Verbraucherzentrale warnt
Fiese Betrugsmasche: Rentner bestellt Handy auf Amazon - und bekommt Parkscheibe geliefert
Beim Online-Shopping kann so einiges schiefgehen. Ärgerlich wird es dann, wenn Kunden dabei viel Geld verlieren. Darauf sollten Sie bei der nächsten Bestellung achten.
Bremen – Nach langer Zeit endlich ein neues Handy in den Händen zu halten, war ein langersehnter Wunsch des pensionierten Polizeibeamten Maik Wegner. Laut RTL-Bericht hatte er ganze drei Jahre darauf gespart. Er bestellte das neue Gerät über den Onlineversandhändler Amazon. Doch was er bekommt, ist Ware im Wert von zehn Euro.
„Darin war kein Smartphone. Darin waren fünf Gegenstände aus China für 10 Euro“, erklärt der Rentner und hält dabei ein Bild der Gegenstände in seinen Händen. Darauf zu sehen sind unter anderem eine Parkscheibe, zwei Zigarettenanzünder und ein Autostecker. Auch die Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen warnt vor Paketen mit falschem Inhalt beim Onlinekauf. Wollen Kunden nun die Ware reklamieren, werden sie meist darum gebeten, die „richtige“ Ware zurückzuschicken. Im Fall von Wegner wäre dies das Handy, dass er nicht erhalten hat. Doch wie bekommen Verbraucher ihre Ware oder das Geld zurück?
Diese Tipps sollten Verbraucher bei der Paket-Annahme beachten
Grundsätzlich trägt der Verkäufer das Risiko, bis die Ware zugestellt wurde. Das Paket gilt auch als zugestellt, wenn es an dem vom Kunden gewählten Ablageort abgestellt wird. Doch Wegner berichtet: „Mir ist aufgefallen, dass das Paket, das ich bekommen habe, sonst durchgehend verklebt ist mit einem Amazonklebeband. Das ist hier nicht gewesen. Das heißt für mich, dass es hier möglicherweise per Hand nachverklebt wurde.“
Häufig wird die Ware auch von externen Händlern, die ihre Ware über Amazon anbieten und nicht durch das Amazon-Logistikzentrum versandt. Wer nun die Ware ausgetauscht hat und zu welchem Zeitpunkt sie ausgetauscht wurde, ist in diesem Fall unklar. Händler können in solchen Fällen Nachforschungen bei dem zuständigen Versandunternehmen anstellen. Doch das darf laut dem Netzwerk der Europäischen Verbraucherzentren (ECC-Net) nicht zum Nachteil des Kunden sein. Dieser kann bereits vorher eine Erstattung oder Neulieferung verlangen.
Doch meist wollen Verkäufer einen Beweis, dass die Ware nicht vom Kunden selbst ausgetauscht wurde. Diese Tipps können Verbrauchern in solchen Fällen helfen:
- Annahme verweigern, wenn das Paket in einem beschäftigten oder geöffneten Zustand ankommt
- Schaden durch den Zusteller über das Scanner-Gerät vermerken lassen
- Filmen wie man das Paket öffnet, sodass auch der Inhalt sichtbar ist
- Paket im Beisein eines Zeugen öffnen
- Fotos von der Ware und dem Paket machen
- Paketschein aufbewahren. Hier ist das Gewicht des Päckchens angegeben
- An den Verkäufer wenden. Beweismittel wie Videos, Fotos und Kopie des Paketscheins mitschicken
- Nachlieferung oder Erstattung des Kaufpreises verlangen
- Quelle: Verbraucherschutzzentrale Niedersachsen
Das sollten Sie bei der Kommunikation mit dem Händler bei falscher Ware im Amazon-Paket beachten
Das ECC-Net rät zudem nur schriftlich mit dem Verkäufer zu kommunizieren, um im Falle eines Rechtsstreits immer genügend Beweise vorlegen zu können. Zudem sollten Kunden in ihrer Nachricht dem Händler eine Frist von zwei Wochen geben. Diese sollte sowohl für eine Antwort, als auch für eine Erstattung gesetzt werden.
Eine weitere Möglichkeit ist es, das Geld zurückzuholen. Falls dies beispielsweise durch Anbieter wie Paypal oder die eigene Hausbank noch möglich ist. Lässt sich das Geld noch zurückbuchen, so könnte eine Sperrung des Kundenkontos durch Amazon erfolgen. Doch davon sollen sich Kunden laut Verbraucherschutzzentrale nicht einschüchtern lassen. Kunden können im Zweifel auch eine Strafanzeige bei der Polizei stellen.
Mit einer ganz besonderen E-Mail bekam auch der Rentner sein Geld von Amazon zurück
Auch eine Amazon-Sprecherin äußerte sich zu dem Fall gegenüber RTL: „Wir arbeiten intensiv daran, die Kundenerfahrung in diesen Fällen zu verbessern – und stehen dafür auch mit dem Verbraucherschutz und den Behörden im Austausch.“ Wegner wendete sich zunächst an den Kundenservice, doch ohne Erfolg. „Im Endeffekt bin ich bei denen nicht weitergekommen und habe dann dem Chef Jeff Bezos geschrieben. Auch wenn ich gedacht habe, dass es keinen Sinn hat“, sagt der Rentner. Doch dann bekommt er schließlich den Kaufpreis aus Kulanz erstattet.
Nun warnen Verbraucherschützer vor einer weiteren Betrugsmasche. Betrüger geben sich als Mitarbeiter von Amazon aus, um an Kundendaten zu gelangen. (mima)