Gratis-Strom bei Obi, Lidl & Co.
Alles geschnorrt: E-Autofahrer fährt 1.100 km – und zahlt 0 Cent für Strom
Geschnorrt bei Lidl, Obi und Co.: Ein E-Auto-Fahrer schafft es, von Flensburg bis Füssen zu fahren, ohne einen Cent für Strom zu bezahlen – Ersparnis: 100 Euro.
Flensburg – Durch ganz Deutschland mit dem E-Auto fahren und auf der Strecke keinen Cent für Ladestrom bezahlen – das klingt zu Zeiten, in denen Strom für Elektroautos plötzlich fast so teuer ist wie Benzin, nahezu unmöglich. Doch Journalist Holger Karkheck hat es geschafft und von seinem Selbsttest in der „Auto Bild“ berichtet. Er hat sich auf der Strecke von Flensburg in die bayrische Stadt Füssen mit seinem Hyundai Kona Elektro anhand von Gratis-Ladestationen vor Baumärkten und Discountern über Wasser gehalten – zahlen musste er jedoch mit seiner Zeit.
| Automobilhersteller: | Hyundai |
| Hauptsitz: | Seoul, Südkorea |
| Gründer: | Chung Ju-yung |
| Umsatz: | 105,8 Billionen KRW (Stand: 2019) |
Dank Gratis-Strom bei Obi, Lidl und MediaMarkt: 1.100 Kilometer im E-Auto – null Cent Kosten
Der „Auto Bild“-Autor Karkheck beschreibt sich in seinem Selbsttest als Schnäppchenjäger, der immer dort zur Stelle ist, wo Rabatte und Sonderangebote winken. Mit dem E-Auto-Test bringt er diese „Passion“ auf ein ganz neues Level: Der Sparfuchs erschnorrt sich auf einer 1100 Kilometer langen Strecke durch ganz Deutschland an unterschiedlichen Gratis-Ladestationen Strom für seinen Hyundai Kona Elektro. Das funktioniert sogar recht gut – abgesehen davon, dass er für den Weg deswegen etwa dreimal so lang braucht.
Vereinzelte Supermärkte, Möbelgeschäfte und Discounter bieten in der ganzen Bundesrepublik derzeit noch gratis Strom für Elektroautos an Ladestationen vor ihren Geschäften an. Wie lange sich dieses Angebot für Kunden noch halten wird, ist jedoch fraglich, da Ikea, Lidl und Co. bereits angekündigt haben, diesbezüglich bald den Strecker zu ziehen*. Grund dafür sind vor allem „Ladeschnorrer“, die sich stundenlang an Discounter-Ladestationen hängen und damit die eigentlichen Kunden erzürnen*.
Selbsttest mit dem Elektroauto Hyundai Kona Elektro: Über die ganze A7, ohne für Strom zu zahlen
Auf diese Art und Weise wollte auch Journalist Karkheck die ganze A7 abfahren, ohne für Ladestrom zu bezahlen. Dafür startete der E-Auto-Fahrer um acht Uhr morgens in Flensburg, fuhr über Neumünster, Halstenbek bei Hamburg und Hannover die Autobahn ab und hielt regelmäßig an öffentlichen Angeboten für Gratis-Strom. Nicht immer waren an den von ihm ausgesuchten Einkaufszentren oder Möbelmärkten jedoch Lade-Plätze frei. Kein Wunder: Schließlich kommt auf 21 E-Autos lediglich eine Ladestation in Deutschland – Chaos und Gedränge* sind da vorprogrammiert. Aus dem Grund fordert der Automobilverband nun 2.000 neue Ladesäulen für Elektroautos – wöchentlich!
