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Während Gerardo Seoane bei den Anhängern nach sieben sieglosen Bundesligaspielen in Folge schwer in der Kritik steht, sehen die Klub-Bosse um Sport-Geschäftsführer Roland Virkus keinen Grund für eine Trainerdiskussion.
Nähme Seoane seinen Hut, wäre der sechste Coach seit dem Rücktritt von Lucien Favre im September 2015 gescheitert. Alleine seit 2019 hatte Gladbach vier unterschiedliche Trainer: Marco Rose wechselte 2021 nach zwei Jahren zu Borussia Dortmund, Nachfolger Adi Hütter war nach der Saison 2021/22 schon wieder weg und auch Daniel Farke hielt anschließend nur ein Jahr durch.
Was braucht der ideale Borussia-Trainer?
Dass Hütter die AS Monaco zweimal in Folge in die Champions League geführt hat und Daniel Farke mit Leeds United in die Premier League aufgestiegen ist, spricht für die Qualität beider Trainer. Warum es in Gladbach nicht funktioniert hat, hat unterschiedliche Gründe.
So wurde Hütter ein Umbruch versprochen, der niemals umgesetzt wurde. Farke wiederum hatte einen Kader ohne Konkurrenzkampf, wobei er auch keinen Versuch unternahm, das Feuer in den Spielern zu wecken.
Nichtsdestotrotz drängt sich angesichts der Vita von Hütter und Farke sowie der rätselhaften Entwicklung unter Gerardo Seoane die Frage auf, was ein idealer Gladbach-Trainer eigentlich mitbringen muss. Absolut Fussball, das Fußball-Portal von Home of Sports, wagt sich an einer Beantwortung.
Ein Gladbach-Trainer braucht Emotionen
Wie bei Traditionsvereinen üblich, spielen Emotionen in Gladbach eine große Rolle. Der letzte Trainer, der an der Seitenlinie oder vor den Mikrofonen der Medienvertreter des Öfteren aus der Haut fuhr, war Rose. Allen voran Farke und Seoane sind keine Vulkane, auch Hütter stand weniger für eine Emotionalisierung.
Das spiegelt sich in der Kommunikation nach außen wider. Seoane ist um eine Versachlichung bemüht, ordnet Spiele nüchtern und mit einer großen Portion Pragmatismus ein. Ähnlich verhielt es sich bei Farke, der sich im Laufe der Zeit immer häufiger im Understatement verlor, womit er seine Glaubwürdigkeit bei den Fans verspielte.
Ambition ist in Gladbach wichtig
Neben Emotionen spielt Ambition eine große Rolle. Der Trainer ist ein wichtiger Kommunikator, ist er doch verantwortlich für die Leistung und Entwicklung der Mannschaft.
Borussia-Fans ist natürlich bewusst, dass die goldenen Jahre vorbei sind. Doch vielleicht gerade deshalb ist die Sehnsucht nach einer Aufbruchstimmung groß. Es braucht das Gefühl, dass die Zukunft vielversprechender wird als die vergangenen vier Jahre, dass der erneute zehnte Tabellenplatz bald Geschichte ist und man wieder auf die Ränge sieben oder sechs blicken darf.
Hütter erklärte bei seinem Amtsantritt im Sommer 2021, er wolle Gladbach zurück nach Europa führen. Farke hingegen sagte im Februar 2023, „graue Maus“ klinge gar nicht so schlecht, und Seoane betont stets, das Träumen den Fans zu überlassen. Er selbst beschäftige sich nicht mit möglichen Szenarien, sondern nur mit dem nächsten Spiel.
Das Ambitions-Vakuum könnte Virkus als Sport-Geschäftsführer füllen, doch auch der 58-Jährige backt kleinere Brötchen. Europa wurde selbst auf Platz fünf nicht zum Ziel erklärt, 50 Punkte wären eher nett statt die Pflicht gewesen und am Ende war selbst die Einstelligkeit ambitioniert. Mit derlei Aussagen holt man keinen Fan ab.
Mit Tempo zum gegnerischen Tor
Auf fußballerischer Ebene ist indes der Wunsch nach einem temporeichen Offensivfußball spürbar. Als Dieter Hecking noch Trainer war, fiel ein ums andere Mal der Vorwurf, Gladbach würde „Schlafwagenfußball“ spielen. Auch unter Farke erhielt das Spektakel selten Einzug.
Passivität unter Seoane ist den Fans ein Dorn im Auge
Genauso groß ist der Wunsch nach einer höheren Aktivität im Spiel gegen den Ball. Es braucht keine Pressingmonster, die den Gegner über das gesamte Feld jagen, doch die häufige Passivität unter Seoane ist vielen Fans ein Dorn im Auge.
Besonders im letzten Saisonviertel ließ sich Borussia zu tief fallen, hatte im Zentrum keinen Zugriff und ließ zu viele Flanken und Torschüsse des Gegners zu. Erinnerungen wurden wach an den Endspurt 2023/24, als die Seoane-Elf trotz etlichen Defensivakteuren in der Startelf nicht in der Lage war, das eigene Tor zu verteidigen.
Einen Trainer zu finden, der alle Elemente vereint, ist die Königsdisziplin. Noch herrscht in Gladbach die Hoffnung, mit Seoane den richtigen Coach gefunden zu haben. Der Nachweis dafür wird in der kommenden Saison erbracht werden müssen.