Abschied zur PSV Eindhoven

Pléa-Transfer enthüllt Gladbachs Probleme: Ein Detail spricht Bände

Alassane Pléa verlässt Borussia Mönchengladbach. Doch sein Abgang ist mehr als nur ein Transfer – er ist das Symbol für eine gefährliche Entwicklung.

Mönchengladbach – Der Wechsel von Alassane Pléa zur PSV Eindhoven ist offiziell und markiert das Ende einer Ära. Nach sieben Jahren verlässt der Franzose Borussia Mönchengladbach.

Der Verkauf des Angreifers ist für die Fohlen nicht nur mit sportlichem Risiko verbunden, zumal Nationalspieler Tim Kleindienst noch lange ausfällt. Er ist auch ein schmerzhaftes Symptom für eine besorgniserregende Entwicklung am Niederrhein: den sportlichen und finanziellen Stillstand.

„Ich blicke dankbar zurück auf sieben tolle Jahre bei diesem großartigen Klub“, sagt Pléa zu seinem Abschied. Auch Sport-Geschäftsführer Roland Virkus findet versöhnliche Worte und erklärt, man sei dem Wunsch des Spielers nach einer neuen Herausforderung nachgekommen. Die nüchternen Fakten: Für kolportierte drei bis vier Millionen Euro wird ein Schlüsselspieler abgegeben. Viel entscheidender ist aber ein anderes Ablöse-Detail.

