DFB-Präsident gescheitert
Kommentar zum Rücktritt von Reinhard Grindel: Zwei Nummern zu groß
Reinhard Grindel ist gescheitert. Die Gier nach Macht hat den ehemaligen Bundestagsabgeordneten verblendet, an der Gier nach Geld hat er sich im Amt des DFB-Präsidenten verbrannt. Hat der 57-jährige Rotenburger eine Spur von Anstand, tritt er auch von allen anderen Ämtern zurück und lässt sich in den internationalen Verbänden nicht mehr fürstlich entlohnen. Aber womöglich ist der goldene Handschlag weiter zu verlockend.
Von Matthias Freese. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Grindel, für den Compliance eines der Lieblingswörter war, der sogar Vorsitzender der gleichnamigen Kommission in der Uefa ist, dieses nicht vorlebt und über seine mangelhafte Transparenz stolpert. Hätte er es ernst gemeint, hätte er seine Bezüge von vornherein offengelegt.
Hat er nicht – auch im Finanzbericht wird dieses nicht konkret dargelegt. Ein Ehrenamtlicher im eigentlichen Sinne war Grindel angesichts der Geldflüsse ohnehin nie. Die Vergütungen, die er bekommen hat, sind zwar alle legal und auch nicht erst unter ihm usus gewesen – dennoch rückt er zumindest moralisch in die Nähe korrupter Sportfunktionäre.
Innerhalb von nur drei Jahren hat er sämtlichen Kredit verspielt. Er hat keine Freunde mehr und geht ohne Frage als der unbeliebteste aller bisherigen Bosse in die DFB-Geschichte ein. Er wollte der Präsident aller sein, biederte sich bei den Profis und der Nationalmannschaft an, um mit im Rampenlicht zu stehen, gab sich aber auch als Freund der Amateure aus.
Keiner hat sich so oft wie er an der Basis blicken lassen – doch fehlte dieser Selbstinszenierung die Authentizität. Grindel konnte den Ruf der Arroganz, der ihm schon vor seiner Zeit beim DFB vorauseilte, nicht abstreifen. Er versuchte es allen recht zu machen und machte sich damit zum Spielball. Sein größter Fehler war seine dabei völlige Selbstüberschätzung. Die internationale Klasse ist für Grindel als Funktionär jedenfalls zwei Nummern zu groß.