Tanken ist noch Hindernis
Wasserstoffauto im Alltag: „Super“ – ein Pendler zieht Bilanz
Wie gut kommt man mit einem Wasserstoffauto in Deutschland von A nach B? Ein Pendler teilt seine Erfahrungen zu Reichweite und H2O-Tankstellen.
Hamburg - Wasserstoffautos gelten als saubere Alternative zum Benziner oder Diesel. Sie sind eine große Hoffnung im Kampf gegen den Klimawandel. Derzeit sind in Deutschland allerdings nur rund 1600 Wasserstoffautos zugelassen, wie aus den Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes hervorgeht. Das hat verschiedene Gründe. Bundesweit gibt es laut ADAC lediglich rund 100 Wasserstofftankstellen, die öffentlich nutzbar sind. Im Vergleich zu vielen europäischen Ländern hat Deutschland damit allerdings schon eine Vorreiterrolle eingenommen.
Welche Wasserstoffautos gibt es? In Deutschland sind nur wenige Serienmodelle verfügbar
Ein weiterer Grund für die geringe Anzahl an zugelassenen Wasserstoffautos könnte sein, dass es nur wenige Serienmodelle zu kaufen gibt. Hyundai bietet den SUV Nexo an. Von Mercedes gab es den GLC F-Cell, der inzwischen aber wieder vom Markt genommen wurde. In China startete Changan Automobile die größte Serienproduktion von Wasserstoffautos. Auch der deutsche Hersteller BMW kündigte eine Serienproduktion von Wasserstoffautos an. Der japanische Autobauer Toyota stellt seinen Mirai bereits serienmäßig her.
Ein Drittel aller Deutschen würde lieber auf Wasserstoff als auf E-Autos umsteigen
Ein solches Wasserstoffauto nutzt Paul Roman Ograbisz als Dienstwagen im Alltag. Im Gespräch mit der Sächsichen Zeitung zieht der Pendler eine Bilanz. Der IT-Berater aus Hamburg legte demnach bereits häufiger die rund 500 Kilometer zwischen der Hansestadt und Dresden mit dem Wasserstoffauto zurück. „Die Zugverbindungen nach Dresden sind nicht die besten. So bin ich flexibler“, erklärte Ograbisz. In Zukunft könnten noch mehr Leute umsteigen. Laut einer Umfrage will ein Drittel der Deutschen mit Wasserstoff fahren.
Wie funktionieren Wasserstoffautos?
Wasserstoffautos sind im Grunde Elektrofahrzeuge. Laut ADAC liegt der Unterschied zum normalen E-Auto darin, dass im Fahrzeug eine Brennstoffzelle samt Wasserstofftank verbaut ist. Sie erzeugt den Strom für den Antrieb während der Fahrt, indem aus dem Wasserstoff und dem Sauerstoff der Umgebungsluft elektrische Energie gewonnen wird.
Praxistest Wasserstoffauto: Der Toyota Mirai schafft „nur“ 185 km/h
Der Toyota Mirai bietet laut Fahrer und Pendler Ograbisz ein „typisches, ruhiges E-Auto-Feeling“ beim Fahren. Sein Wasserstoffauto habe eine Leistung von 114 Kilowatt, umgerechnet seien das 155 PS. Beim Bremsen wird Energie „rekuperiert“, also zurückgewonnen und gespeichert. Die einzige Emission, die bei der Fahrt entsteht, ist Wasserdampf. Der Toyota Mirai gilt deshalb laut dem ADAC auch als Null-Emissions-Fahrzeug. Für den Pendler gibt es lediglich einen Nachteil an den Fahrten mit dem Wasserstoffauto: „Mich stört nur die Endgeschwindigkeit von 185 km/h.“
Welche Nachteile hat ein Wasserstoffauto laut Pendler? Beim Tanken ist gute Planung nötig
Das Tanken müsse bei einem Wasserstoffauto gut geplant werden, berichtete Ograbisz weiter. Er prüfe vor der Fahrt immer in einer App, wo sich die nächste Tankstelle befindet und ob sie in Betrieb ist. „Wenn ich dort mit 50 Kilometer Restreichweite ankomme und die Anlage gerade defekt ist, habe ich ein ziemlich großes Problem“, merkte der Pendler an. In Sachsen gebe es drei Tankstellen auf seiner Route, in Hamburg sind es laut dem Übersichtsportal h2.live insgesamt vier. Hin und wieder gebe es kleinere Störungen. „Im Endeffekt hat es aber immer geklappt.“ Toyota hat inzwischen sogar einen mobilen „Reserve-Tank“ für Wasserstoffautos vorgestellt.
Mit einer Tankfüllung legt Ograbisz „bei optimaler Fahrweise“ etwa 300 Kilometer zurück. Fährt er schneller, sind es deutlich weniger. Deutsche Forscher haben ein hybrides Wasserstoffauto entwickelt, das sogar 1000 Kilometer mit nur einer Tankfüllung schaffen soll.
Wasserstoffauto fahren: Pendler berichtet von Ablauf an Tankstellen
Der Preis an der Tankstelle berechnet sich im Gegensatz zu Benzin und Diesel beim Wasserstoffauto in Kilogramm. Seit dem 7. Juni liegt der Einheitspreis laut dem Betreiber H2 Mobility bei 12,85 Euro pro Kilogramm. Demnach liegt der Durchschnittsverbrauch eines Wasserstoffautos auf einer Strecke von 100 Kilometern bei 1,0 bis 1,2 Kilogramm – der Preis also zwischen 12,85 und 15,42 Euro. Ein Schnäppchen, vergleicht man das mit den Benzinpreisen, die nach dem Ende des Tankrabatts deutlich angestiegen sind.
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Wasserstoffauto tanken: In wenigen Minuten erledigt – bargeldlose Bezahlung an SB-Zapfsäulen
Der Tankvorgang an sich dauert laut dem Pendler nur wenige Minuten. Fünf Kilogramm Wasserstoff passen in den Tank. Um zu tanken, muss der Zapfschlauch luftdicht am Einfüllstutzen festgestellt und anschließend der korrekte Druck ausgewählt werden. Beim Toyota Mirai sind das Ograbisz zufolge 700 bar. Die Bezahlung läuft über eine Tankkarte, die direkt am Terminal eingeführt wird. Der Gang in die Tankstellen-Filiale ist nicht mehr nötig.
Wasserstoffauto im Alltag: Pendler zieht positives Fazit – würde privat aber nicht umsteigen
Das Fazit des Wasserstoffauto-Pendlers fällt insgesamt positiv aus. Als Dienstauto und somit „kostenlose und zumindest potenziell klimaneutrale Option“ ist der Toyota Mirai laut Ograbisz „super“. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat ein Wasserstoffauto zum Billig-Preis entwickelt, das insbesondere auf die Bedürfnisse von Berufspendlern angepasst sein soll.
Privat würde Ograbisz dennoch nicht umsteigen. Der Hauptgrund: das weiterhin lückenhafte Tankstellennetz. „Auch der Tankvorgang ist bei Benzin und Diesel viel fehlerunanfälliger und erprobter“, so der Pendler. Das könnte sich in Zukunft aber noch ändern. Der Hersteller NamX zum Beispiel bietet mit dem „Hydrogen Utility Vehicle“ ein neues Wasserstoffauto, das wie eine Haubitze lädt: Reichweite wird über transportable Patronen erzielt.
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