Dusche, Tankstelle, Küche: Die skurrilsten Verletzungen im Profifußball

Manuel Neuer feiert die Meisterschaft des FC Bayern auf Krücken
Manuel Neuer ist schon mehrfach auf Krücken gelaufen. Der Kapitän des FC Bayern erlitt jüngst eine kuriose Verletzung – und ist damit im Profifußball nicht alleine ... © IMAGO / Revierfoto
Nathan Ngoumou wird vorerst nicht mehr für Borussia Mönchengladbach spielen
Nathan Ngoumou wurde nach dem Schlusspfiff des Auswärtsspiels von Borussia Mönchengladbach gegen den FC St. Pauli zum Auslaufen geschickt. Wenige Minuten später musste der Flügelspieler mit einer gerissenen Achillessehne in die Kabine getragen werden. © IMAGO/kolbert-press/Burghard Schreyer
Manuel Neuer wurde im Champions-League-Duell zwischen dem FC Bayern und Leverkusen ausgewechselt
Für Manuel Neuer hatte das Champions-League-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen im März 2025 bittere Konsequenzen. Der Torhüter des FC Bayern erlitt beim Torjubel einen Muskelfaserriss. © IMAGO/Philippe Ruiz
Xabi Alonso gewann 2010 mit Spanien die Weltmeisterschaft in Südafrika
Auf dem Platz konnte man Xabi Alonso wenig anhaben, dafür war die Dusche sein größter Feind. In der Vorbereitung auf das WM-Halbfinale 2010 erlitt Alonso eine tiefe Wunde im Knie, weil die Glasscheibe der Dusche plötzlich brach. Der Cut wurde in der Mannschaftskabine zugenäht, der Mittelfeldspieler stand gegen Deutschland daher auf dem Rasen. © IMAGO / Fotoarena
Charles Akonnor spielte von 1998 bis 2004 für den VfL Wolfsburg
Im Jahr 2001 rammte sich Charles Akonnor, damals für den VfL Wolfsburg tätig, versehentlich seine Auto-Antenne in die Nase. Weil das blutstillende Mittel auf der Dopingliste stand, wurde er für drei Spiele gesperrt.  © IMAGO / Contrast
Kevin Trapp spielt bis heute für Eintracht Frankfurt, war von 2015 bis 2018 aber für Paris St. Germain aktiv
Kevin Trapp galt noch als Talent, da hatte er 2013 beim Werbedreh der deutschen U21-Nationalmannschaft großes Pech. Trapp war ausgerutscht, weil er laut dem damaligen Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen mit Stollenschuhen auf einem glatten Steinboden unterwegs war. Später einigten sich die SGE und der DFB auf eine Entschädigungszahlung. © IMAGO/osnapix / Marcus Hirnschal
Santiago Cañizares vom FC Valencia diskutiert mit einem Verantwortlichen
Santiago Cañizares wollte sich im Mai 2002 für ein Abendessen mit der spanischen Nationalmannschaft frisch machen, als ihm das Parfüm im Badezimmer auf den Boden fiel und eine Sehne durchtrennte. Damit war die WM in Japan und Südkorea für den Torhüter gelaufen – und ein gewisser Iker Casillas rückte zwischen die Pfosten. © IMAGO / Claus Bergmann
Darren Barnard in einem Spiel der walisischen Nationalmannschaft
Der ehemalige walisische Nationalspieler Darren Barnard musste aufgrund einer Knieverletzung für fünf Monate pausieren, weil er in der Küche in einer Urinpfütze eines Hundewelpens ausrutschte. © IMAGO / Colorsport
Martin Palermo spielte in seiner Karriere auch für die Boca Juniors
Martín Palermo verletzte sich ausgerechnet nach dem größten Erfolg eines Stürmers. Als der Argentinier in Diensten des FC Villarreal ein Tor bejubelte, stürzte die Werbebande ein. Palermo erlitt einen Schien- und Wadenbeinbruch. © IMAGO / Gribaudi / ImagePhoto
Logan Bailly spielte zweieinhalb Jahre für Borussia Mönchengladbach
Logan Bailly erlitt während seiner Zeit bei Borussia Mönchengladbach einen Mittelfußbruch. Schuld war eine mobile Klimaanlage, die beim Transport aus seinen Händen glitt und auf seinen Fuß fiel. © IMAGO / Ulmer
Adam Nemec spielte 2011 auch für die zweite Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern
Als Adam Nemec dem 1. FC Kaiserslautern im Jahr 2011 für drei Monate fehlte, war ausgerechnet sein Kirschbaum schuld. Der Stürmer kletterte auf diesen hoch, fiel runter – und brach sich sowohl zwei Brustwirbel als auch das Schlüsselbein. © IMAGO / Revierfoto
Robbie Keane spielte in seiner Karriere unter anderem für Aston Villa
In der Sturmspitze war Robbie Keane treffsicher, doch auf dem heimischen Sofa stellte er sich mit seinem Fuß ungeschickter an. Als er mit diesem die TV-Fernbedienung bedienen wollte, zog sich der Ire einen Bänderriss im Knie zu. © IMAGO / Colorsport
Markus Pröll hütete bis 2010 das Tor von Eintracht Frankfurt
Bei einem Testspiel mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2009 stolperte der damalige Torhüter Markus Pröll nicht über seine eigenen Füße, sondern über ein kleines Mädchen. Das Resultat: eine Schultereckgelenksprengung. © IMAGO / Jan Huebner
Bjarne Thoelke spielte 2011 sechsmal für die Profis des VfL Wolfsburg
Als seine Karriere beim VfL Wolfsburg Fahrt aufnehmen sollte, spielte ein Pferd dem damaligen Abwehrtalent Bjarne Thoelke einen Streich. Der heutige Innenverteidiger des 1. FC Saarbrücken erlitt einen Kahnbeinbruch, weil ein Pferd auf dem Bauernhof seiner Eltern während der Stallarbeit austrat. © IMAGO / Joachim Sielski
Elkin Soto spielte viele Jahre lang für Mainz 05
Im März 2013 musste Mainz-Trainer Thomas Tuchel für ein Spiel auf Elkin Soto verzichten, weil sich der Mittelfeldspieler bei „einer alltäglichen Bewegung“ einen Hexenschuss zuzog. Die Auflösung: Der Kolumbianer erlitt die starken Schmerzen, als er sich bückte, um seine Schuhe zu binden. © IMAGO / Martin Hoffmann
Leon Andreasen hat 2016 seine Karriere bei Hannover 96 beendet
Dass Messer gefährlich sind, lernte Leon Andreasen auf bittere Weise. Der Ex-Profi von Hannover 96 verletzte sich im November 2015 beim Öffnen eines Pakets an der Hand. Die Schnittwunde hatte eine Operation zur Folge. © IMAGO / Eibner
Daniel Bierofka wird von den Spielern von 1860 München gefeiert
Als Daniel Bierofka noch Spieler von 1860 München war, prallte er in einem Testspiel gegen den VfR Aalen mit Schiedsrichter Robert Hartmann zusammen. Die Diagnose: Nasenbeinbruch. © IMAGO / Sven Simon
Nicolai Müller erlitt am 1. Spieltag der Saison 2017/18 einen Kreuzbandriss
Nicolai Müller wollte in der Saison 2017/18 mit dem Hamburger SV angreifen. Am ersten Bundesliga-Spieltag erzielte er schon in der achten Minute den Siegtreffer gegen den FC Augsburg – und erlitt beim Jubel einen Kreuzbandriss. © IMAGO / Oliver Ruhnke
Éver Banega spielt bis heute Fußball und ist für die Newell‘s Old Boys aktiv
Beim FC Valencia fehlte Éver Banega in der Schlussphase der Saison 2011/12 wegen eines Knöchelbruchs. Schuld war das Auto des Argentiniers, das an der Tankstelle über seinen Fuß rollte – weil er die Handbremse nicht gezogen hatte. © IMAGO / ULMER
Stefan Kuntz ist 1991 mit Kaiserslautern deutscher Meister geworden
Als der 1. FC Kaiserslautern am 7. September 1991 gegen den FC Bayern spielte, fehlte Stefan Kuntz (l.) plötzlich. Der damalige Stürmer knickte beim Verlassen des Mannschaftsbusses um und erlitt einen dreifachen Bänderriss.  © IMAGO/ HORSTMUELLER GmbH
Marko Arnautovic geht heute für Inter Mailand auf Torejagd
Marko Arnautović hat bei Werder Bremen mehrfach für Aufruhr gesorgt. So auch im März 2012, als er wegen eines Innenbandrisses im Knie wochenlang fehlte – weil er mit seinem Hund spielte und im Rasen hängengeblieben war. © IMAGO / Marco Canoniero

