sauck, Noah Pesch, Wael Mohya oder Can Armando Güner, Borussia Mönchengladbach erlebt gegenwärtig einen Talente-Boom.

Gladbachs Talente-Boom lässt Seoane in neuem Licht dastehen

In der jüngeren Vergangenheit mangelte es den Fohlen noch an solchen Potenzialspielern, doch diese machen nach und nach im Jugendbereich auf sich aufmerksam und dürfen sich teilweise schon bei den Profis beweisen.

Swider ist seit einigen Monaten im Training der ersten Mannschaft dabei, der Stern von Pereira Cardoso strahlte in der vergangenen Rückrunde erstmals aufgrund des Verletzungspechs im Tor und über Mohya und Güner wurde im Zuge des U17-Meistertitels viel gesprochen.

Diese Stars schafften den Sprung aus dem Amateurbereich zu den Profis

Kaum zu glauben, aber das links im grünen Trikot des Oberligisten SV Auersmacher ist Jonas Hector. Es sollte eines seiner letzten Spiele für den SVA sein. Mit 20 Jahren ging es dann zum 1. FC Köln. Der Rest ist Kölner Legendengeschichte.
Kaum zu glauben, aber das links im grünen Trikot des Oberligisten SV Auersmacher ist Jonas Hector (April 2010). Es sollte eines seiner letzten Spiele für den SVA sein. Mit 20 Jahren ging es dann zum 1. FC Köln. Der Rest ist Kölner Legendengeschichte. ©  IMAGO/Becker&Bredel und IMAGO/Jan Huebner
Florian Niederlechner trägt auf dem linken Bild eine Bierbank im Trainingsshirt der SpVgg Unterhaching. Auf dem rechten Bild jubelt er im Trikot von Hertha BSC.
Florian Niederlechner wurde in der Jugend des TSV 1860 München aussortiert. Über Stationen in der Landesliga und Bayernliga ging es für ihn dann mit 21 Jahren in die 3. Liga nach Unterhaching zum Bierbänke tragen. Von da an ging es für Niederlechner bis in die Bundesliga. © IMAGO/Lackovic und IMAGO/Jan Huebner
Für Julian Gressel sollte es in Deutschland nie zum Profifußball reichen. Am nächsten kam er dem im Trikot von Eintracht Bamberg in der Regionalligasaison 2012/13. In den USA schaffte er mit 23 bei Atlanta United den Durchbruch. 2024 kickte er bei Inter Miami an der Seite von Lionel Messi.
Für Julian Gressel sollte es in Deutschland nie zum Profifußball reichen. Am nächsten kam er dem im Trikot von Eintracht Bamberg in der Regionalligasaison 2012/13. In den USA schaffte er mit 23 bei Atlanta United den Durchbruch. 2024 kickte er bei Inter Miami an der Seite von Lionel Messi. ©  IMAGO/Zink und IMAGO/Imagn Images
Miroslav Klose gab erst mit 21 Jahren sein Profi-Debüt bei Kaiserslautern. Zuvor spielte er für Homburg in der Regionalliga (l.). Sein größter Erfolg war der Gewinn der WM 2014.
Miroslav Klose gab erst mit 21 Jahren sein Profi-Debüt bei Kaiserslautern. Zuvor spielte er für Homburg in der Regionalliga (l.). Sein größter Erfolg war der Gewinn der WM 2014. © IMAGO/Ferdi Hartung und IMAGO/ActionPictures
Links feiert Robin Gosens 2014 den Aufstieg mit dem FC Dordrecht in die erste niederländische Liga. Auf dem rechten Bild spielt er im DFB-Trikot.
Robin Gosens besuchte nie das NLZ eines Profivereins und wechselte erst kurz vor seinem 18. Geburtstag in die Jugend von Vitesse Arnheim. Von dort wurde er zum Zweitligisten FC Dordrecht verliehen, mit denen er sensationell aufstieg (l.). Mittlerweile kann Gosens einige DFB-Einsätze verzeichnen. © IMAGO/ANP und IMAGO / Nico Herbertz
Links ist Fabian Klos im Trikot der zweiten Mannschaft des VfL Wolfsburg zu sehen. Rechts bejubelt er einen Treffer für Bielefeld.
Fabian Klos blieb bis er 19 Jahre alt war bei seinem Jugendklub SV Meinersen. Von dort wechselte er in die Oberliga zum MTV Gifhorn, ehe er sich über die zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg für höheres empfiehl. Im Sommer 2024 beendete die Arminia-Legende seine Karriere. © IMAGO/Kruczynski und IMAGO/Team 2
Jamie Vardy spielte mit 23 noch siebte Liga in England, ehe es über Halifax Town und Fleetwood Town (l) – damals fünfte Liga – zu Leicester City ging. Mit den Foxes gewann er 2015/16 dann sogar die Meisterschaft.
Jamie Vardy spielte mit 23 noch siebte Liga in England, ehe es über Halifax Town und Fleetwood Town (l.) – 2011/12 fünfte Liga – zu Leicester City ging. Mit den Foxes gewann er 2015/16 dann sogar die Meisterschaft. ©  IMAGO/Shutterstock und IMAGO/PA Images

