Finanzielle Not
„Konto war leer“: Rentner beklagt „schändliche Ungerechtigkeit in Sachen Bürgergeld“
Ein Ehepaar hat gemeinsam über 100 Jahre in das Rentensystem eingezahlt. Doch ein Schicksalsschlag veränderte alles – mit dramatischen Folgen.
Frankfurt – Wer lange in das Rentensystem einzahlt, muss sich im Alter keine Sorgen machen. Was logisch klingt, ist in der Realität offenbar längst nicht immer so, immerhin bekommen neue Rentner immer weniger Geld. Doch auch Menschen, die schon früh in die Sozialversicherung eingezahlt haben, sind vor finanziellen Misslagen während der Rente nicht sicher.
Auch ein Ehepaar aus Baden-Württemberg klagt über finanzielle Probleme – und das, obwohl der 86-jährige Mann und seine 84-jährige Frau alles dafür getan haben, genau das zu verhindern. Der Rentner erklärte, wie die Krankheit seiner Frau für die beiden alles verändert hat.
Rentner-Ehepaar muss 3300 Euro monatlich für Pflege zahlen – „Das Konto war leer“
Bei der 84-Jährigen wurde vor einigen Jahren Demenz diagnostiziert, erklärte der Rentner focus.de. Zunächst gelang es ihrer Familie noch, sich um die Rentnerin zu kümmern. Doch als sich der Zustand der Frau verschlechterte, hatte ihr Ehemann in Absprache mit seinen Kindern seine Liebste „schweren Herzens ins Pflegeheim gegeben“. Bereits vorher war ihm dabei bewusst, dass erhebliche Kosten auf ihn zukommen werden. Die Angst war groß: „Ich habe bis zum Schluss gehofft, dass es nicht so kommen würde. Ein paar Hundert Euro werden sie dir doch lassen, sagte ich mir. So viel zumindest, dass man einigermaßen über die Runden kommt.“
Doch die monatlichen Kosten für die Pflege seiner Frau überstiegen dabei sogar das Einkommen der beiden. „Was 3300 Euro Ausgaben bedeuten, wenn man 3000 Euro Rente hat, brauche ich wohl nicht zu sagen“, erklärt der 86-Jährige. So hoch sind die Kosten „nur für Zimmer und die Verpflegung, keine Sonderwünsche. Und dabei ist das Pflegegeld (Pflegestufe 4) schon abgezogen“, so der Rentner. Eigentlich habe er „für selbstverständlich gehalten, das Geld für den Einkauf im Supermarkt vom Konto zu nehmen“, schilderte der Rentner. Doch die Rechnung für das Pflegeheim habe ihn eines Besseren belehrt: „Das ging nicht mehr, das Konto war leer.“
Ehepaar verliert Erspartes binnen eines Jahres – deutlich schlechter aufgestellt ist als Bürgergeld-Empfänger
Dass es zu solch einer Situation kommen könnte, hatte das Ehepaar demnach nicht erwartet: „Wir waren unser Leben lang fleißig und gleichzeitig sehr sparsam.“ Selbst ein Restaurantbesuch sei bei den beiden selten gewesen, überwiegend sei das Geld in das Haus und die Vorsorge geflossen. „Sollte einer von uns krank werden, hätten wir was auf der hohen Kante, dachten wir“, beschrieb der Rentner.
Rund ein Jahr hätte das Ersparte ausgereicht, um die Kosten zu decken. Der Rentner dachte sich: „Ich wäre ein Sozialfall. Hundert Jahre lang hatten meine Frau und ich zusammen in dieses System eingezahlt, und jetzt das.“ Er beschreibt, dass er unter diesen Umständen finanziell deutlich schlechter aufgestellt ist als Bürgergeld-Empfänger, denen immerhin ein deutlich größeres „Schonvermögen“ gestattet sei.
Was ist ein „Schonvermögen“?
Das Schonvermögen bezeichnet Vermögenswerte oder Vermögensteile, die bei der Ermittlung von finanziellen Ansprüchen auf Unterstützungsleistungen wie Hartz IV oder Sozialhilfe nicht berücksichtigt werden – und somit geschützt sind. Hierbei muss geklärt werden, ob und inwieweit der Antragsteller über verwertbares Vermögen verfügt, das zur Sicherung des Lebensunterhalts eingesetzt werden kann.
Als verwertbares Vermögen gelten grundsätzlich alle Vermögenswerte, die zur Bestreitung des eigenen Lebensunterhalts oder des Lebensunterhalts der mit dem Antragsteller in einer Bedarfsgemeinschaft lebenden Personen eingesetzt werden können. Hierzu zählen beispielsweise Bargeld, Wertpapiere, Immobilienbesitz oder auch Kraftfahrzeuge. (Quelle: juraforum.de)
„40.000 Euro darf jemand, der Hilfen bezieht, nun behalten“, ärgert sich der Rentner über das Bürgergeld: „Einem Ehepaar wie uns wird hingegen gerade mal 10.000 Euro pro Person zugestanden.“ Hilfegesuche per Brief an Politiker der Bundesregierung blieben mit einem „Standardschreiben“ unbeantwortet, behauptete der Senior. „Niemand hat mir einen Grund für die schändliche Ungerechtigkeit in Sachen Bürgergeld und Schonvermögen nennen können.“
„Will gar nicht wissen, wie das weitergegangen wäre“: Rentnerin dank neuer Medikamente wieder Zuhause
Dieser Zustand habe bei ihm ein Gefühl von Zukunftsangst und Wut, aber auch Würdelosigkeit ausgelöst. Erst zuletzt hatte die Bundesregierung Rentenzuschüsse gekürzt.
Immerhin ist das Leiden des Rentner-Ehepaares vorerst gemindert. Die demente Rentnerin kann inzwischen wieder bei der Familie leben: „Dank neuer, anderer Medikamente geht es meiner Frau seit einigen Wochen besser.“ Für ihren Gatten kam dieser Lichtblick gerade noch rechtzeitig: „Ich will gar nicht wissen, wie das alles weitergegangen wäre.“ Die Ersparnisse des Rentners und seiner Frau sind dennoch fast aufgebraucht. (bk)
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