Rotenburger im Abseits

Die Grindeldämmerung: Reinhard Grindel als DFB-Präsident zurückgetreten

Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte in Rotenburg hatte Reinhard Grindel kurz vor der WM 2018 – an der B 215 präsentierte er Werbetafeln für das Spiel gegen Werders Altstars. Dort entstand dieses Bild. Foto: Freese
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Einen seiner letzten öffentlichen Auftritte in Rotenburg hatte Reinhard Grindel kurz vor der WM 2018 – an der B 215 präsentierte er Werbetafeln für das Spiel gegen Werders Altstars. Dort entstand dieses Bild. Foto: Freese

Die Zeit ist abgelaufen – Reinhard Grindel ist nach dem öffentlichen Druck als DFB-Präsident zurückgetreten. Mit hohen Zusatzeinkünften in seiner Funktion als ehrenamtlicher Sportfunktionär sowie einem Luxus-Chronographen als Geschenk eines ukrainischen Oligarchen hatte sich der 57-jährige Rotenburger endgültig ins Abseits befördert. Manche Kritiker in seiner Heimat sehen sich bestätigt.

Rotenburg – Von Matthias Freese. Rolf Ludwig erinnert sich noch gut an seine erste Begegnung mit dem ihm damals unbekannten Bundestagskandidaten Reinhard Grindel. 2001 war das in einem Rotenburger Restaurant, als es zum lautstarken Disput kam, weil ihn Grindel wegen seiner kritischen Haltung zum Rotenburger SV verbal attackiert hatte. 

Wenige Tage später folgte eine Entschuldigung, die der Chef der der Arbeitsgemeinschaft Rotenburger Sportvereine immer noch besitzt. „Handschriftlich, zwei Seiten lang“, wie er betont. Ludwig, wie Grindel CDU-Mitglied, blieb auch in den folgenden Jahren ein Kritiker des gebürtigen Hamburgers – insbesondere nach seiner Wahl zum DFB-Präsidenten. 

Grindel: Er habe dem Ehrenamt geschadet

Jetzt sagt er: „Er hat die richtigen Konsequenzen gezogen, denn er hat dem Ehrenamt geschadet und es mit Füßen getreten. Als Präsident muss ich ein Vorbild sein, gerade für die Amateure. Das ist er aber nicht. Das war alles nicht mehr im Rahmen. Dann hätte er besser sagen soll, dass er hauptamtlich tätig ist, aber nicht ehrenamtlich.“ Ludwig fordert: „Der ganze DFB muss seine Gemeinnützigkeit überdenken. Oben stecken sie sich alles ein und untern ackern sie sich in den Vereinen kaputt.“

Auch Gerd Rathjen, der Vorsitzende der Fußball-Trainergemeinschaft TGLR, hat die „Grindeldämmerung“ nicht ohne eine gewisse Genugtuung vernommen. „Grindel muss sehen, dass er auf den Boden zurückkommt. Er hat viele Probleme in den DFB hereingetragen und ist gescheitert.“ Rathjen selbst dachte dabei auch an seinen Rauswurf aus dem Bund Deutscher Fußball-Lehrer (BDFL), weil er Kritik an Grindel geübt hatte. Dagegen hat er vor dem Landgericht Frankfurt/M. geklagt. 

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Rathjen vermutet Grindels Druck hinter Rauswurf

Vermutlich muss der Ausschluss zurückgenommen werden, das Urteil erwartet Rathjen in diesen Tagen. Sein Verdacht: Grindel hat den BDFL dazu gedrängt, ihn herauszuwerfen. „Unabhängig vom Rücktritt als DFB-Präsident werde ich gerichtlich klären lassen, welchen Einfluss Grindel genommen hat, dass ich rechtswidrig meine Arbeit als Mitglied des BDFL-Bundesvorstandes nach 27 Jahren aufgeben musste.“

In seinem Heimatverein, dem Rotenburger SV, genießt Grindel bei manchem Vorstandsmitglied weiter hohes Ansehen. Zur 100-Jahr-Feier am 31. August sollte er eigentlich die Festrede halten. „Aus unserer Sicht bleibt das auch so – aber das muss er selbst entscheiden“, sagt der Marketingbeauftragte Paul Metternich, treuer und enger Vertrauter Grindels. 

Grindel zurück als Funktionär in Rotenburg?

Er findet: „Dass er einen Fehler gemacht hat, ist menschlich. Ich denke jetzt aber mehr an seine Familie als an den DFB und hoffe, dass sie keinen Schaden nimmt. Mir tut das sehr leid, denn er hat viel für unseren Verein getan und immer ein offenes Ohr gehabt.“ Als der RSV im vergangenen Jahr die Werder-Altstars zu Gast hatte, stellte sich Grindel zum Beispiel persönlich im Vorfeld, unmittelbar vor dem Abflug zur WM nach Russland, für Werbezwecke zur Verfügung.

Ob der gescheiterte DFB-Präsident nun womöglich in der Wümmestadt nach einer Auszeit wieder einen Posten in Sport oder Politik (2021 sind Landrats- und Bürgermeisterwahlen) übernimmt, glaubt Ludwig nicht: „Hier wird er keine Chance mehr haben, der ist verbrannt.“

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