Doch in diesen Fällen suchte der E-Hyundai-Fahrer einfach weiter oder ließ sich mit Tipps von anderen Elektroauto-Besitzern an verfügbare Ladestationen leiten. Im hessischen Baunatal machte Karkheck sich gegen Abend schließlich auf die Suche nach einem Plätzchen für die Nacht. Fündig wurde er letztlich auf einem Parkplatz eines AquaParks, wo noch eine Ladesäule frei war. Dort mümmelte er sich bei knapp über null Grad in seinen Schlafsack ein und übernachtete – um Hotelkosten zu sparen – einfach in dem Elektrowagen. „Der Hyundai lädt, ich tanke auf“, fasst der Journalist die Situation in der „Auto Bild“ zusammen.
31,5 Stunden für 1100 Kilometer im E-Auto – dreimal länger unterwegs, aber knapp 100 Euro Stromkosten gespart
Am nächsten Tag erreichte Karkheck gegen Mittag endlich Füssen nahe der österreichischen Grenze. Es bedurfte nur noch einem Stopp bei einem Lidl* in Ochsenfurt, um dem Wagen an einer Gratis-Ladestation seinen nötigen Saft für die restliche Strecke zukommen zu lassen. Aufgrund eines Schneesturms konnte der Fahrer aber wohl auch einiges an Energie sparen, da er sich mit 60 km/h hinter einem Schneepflug einreihte.
„Nach 31,5 Stunden ist die A7 am Ende – und ich auch“, statuiert der Journalist in der „Auto Bild“. Er habe auf etwa 1100 Kilometern rund 222 Kilowattstunden (kWh) Strom „erschnorrt“. Wenn für eine Kilowattstunde 45 Cent angesetzt wird, läuft das auf 99,90 Euro hinaus. 45 Cent ist dabei aber noch großzügig veranschlagt, an Ladesäulen für E-Autos droht ein erheblicher Preisanstieg – einige Anbieter verlangen bereits 79 Cent pro kWh und auch Preise von 99 Cent pro kWh sind keine Ausnahmen mehr. Teilweise scheinen die Preise dabei sogar „völlig willkürlich“, Ladestationen verlangen doppelte Strompreise – mitunter zahlen E-Auto-Fahrer sogar das Dreifache des gängigen Haushaltsstrompreises.
Kostenlos mit dem E-Auto durch Deutschland – Gratis-Ladestationen bei Obi, Lidl und Co. machen es möglich
Insgesamt hat „Auto Bild“-Autor Karkheck bei seinem Selbsttest also 31,5 Stunden mit dem E-Auto von Flensburg nach Füssen gebraucht – für die Strecke hätte man ohne Schneesturm und Ladestopps nur zwischen neun und zehn Stunden im Auto sitzen müssen. „Aber dafür war es kostenlos“, schließt der Journalist. Die Entscheidung, ob es das wert ist, bleibt jedem selbst überlassen. Doch der Selbstversuch zeigt, dass es theoretisch tatsächlich möglich ist, mit einem E-Auto kostenlos durch ganz Deutschland zu kommen – man muss sich nur geschickt anstellen.
Eine ganz andere Erfahrung machte eine junge Familie auf einem Kurztrip durch Deutschland, der für eine Mutter „kurz vorm Heulen“ endete und wegen fehlender Ladestationen zu einer regelrechten Odyssee mit dem E-Auto wurde. Es ergibt also definitiv Sinn, sich bei einer längeren Strecke bereits im Vorhinein anhand praktischer Apps über Lademöglichkeiten für Elektroautos zu informieren – nicht, dass am Ende weit und breit keine aufzufinden* sind. Vielleicht ist irgendwann aber sogar das nicht mehr nötig, momentan entwickelt ein Unternehmen nämlich Straßen-Beton, der E-Autos während der Fahrt laden soll. Für jetzt müssen sich Besitzer von Elektroautos aber noch mit herkömmlichen Ladestationen behelfen. Bei dem umfassenden Gratis-Angebot in Deutschland sollte das aber ja machbar sein – zumindest in urbanen Gebieten. * kreiszeitung.de, 24hamburg.de und bw24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.
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