Gladbachs Rekordtransfer: Ein Denkmal des Stillstands

Seit der Saison 2018/19 ist Alassane Pléa mit 23 Millionen Euro der Rekordeinkauf von Borussia Mönchengladbach. Sieben Jahre lang wurde diese Marke nicht übertroffen. In einer Bundesliga, die sich rasant entwickelt, ist das ein alarmierendes Zeichen. Während Klubs wie RB Leipzig, Bayer Leverkusen oder der VfB Stuttgart ihre Rekordmarken in den letzten Jahren teils mehrfach pulverisiert haben, herrscht in Gladbach eine gefährliche Ruhe.

Der Vergleich mit der Konkurrenz ist ernüchternd. Da muss der Blick gar nicht auf den FC Bayern mit Harry Kane und der Nähe zur 100-Millionen-Euro-Grenze gehen. Sondern zum Beispiel nach Stuttgart mit Deniz Undav und rund 27 Millionen Euro.

Stillstand bedeutet im Profifußball immer Rückschritt – und Gladbachs Transferrekord ist zu einem Denkmal dieses Rückschritts geworden.

Alassane Pléa hat Borussia Mönchengladbach verlassen – er ist immer noch Rekordeinkauf der Fohlen.

Vom Champions-League-Achtelfinale zum Ausverkauf

Die fehlende finanzielle Durchschlagskraft hat direkte sportliche Konsequenzen. Ein Blick auf den Kader, der im März 2021 im Champions-League-Achtelfinale gegen Manchester City stand, verdeutlicht den Aderlass. Von den damals eingesetzten oder auf der Bank sitzenden 17 Profis ist mit Nico Elvedi nur noch ein einziger Spieler im Verein.

Stars wie Yann Sommer, Marcus Thuram, Ramy Bensebaini, Matthias Ginter oder Jonas Hofmann haben den Verein verlassen – oft für geringe oder gar keine Ablöse. Hier liegt der Hase im Pfeffer: Hätte Gladbach Bensebaini, Ginter und Thuram nicht ablösefrei verloren, wären die Mittel für einen neuen Rekordtransfer womöglich vorhanden gewesen. Stuttgart hat immer wieder hohe Einnahmen erzielt und konnte sich so die Undav-Ablöse locker leisten.

Der einstige Königsklassen-Teilnehmer hat seine Leistungsträger nicht halten und auch längst nicht in allen Fällen adäquat ersetzen können. Übrig geblieben ist ein Kader, der sich in den letzten Jahren tendenziell eher in Richtung Abstiegskampf als nach Europa orientieren musste.

Ein Weckruf für Roland Virkus und Gladbach?

Der Abgang von Alassane Pléa ist daher mehr als nur der Verlust eines verdienten Spielers. Er ist der letzte Vorhang für eine Ära, die hoffnungsvoll begann und in der Stagnation endete. Die geringe Ablöse, die für den Rekordeinkauf noch fließt, ist das schmerzhafte, aber passende Symbol für eine Entwicklung, die den Klub sportlich und finanziell ins Hintertreffen hat geraten lassen.

Für die Verantwortlichen um Roland Virkus muss es ein Weckruf sein. Es braucht mehr als nur das Verwalten des Status quo. Es braucht eine neue Vision, eine mutige Strategie und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Der schmerzhafte Aderlass der letzten Jahre bietet nun auch die Chance, eine neue, hungrige Mannschaft mit einer klaren sportlichen Identität aufzubauen.

Ansonsten droht der Traditionsklub endgültig den Anschluss zu verlieren.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Sven Simon

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