Für einen Traditionsverein wie Borussia sind Talente ein wichtiger Baustein, einerseits in der Entwicklung sportlicher Qualität und andererseits für den Faktor Identifikation. Eigengewächse sind die Fan-Favoriten, Rocco Reitz kann davon seit zwei Jahren ein Lied singen.

Auf der einen Seite verspürt Sport-Geschäftsführer Roland Virkus eine gewisse Vorfreude, wenn er auf die Nachwuchstalente blickt. „Wir haben eine Generation von vielen vielversprechenden Spielern“, konstatierte Virkus in einer Medienrunde, an der auch Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, teilgenommen hat.

Dieses Potenzial erkennt natürlich auch Cheftrainer Gerardo Seoane, der trotz der Niederlage im Testspiel gegen Metalist Charkiw am Dienstagabend (1:3) gut gelaunt war. „Der Trainer hat auch gesehen, dass viel Potenzial in der Truppe herrscht. Gestern, als wir das Spiel verloren haben, hat man ihn locker erlebt“, sagte Virkus und ergänzte vielsagend: „Ich muss ganz ehrlich sagen, so locker habe ich ihn auch noch nicht gesehen.“

Gladbach-Talenten wird nichts geschenkt: „Spielen Leistungsfußball“

Das Erwartungsmanagement gehört zu den anspruchsvollsten Aufgaben, die Virkus in diesem Kontext zu bewältigen hat. Im Fan-Umfeld ist das Lechzen nach neuen Youngsters spürbar, geschenkt wird aber niemandem etwas. Nur ein Talent zu sein, das reicht nicht.

Gerardo Seoane und Roland Virkus (v.l.) blicken gespannt auf die Gladbacher Nachwuchstalente.

„Die Spieler müssen sich das verdienen. Wir sind eine Leistungsgesellschaft, wir spielen Leistungsfußball“, stellte Virkus klar und betonte: „Du musst allen gerecht werden. Den einen wirfst du rein, der andere spielt vielleicht von Anfang an, manche Wege führen über die U23 oder U19.“

Borussia habe Stefan Lainer und Alassane Pléa gehen lassen, um perspektivisch Platz für die Nachwuchskräfte zu schaffen. Dennoch sei nicht zu erwarten, dass Gladbach von heute auf morgen von einer Teenager-Bande dominiert wird: „Es gibt immer mal das absolute Hypertalent, das vielleicht sofort in der ersten Mannschaft spielen kann und sich freischwimmt. Aber Herrenfußball ist anders getaktet, das ist eine andere Hausnummer.“

Virkus zieht Parallele zu Marc-André ter Stegen

Selbst der Durchbruch von Marc-André ter Stegen in der Rückrunde 2011/12 sei alles andere als reibungslos verlaufen. „Ich weiß noch, wie intern über Marc diskutiert worden ist. Dann hatte er in der U23 in zwei Spielen Probleme, und danach hat er sich schnell adaptiert. Wir reden über einen Welttorhüter, der U23 gespielt hat.“

Auch Reitz benötigte eine doppelte Leihe nach Belgien, um in Gladbach Fuß zu fassen. Ein Lukas Ullrich hatte in der vergangenen Saison das „Glück“, dass sich Luca Netz verletzt hat.

Die Gladbacher wissen genau, welche Qualitäten der Profi-Kader künftig erhalten könnte. Nun gilt es, die Ruhe zu bewahren und die Potenziale auszuschöpfen, um sportlich – und auch finanziell – davon zu profitieren.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Norbert Jansen / fohlenfoto

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